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1. FC KölnKwasniok erklärt seine Logik bei Trainerwechseln

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Training vor dem Spiel beim Hambruger SV:  Trainer Lukas Kwasniok (links mit Taktiktafel), Cenk Özkacar und Said El Mala.

Training vor dem Spiel beim Hambruger SV:  Trainer Lukas Kwasniok (links mit Taktiktafel), Cenk Özkacar und Said El Mala.

Der 1. FC Köln und sein Trainer Lukas Kwasniok stehen im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga vor dem Aufsteigerduell beim Hamburger SV unter Druck.

Für gewöhnlich verlässt Lukas Kwasniok nach Pressekonferenzen recht rasch den Ort des Geschehens. Hier und da lässt sich der Trainer des 1. FC Köln noch mal auf ein kurzes Wortgeplänkel ein, eine längere Unterhaltung zwischen dem 44-Jährigen und den Journalisten hat es seit Antritt seiner Amtszeit im Sommer 2025 aber noch nicht gegeben. Es war also absolut außergewöhnlich, dass sich Kwasniok am Donnerstag nach seinen Ausführungen zum Bundesliga-Aufsteigerduell beim Hamburger SV (Samstag, 18.30 Uhr/Sky) noch einer Diskussionsrunde stellte, die länger als eine halbe Stunde dauerte.

Die Extrazeit mit Kwasniok verstärkte den Eindruck, den der FC-Coach zuvor auf der offiziellen Pressekonferenz erweckt hatte, als er leiser und zurückhaltender redete, kaum lächelte und für seine Verhältnisse recht kurze Antworten gab. Da kämpft ein Mann um seinen Job, weil er ihn sehr gerne macht, von seiner Arbeit überzeugt ist und fest daran glaubt, dass einem Club wie dem 1. FC Köln Nachhaltigkeit auch auf der Trainerposition einfach mal wieder guttun würde.

Wenn man sich mal die untere Tabellenhälfte anschaut, haben fünf Vereine den Trainer gewechselt und fünf nicht.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

Also sprach Kwasniok am Donnerstag im Geißbockheim hinterher zwischen Tür und Angel von „Hätte, Wenn und Aber“ und war darum bemüht, Argumente vorzubringen, die mehr für ihn und seine Arbeit sprechen, als es die zwei Siege aus den jüngsten 16 Bundesligaspielen tun. Wäre Torwart Marvin Schwäbe nicht in letzter Sekunde beim 1:1-Ausgleichstreffer des FC St. Pauli unglücklich ausgerutscht und hätten der VAR oder die Glücksgöttin Fortuna nur zwei-, dreimal mehr auf der   Seite der Kölner gestanden, würde die Situation ganz anders aussehen.

Tut sie aber nicht und deshalb warb Lukas Kwasniok einmal mehr um Geduld und verwies darauf, dass der FC nicht abgestiegen sei und noch neun Spiele zu spielen seien, in denen 27 Punkte vergeben werden. Der Kampf um den Klassenerhalt sei vom ersten Spieltag an das einzige Ziel gewesen, worum es bei den Kölnern ginge. „Wenn man sich mal die untere Tabellenhälfte anschaut, haben fünf Vereine den Trainer gewechselt und fünf nicht“, nahm der FC-Coach im offiziellen Teil der Pressekonferenz einen Vergleich zur Hand, um sich zu erklären.

Hamburger SC und St. Pauli halten an ihren Trainern fest

Sein Ansatz lautete, dass mit Bremen, Wolfsburg, Augsburg, Mainz und Mönchengladbach die Clubs ihre Trainer entlassen haben, die davon überrascht waren, sich im Abstiegskampf wiederzufinden. Mit Heidenheim, Union Berlin, dem Hamburger SV, St. Pauli und eben dem 1. FC Köln hätten dagegen die fünf Vereine die Mechanismen der Branche nicht in Gang gesetzt, weil sie von Beginn an wussten, dass es allein darum geht, die Liga zu halten.

Gerade bei den beiden Hamburger Clubs hat sich die Geduld mit den Trainern ausgezahlt. Merlin Polzin hat den HSV trotz eines schwierigen Saisonstarts inzwischen auf Platz zehn   geführt und Alexander Blessin durfte auf St. Pauli bleiben, obwohl er eine lange Sieglosserie zu verantworten hatte.   Die Kiezkicker holten aus ihren jüngsten vier Partien zehn Punkte, besiegten dabei Stuttgart sowie Hoffenheim und knöpften Frankfurt einen Punkt ab. Überraschungen, von denen der FC bislang nur träumen kann.

Kwasniok glaubt an seine Mission, die Geißböcke zusammen mit Sportchef Thomas Kessler für eine „wunderbare Zukunft“, aufzustellen. Das Duo hat im vergangenen Sommer den personellen Umbruch eingeleitet. Abgesehen von Marvin Schwäbe und Eric Martel standen meist ausschließlich Neuzugänge in der Startelf. Die Wachablösung schreitet voran: Florian Kainz hat sein Karriereende nach dieser Saison verkündet, Martel wird den Club wohl verlassen. Dominique Heintz sowie Luca Waldschmidt dürften kaum eine Zukunft beim FC haben.

„Wir haben zuletzt eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23,6 Jahren auf dem Feld gehabt – und da war Marvin Schwäbe mit dabei. Die Ergebnisse werden zeitnah kommen“, erklärte Kwasniok. Das muss auch so sein, denn der Trainer weiß, dass er noch die Spiele gegen den HSV und gegen Gladbach Zeit hat, um zu liefern. Ansonsten wird der FC vielleicht eine „wunderbare Zukunft“ erleben, aber sicher eine ohne Lukas Kwasniok.


Voraussichtliche Aufstellungen:

Hamburger SV: Heuer Fernandes; Capaldo, Vuskovic, Torunarigha; Mikelbrencis, Lokonga, Remberg, Muheim; Vieira, Königsdörffer, Dompe. – 1. FC Köln: Schwäbe; Sebulonsen, van den Berg, Özkacar, Lund; Krauß, Martel; Maina, Kaminski, El Mala; Ache. – SR.: Welz (Wiesbaden).