ProtestzugTausende demonstrieren in Troisdorf für Demokratie

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Männer und Frauen laufen vor einem Transparent. „Troisdorf bleibt bunt“, steht darauf und „Nie wieder ist jetzt“.

Vertreter fast aller Fraktionen gingen dem Zug voran, ihnen folgten 2500 bis 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In Troisdorf sind am Samstag Tausende einem Aufruf zur Demonstration gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie gefolgt.

Hinter dem Banner „Troisdorf bleibt bunt“ versammelten sich am Samstagnachmittag Tausende Teilnehmer nicht nur aus Troisdorf, vor dem Banner gingen Vertreter des breiten Parteienbündnisses, das vor einer Woche zu einem Demonstrationszug gegen Rechtsextremismus aufgerufen hatte.

Teilnehmer zogen durch die Innenstadt

Vom Kölner Platz in der Fußgängerzone zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Platz der Menschenrechte am Rathaus. Im Zug waren Plakate wie „Demokratie braucht keine Alternative“ oder „Nazis auf den Mond, weil dort keiner wohnt“ zu sehen. Der Troisdorfer Künstler Michael Sönksen hatte „Nie wieder“ auf sein Schild geschrieben, auf dem er mit wenigen Strichen ein Porträt Adolf Hitlers gemalt hatte.

Demokratie ist die politische Form der Menschenwürde
Elisabeth Winkelmeier-Becker, CDU-Bundestagsabgeordnete

Unter den zum Holocaustgedenktag auf Halbmast gesetzten Flaggen am Rathaus hatten die Organisatoren eine Bühne aufgebaut, auf der als erste Rednerin die CDU-Bundestagsabgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker sprach. „Wir freuen uns, hier zu sein“, sagte sie neben der  Troisdorfer Landtagsabgeordneten Katharina Gebauer, ebenfalls CDU. 

Vor einem großen Verwaltungsgebäude stehen viele Menschen. Sie halten Transparente in die Höhe. Im Vordergrund steht ein Karnevalsdreigestirn: Prinz, Bauer und Jungfrau.

Auch Karnevalisten wie das Müllekovener Dreigestirn waren zu der Kundgebung vor das Rathaus gekommen.

„Demokratie ist die politische Form der Menschenwürde“, sagte Winkelmeier-Becker. Sie seien froh, dass so viele vom Sofa aufgestanden seien, um ein Zeichen für die Demokratie zu setzen, erklärten die beiden Christdemokratinnen, die sich bei den Organisatoren bedankten „und den vielen, die sich aufgemacht haben“.

Vertreter der SPD erinnerte an ermordete Troisdorfer Nachbarn

Nicht an irgendeinem Tag seien die vielen Menschen auf die Straße gegangen, sagte für die SPD der Troisdorfer Co-Vorsitzende René Wirtz. Im Gedenken an sechs Millionen ermordete Juden schloss er auch „unsere Troisdorfer Nachbarn“ ein, die von den Nazis verschleppt und ermordet wurden. „Niemand darf mehr die Hand an unsere Nachbarn legen“, appellierte er an die Zuhörenden.

Vizebürgermeister Erkan Zorlu (Grüne) erinnerte daran, dass in Troisdorf Menschen aus 121 verschiedenen Nationen zusammenleben, „Vielfalt statt Einfalt“ habe er mehrfach im Protestzug gelesen. „Mit großer Besorgnis“ habe er die Berichterstattung über das Geheimtreffen in Potsdam gelesen; „Menschen wie ich sollen ausgewiesen werden.“ Die Pläne erinnerten an schlimmste Zeiten; „es ist höchste Zeit zu handeln“, rief er den Zuhörenden zu, unter die sich auch das Dreigestirn aus Troisdorf-Müllekoven gemischt hatte.

Derweil soll sich der Bürgermeister Alexander Biber auf einer Karnevalssitzung in Spich aufgehalten haben.

Eine große Menschenmenge steht auf einem Platz. Erwachsene und Kinder tragen Protestschilder.

Vor dem Rathaus fand die abschließende Kundgebung statt.

Wie berichtet, hatte er angekündigt, der Protestveranstaltung fernzubleiben. Der von ihm geführte Stadtverband der CDU fehlte auf dem Plakat mit dem Protestaufruf – anders als die Junge Union. Zahlreiche Mitglieder der CDU-Fraktion nahmen an der Demo teil.

Troisdorfer CDU-Fraktionsmitglieder nahmen ohne Bürgermeister teil

„Ich bin hier mit ganz vielen anderen aus der CDU“, sagte die langjährige Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Beate Schlich. „Wir waren nicht damit einverstanden“, kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clemens Overath die Haltung des Bürgermeisters.

Auf die kleine Bühne stiegen neben Vertretern der Parteien – der Fraktionsvorsitzende Dietmar Scholtes sprach für die FDP im Stadtrat – und des DGB auch Abgesandte der Religionsgemeinschaften. „Wir können nicht schweigen,“ sagte Hassan Kayan, der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Troisdorf. „Menschenwürde ist kein Verhandlungsgegenstand.“

Troisdorfer Kirchen sehen „Verantwortung, das nie wieder zuzulassen“

Auch die Vertreter der Kirchen wüssten um ihre „Verantwortung, das nie wieder zuzulassen“, sagte der evangelische Pfarrer Sebastian Schmidt, „die Erinnerung darf nie vorbei sein“. Er hoffe und bete, dass die Demonstration mehr als ein Spaziergang in der Sonne sei.

An das christliche Menschenbild, das jedem die gleiche Würde und die gleichen Werte zumesse, erinnerte Hermann-Josef Zeyen, Leitender Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft Troisdorf. „Auch in unseren Gemeinden leben Menschen aus vielen Ländern“, sagte Zeyen. Und umgekehrt gebe es Beziehungen in viele Länder der Welt. 

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