Der 1. FC Köln hat beim 1:1 in Hamburg defensiv und kämpferisch überzeugt. Offensiv blieben einige Wünsche offen.
1. FC KölnDas Problem im letzten Drittel

Herr der Lüfte: HSV-Abwehrchef Luka Vuskovic war kaum zu überwinden.
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Der übliche Ärger lag in der Luft, so richtig aussprechen wollte ihn im Lager des 1. FC Köln nach dem 1:1 am Samstag im Aufsteigerduell der Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV aber niemand. Bei Trainer Lukas Kwasniok klang es so: „In Summe hat es sich so angefühlt, als ob wir durchaus den Sieg hätten mitnehmen können.“ Torschütze Said El Mala formulierte es ähnlich: „Auch, wenn meiner Meinung nach drei Punkte hätten mitnehmen können, ist der Punkt extrem wichtig.“
Der 19-Jährige fasste damit treffend die Erleichterung der Kölner zusammen. Ein Gefühl, das stärker war, als die erneut verpasste Möglichkeit, sich für den hohen Aufwand und eine gute Leistung endlich auch mal mit einem Sieg zu belohnen.
Die Frage, warum es den Geißböcken einmal mehr nicht gelungen war, sich gegen einen tief aufgestellten Gegner, der dem FC weitgehend das Spiel mit Ball überließ, mehr als drei zwingende Torchancen in 90 Minuten herauszuspielen, drängte sich trotzdem auf. Zumal am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky und DAZN) im Derby mit Borussia Mönchengladbach ein Team wartet, das eine ähnliche Herangehensweise bevorzugen wird. Die Kölner durften damit bereits im Hinspiel unliebsame Bekanntschaft machen und unterlagen mit 1:3.
„Wir waren im letzten Drittel nicht so gefährlich und sicher auch ein bisschen zu unsauber“, fand Said El Mala eine plausible Erklärung für die im Gegensatz zur Defensive eher dürftige Offensivleistung des FC in Hamburg. Sein Trainer holte etwas weiter aus: „Wir hatten ein paar von den Situationen, in denen es beim Eindringen in den Strafraum Überzahl- oder Gleichzahlsituationen gab und des dann unsauber wurde“, sprach Kwasniok die überhasteten und ungenauen Flanken und letzten Pässe seines Teams an.
Zu viele falsche Entscheidungen, zu frühe Flanken
Der 44-Jährige prangerte die vielen „falschen Entscheidungen“ an. Zum Beispiel, dass seine Spieler zu früh geflankt hätten. „Bei uns gibt es die Tendenz, mit einem Ragnar Ache im Strafraum immer das Gefühl zu haben, flanken zu können und es auch zu tun. Das Ziel war aber schon, mit den Flanken auch aus dem Verteidigungsbereich des herausragenden Luka Vuskovic zu kommen“, wies Kwasniok auf die Fähigkeiten des 19-jährigen HSV-Abwehrchefs hin. Der kopfballstarke Ragnar Ache hatte in dem 1,93 großen Kroaten auf jeden Fall einen ebenbürtigen, wenn nicht sogar überlegenen Kontrahenten.
Dem FC-Chefcoach fehlte deshalb die Variabilität in den Angriffsbemühungen: „Es gibt schon noch andere Elemente. Die Jungs können zum Beispiel ins Eins-gegen-Eins gehen und selbst zum Abschluss kommen. Das war zu selten der Fall, wir verlassen uns zu sehr auf Reggie. Wenn da ein Vuskovic steht, ist es nicht so einfach, ein Kopfballtor zu machen.“ Erschwerend hinzu kam, dass die Kölner aus einem Eckenverhältnis von 8:1 nicht mehr Kapital schlagen konnten, als den 1:1-Ausgleichstreffer von El Mala kurz vor dem Pausenpfiff. Die erfolgreiche Variante, den Ball über die Mitte auf den zweiten Pfosten zu verlängern, hätte das FC-Trainerteam gerne öfter gesehen. „Zwei, drei hätten gefährlicher werden können. Wir haben in Summe sicher keine Kopfballmonster auf dem Feld. Wir sind da weiter dran und versuchen gefährlicher zu werden. Zumindest haben wir es einmal unter Beweis gestellt“, sah Kwasniok bei den Offensiv-Standards seines Teams einen kleinen Fortschritt.
Das geht mir alles auf den Sack. So einfach ist das.
Den konnte er bei einem anderen Thema nicht entdecken. Der Hamburger William Mikelbrencis hatte Kristoffer Lund bei dessen Sturmlauf in der 29. Minute erst klar gestoßen und dann auch noch von hinten in die Achillesferse getreten. Für die gleiche Situation hatte FC-Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey eine Woche zuvor beim 1:2 gegen Borussia Dortmund nach einem Foul an Maximilian Beier in der 44. Minute die Rote Karte gesehen und wurde für zwei Spiele gesperrt. Schiedsrichter Tobias Welz ließ Mikelbrencis ganz ungestraft davonkommen und entschied in der Szene mit Lund auf Eckstoß für den FC.
„Das geht mir alles auf den Sack. So einfach ist das“, wählte Lukas Kwasniok klare Worte, als er auf das Foul angesprochen wurde. „Ich will weder, dass es bei Jahmai in der vergangenen Woche eine Rote Karte ist noch in dieser Szene des HSV“, sagte der Kölner Coach und verschaffte seinem Ärger mal so richtig Luft: „Ich verstehe aber nicht, warum es so unterschiedlich gehandhabt wird. Da wird uns etwas von Schrittfolge und weiß der Geier was erzählt. Andererseits gibt es ein Trefferbild. Es ist immer unterschiedlich. Nach meinen Maßstäben ist es in beiden Fällen keine Rote Karte. Nach den Maßstäben, die uns dann mitgeteilt werden, ist es vergangene Woche Rot und diese Woche nicht. Ich kann es nicht nachvollziehen und ich will es mittlerweile auch nicht mehr“, sagte der FC-Coach.
