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1. FC KölnHohe Zahl an Muskelverletzungen - Kessler nimmt Mediziner in Schutz

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Die nächste Hiobsbotschaft: FC-Profi Sebastian Sebulonsen fällt in den kommenden Wochen wegen einer Muskelverletzung aus.

Sebastian Sebulonsen und Jan Thielmann sind bereits die Spieler Nummer vier und fünf, die dem 1. FC Köln im Jahr 2026 wegen einer Muskelverletzung fehlen. Ein Nachteil im Abstiegskampf.

In der allgemeinen Begeisterung über das sagenhafte Fallrückziehertor von Ragnar Ache ging fast ein wenig unter, dass der 1. FC Köln den Ausfall von zwei weiteren Spielern zu beklagen hat. Jan Thielmann und Sebastian Sebulonsen stehen nach Angaben des Fußball-Bundesligisten „vorerst“ nicht zur Verfügung, es ist von einer mehrwöchigen Ausfallzeit auszugehen. Das Duo reiht sich ein in die immer länger werdende Liste von FC-Profis mit Muskelverletzungen. Seit Wochen ist es am Geißbockheim dasselbe Bild: Kommt ein Spieler gerade aus einer Verletzung wieder, meldet sich mindestens ein anderer Spieler ab.

So geschehen auch am vergangenen Wochenende: Während Jahmai Simpson-Pusey beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim sein Comeback in der Innenverteidigung gab, verabschiedeten sich Jan Thielmann und Sebastian Sebulonsen ins Verletztenlazarett. Thielmann hatte beim Aufwärmen muskuläre Probleme verspürt, weshalb Lukas Kwasniok seine Startelf kurz vor dem Anpfiff umbauen musste. Für Sebulonsen wiederum war das Spiel Mitte der zweiten Halbzeit beendet. Offenbar klagte der Norweger über Beschwerden. Denn vorzeitige Auswechslungen sind bei ihm unüblich geworden. Der Sommer-Zugang hat sich im Defensivbereich zur unumstrittenen Stammkraft entwickelt.

Wir haben mit Christian Osebold einen herausragenden leitenden Mitarbeiter in unserer medizinischen Abteilung. Auch die ärztliche Betreuung ist auf einem hohen Niveau.
Thomas Kessler, FC-Sportchef

MRT-Untersuchungen ergaben, dass bei beiden Spielern eine strukturelle Verletzung vorliegt. Damit müssen die Kölner ihre rechte Schiene neu sortieren. Die erneuten Ausfälle erwischen den Aufsteiger zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mit dem letzten Saisondrittel beginnt für den Tabellenzwölften die entscheidende Phase im Kampf um den Klassenerhalt. Das Duell am Freitag (20.30 Uhr, Sky) beim Tabellennachbarn FC Augsburg hat wegweisende Bedeutung. Nicht nur, weil in der Woche danach mit Borussia Dortmund ein weiteres Spitzenteam nach Köln kommt. Sondern auch, weil die untere Tabellenhälfte noch enger zusammengerückt ist. Durch den Sieg des FC St. Pauli im Kellerduell gegen den neuen Tabellenvorletzten Werder Bremen liegen die Kölner nur noch fünf Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz. Ein Sieg in Augsburg würde dem FC wieder mehr Luft verschaffen. Bei einer Niederlage droht hingegen ein unruhiger Endspurt.

Hinter den Kulissen ist die Zahl der Muskelverletzungen nicht erst seit diesem Wochenende ein Thema am Geißbockheim. Bei der Suche nach der Ursache liegt der Fokus der Verantwortlichen offenbar nicht auf der medizinischen Abteilung, deren Arbeit Sportchef Thomas Kessler erst vor kurzem ausdrücklich lobte. „Wir haben mit Christian Osebold einen herausragenden leitenden Mitarbeiter in unserer medizinischen Abteilung. Auch die ärztliche Betreuung ist auf einem hohen Niveau. Das soll auch so bleiben“, sagte Kessler in einem Interview mit dem „Express“. „Unabhängig davon muss man Verletzungen immer individuell betrachten. Solche Phasen gibt es im Fußball, auch wenn man sich natürlich wünscht, davon verschont zu bleiben.“

1. FC Köln: Schon fünf Muskelverletzungen im Jahr 2026

Von einer „Phase“ kann inzwischen jedoch keine Rede mehr sein. Jan Thielmann und Sebastian Sebulonsen sind bereits die FC-Profis Nummer vier und fünf, die im Jahr 2026 wegen einer Muskelverletzung ausfallen. Den Anfang machte Dominique Heintz, der sich zum Abschluss des Wintertrainingslagers muskulär verletzte, zu früh wieder einstieg – und noch keines der acht Spiele nach der Winterpause mitmachen konnte. In der Hinrunde hatten Heintz und Thielmann schon einmal wegen einer Blessur im muskulären Bereich gefehlt.

Weiter ging es mit Jahmai Simpson-Pusey. Der Winterzugang verpasste vier Spiele; auch bei ihm lag der Grund in einer Muskelverletzung. Simpson-Pusey war Anfang Januar ohne Spielpraxis nach Köln gekommen. Wegen der zum damaligen Zeitpunkt herrschenden Personalnot im Abwehrzentrum waren die Dienste des 20-Jährigen prompt gefragt. In der Englischen Woche zum Start aus der Winterpause stand die Leihgabe von Manchester City in allen drei Begegnungen über die gesamte Spieldauer auf dem Platz. Simpson-Pusey stellte sich als sofortige Verstärkung heraus. Doch der Preis, den die Kölner in Form einer weiteren Muskelverletzung zahlten, war hoch.

Ähnlich verhielt es sich bei Alessio Castro-Montes. Der in der Hinserie kaum berücksichtigte Belgier schwang sich zum Gewinner der Wintervorbereitung auf, weshalb er in den ersten fünf Spielen des Jahres viermal in die Startelf berufen wurde. Castro-Montes überzeugte mit drei Torvorlagen, doch womöglich war die Belastung zu hoch. Der Schienenspieler ist derzeit nicht einsetzbar. Auch bei ihm diagnostizierten die Ärzte eine Muskelblessur. Erst kürzlich kehrte Joel Schmied zurück, der wegen einer Muskelverletzung mit Sehnenbeteiligung mehr als zwei Monate pausiert hatte.

1. FC Köln: Lukas Kwasniok lässt besonders intensiven Stil spielen

Lukas Kwasniok, der einen besonders intensiven Stil mit einem der höchsten Laufwerte der Bundesliga spielen lässt, hatte zuletzt erklärt, die Ursache für die Muskelverletzungen nicht im Bereich der Trainings- und Belastungssteuerung zu sehen, im Gegenteil. Der heutige Fußball zeichne sich im Umgang mit Verletzungen sogar durch eine „gewisse Vorsicht“ aus. „Während man vor Jahren noch weitergespielt hat, bis der Muskel wirklich durch war, nimmt man die Spieler heute eher mal zwei, drei Wochen raus, damit nichts Schlimmeres passiert“, schilderte Kwasniok, der anfügte: „Ich glaube, dass die Zahl der Muskelverletzungen steigt, weil die Diagnostik immer besser wird.“

Kwasniok räumte jedoch auch ein, bei Jahmai Simpson-Pusey und Alessio Castro-Montes ein „gewisses Risiko“ eingegangen zu sein. Bei beiden Akteuren sei „die Summe der Spiele“ nach Monaten ohne Spielpraxis ausschlaggebend gewesen. „Eine Verletzung lässt sich dann nicht so leicht verhindern“, meinte Kwasniok, der sich nach eigener Darstellung in einem Interessenskonflikt befunden hatte: „Die Spieler haben performt. Deshalb möchte man sie auf dem Platz haben.“