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Sieglosserie des 1. FC KölnKwasniok sucht Schulterschluss mit Fans

4 min

Unter Druck: FC-Trainer Lukas Kwasniok.

Lukas Kwasniok wertet die kämpferische Vorstellung gegen Bayern München als Nachweis für ein intaktes Binnenverhältnis. Dennoch bleibt die Lage vor dem wichtigen Heimspiel gegen Mainz angespannt.

Lukas Kwasniok konnte sich eine Spitze nicht verkneifen. Nachdem seine Mannschaft dem übermächtigen FC Bayern das Leben lange Zeit schwer gemacht hatte, verknüpfte der Trainer des 1. FC Köln seine Anerkennung für die gezeigte Vorstellung mit einem Seitenhieb gegen das Umfeld. „Ich bin einfach unglaublich stolz auf die Jungs, dass sie Woche für Woche trotz künstlich erzeugter, negativer Stimmungslage von außen solche Leistungen imstande sind abzuliefern“, stichelte Kwasniok im Nachgang zur 1:3 (1:1)-Heimniederlage gegen den ungeschlagenen Herbstmeister der Fußball-Bundesliga. Dies sei „nicht ganz so einfach“ und nur möglich, „weil die Jungs fokussiert arbeiten, an sich glauben und immer vorwärtskommen wollen“.

Nach turbulenten Tagen, in denen sich die aktive Fanszene beim Spiel in Heidenheim (2:2) gegen Kwasniok positioniert hatte, wertete der umstrittene FC-Trainer den Auftritt gegen den Primus als Nachweis für ein intaktes Verhältnis zu seinen Spielern. „Dass die Jungs den Bayern Paroli bieten konnten, obwohl unser ältester Spieler auf dem Feld 27 Jahre alt gewesen ist und sechs Innenverteidiger gefehlt haben, ist nur mit einer absoluten Einheit möglich und wenn das Herz am rechten Fleck ist. Wie die Jungs die Ausfälle verkraften, ist schon sensationell“, schwärmte der 44-Jährige.

Ich bin überzeugt davon, dass sich die Jungs für ihre Aufopferungsbereitschaft in den nächsten Spielen belohnen werden.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

Trotzdem ist die Situation unverändert angespannt. Durch das achte sieglose Spiel in Folge schloss der Aufsteiger die Hinrunde mit 17 Punkten ab, was einem Schnitt von exakt einem Zähler pro Spiel entspricht. Eine magere Bilanz, bedenkt man, dass die Kölner nach neun Spieltagen bereits 14 Punkte auf dem Konto hatten. Doch Kwasniok sieht Licht am Ende des Tunnels. Er sei „überzeugt davon, dass sich die Jungs für ihre Aufopferungsbereitschaft in den nächsten Spielen belohnen werden“. Das ist auch dringend erforderlich. Mit dem unter dem neuen Trainer Urs Fischer wiedererstarkten FSV Mainz 05 kommt zum Rückrundenauftakt am Samstag (15.30 Uhr, Sky) einer der Hauptkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt nach Müngersdorf. Eine weitere Niederlage sollte sich der FC nicht erlauben, ansonsten könnte die Stimmung im Umfeld endgültig kippen – und die Luft für Kwasniok dünn werden.

Der suchte vor dem enorm wichtigen Spiel gegen die Rheinhessen den Schulterschluss mit den Anhängern. „Drei der nächsten vier Spiele haben wir zu Hause. Ich glaube, dass wir gemeinsam mit den Fans sehr wohl imstande sind, auch wieder ins Punkten zu kommen. Das geht nur gemeinsam“, appellierte Kwasniok, der sich am Mittwochabend keinen weiteren Fanprotesten ausgesetzt sah. Zugleich stemmte sich Kölns Trainer gegen die aufgekommene Unruhe und kassierte dabei auch eine Aussage von Jakub Kaminski ein. „Acht Spiele ohne Sieg. Die Stimmung in der Mannschaft ist nicht so gut“, hatte der Pole nach der unglücklichen Niederlage gegen die Bayern erklärt.

1. FC Köln: Lukas Kwasniok widerspricht Jakub Kaminski

Auf Kaminskis Feststellung angesprochen, widersprach Kwasniok vehement. „Die Stimmung bei uns allgemein ist überhaupt nicht schlecht. Das wird mit mir nicht passieren. Im Leben gibt es viel, viel härtere Aufgaben“, befand der FC-Coach und fügte launig hinzu: „Morgen wird hoffentlich wieder ein bisschen gelächelt, am Freitag wird gelacht und am Samstag hoffentlich gewonnen.“ Dafür zu sorgen sei „meine Aufgabe und das werde ich jeden Tag, solange ich ans Geißbockheim komme, machen. Voller Energie. Und die Mannschaft folgt“, sagte Kwasniok. Der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt nach dem Abschluss der ersten Saisonhälfte noch fünf Punkte. Mainz werde „ein anderes Spiel, ein wichtiges Spiel“, blickte Kaminski voraus und bekräftigte: „Wir sind stolz, für den FC zu spielen, und müssen kämpfen, um in der Bundesliga zu bleiben.“

Die Partie gegen die Bayern diente als Mutmacher. Trotz einer improvisierten Innenverteidigung aus Reservist Cenk Özkacar und Neuzugang Jahmai Simpson-Pusey hielten die Kölner erstaunlich gut mit. Der FC verteidigte mit hohem läuferischen Aufwand und gewährte den Münchner Weltstars nur recht wenige klare Chancen. Kwasnioks Idee, aus einer kompakten Defensive heraus mit Konterfußball Nadelstiche zu setzen, ging auf. Startelf-Rückkehrer Linton Maina sorgte mit einem Sprint über das ganze Feld sogar für die 1:0-Führung (41.). Nach dem Weltklasse-Aufsetzer von Serge Gnabry (45.+5) zum 1:1-Pausenstand hatte Kaminski zweimal die Chance zur erneuten Führung (56., 58.). Bis in die Schlussphase hinein durften die leidenschaftlich kämpfenden Kölner auf eine Überraschung hoffen, ehe Min-Jae Kim nach einer kurz ausgeführten Ecke (71.) und der eingewechselte Lennart Karl (84.) das Spiel zugunsten des wankenden Favoriten entschieden. „Am Ende tut es weh“, haderte Kaminski. Das war mehr, als vorher zu erwarten war. Und doch bleibt die Lage fragil.