Der 1. FC Köln hat einen neuen Cheftrainer. René Wagner leitete am Montag mit dem ebenfalls neuen Co-Trainer Armin Reutershahn erstmals das Training des Fußball-Bundesligisten.
1. FC Köln„Manchmal fehlen nur Kleinigkeiten“

Rene Wagner und Armin Reutershahn (r.) bei ihrem ersten gemeinsamen Training am Geißbockheim.
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Lukas Kwasniok tauchte am Montag noch einmal am Geißbockheim auf. Der 44-Jährige verzichtete einen Tag nach seiner Freistellung beim 1. FC Köln auf die Teilnahme am Trainer-Kongress in Mönchengladbach und verabschiedete sich stattdessen von der Mannschaft, mit der er in der Bundesliga 27 Spieltage lang um den Klassenerhalt gekämpft hatte. Seine Bilanz: 26 Punkte und Platz 15 vor den ausstehenden sieben Partien. Zu wenig für Sportchef Thomas Kessler, der nach dem 3:3 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach die Reißleine gezogen hatte.
„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Nach der ganzheitlichen Bewertung sind wir aber zu dem Entschluss gekommen, auf der Trainerposition einen neuen Impuls zu setzen“, erklärte Kessler am Montag am Geißbockheim. Der 40-Jährige berichtete, dass Lukas Kwasniok „natürlich enttäuscht“ gewesen sei: „Er hat bis zum letzten Moment alles dafür getan, um die Saisonziele zu erreichen und dafür gekämpft.“ Diskussionen habe es aber nicht gegeben, sagte Kessler, der Kwasniok die Entscheidung nach der Bestätigung durch den Gemeinsamen Ausschuss am Sonntagnachmittag mitgeteilt hatte. „Wir haben nicht lange gesprochen, uns aber noch vernünftig über ein paar Punkte ausgetauscht.“
Der freigestellte Kwasniok steht beim FC nicht wie zunächst vermutet bis Sommer 2027, sondern noch bis zum 30. Juni 2028 unter Vertrag. Sein Arbeitspapier gilt nur für die Erste Liga. Es hatte am Sonntag verwundert, dass der gebürtige Pole in der Pressemeldung des Clubs nicht zu Wort gekommen war. Nach Informationen der Rundschau war dieses Vorgehen letztlich zwischen beiden Parteien so abgesprochen. Kessler hatte bis zum Derby an die Wende unter Kwasniok geglaubt, musste sich nach dann sieben sieglosen Spielen in Serie aber eingestehen, dass es eine Veränderung braucht: „Wir hatten zuletzt die Chance, gegen direkte Konkurrenten wie den HSV und gerade zu Hause gegen Gladbach Siege einzufahren. Das haben wir leider nicht geschafft und dafür gibt es Gründe“, erklärte der FC-Sportchef und räumte ein, dass er aus den Erfahrungen mit seinem ersten Trainer lernen wolle.
Die Gründe für Kwasnioks Scheitern dürften fernab seiner fußballfachlichen Kompetenzen liegen. Aus dem Umfeld des 44-Jährigen war nämlich zu erfahren, dass Thomas Kessler ihm intern mehrfach gesagt haben soll, dass er ihn inhaltlich für einen der besten Trainer in Deutschland hält. Die Vermutung liegt nahe, dass Kwasnioks Fehltritte außerhalb des Platzes und das auch daraus resultierende Verhältnis zur Mannschaft letztlich ausschlaggebend für die fehlende, letzte Überzeugung der Spieler und die vielen knappen Niederlagen gewesen sind. Im Winter-Trainingslager in Spanien war die Stimmung nach einer kritischen Ansprache von Kwasniok vor dem ganzen Team offenbar umgeschlagen. Das Bild vom „Steinewerfer im Glashaus“ soll die Runde gemacht haben.
René Wagner soll den neuen Impuls setzen
„Wir haben uns alle gewünscht, dass sich die Ergebnisse wieder in eine andere Richtung entwickeln. Wenn das nicht der Fall ist, liegt es in meiner Verantwortung, die Situation zu bewerten. Deshalb ist für mich die Länderspielpause der richtige Zeitpunkt, um die Entscheidung zu treffen und einen neuen Impuls zu setzen“, erklärte Kessler. Einen Impuls, den mit René Wagner einer der beiden Co-Trainer von Kwasniok setzen soll.
Die Beförderung des 37-Jährigen lässt auch darauf schließen, dass Wagner durch seinen guten Draht zu den Spielern einen maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Mannschaft bis auf wenige Ausnahmen nicht enttäuschte und nahezu in jedem Spiel die Möglichkeit hatte, zu gewinnen. Thomas Kessler wird diese Bande mitbekommen haben und sich neben der fachlichen Kompetenz auch aus diesem Grund für Wagner und gegen eine externe Lösung entschieden haben.
„Wir waren froh, dass wir ihn im Sommer davon überzeugen konnten, zum 1. FC Köln zurückzukehren. Ich begleite ihn schon ein bisschen länger und bin von seiner fachlichen Expertise maximal überzeugt. René ist ein schlauer Mensch, der einen guten Umgang mit dem Staff und der Mannschaft hat“, lobte Kessler seinen Interimscoach, der wohl zumindest in den nächsten drei Spielen in Frankfurt, gegen Bremen und auf St. Pauli zeigen kann, dass er für die Chefrolle geeignet ist.
Es ist nicht von Nachteil, wenn jemand übernimmt, der die Stärken und Schwächen des Teams kennt.
Der Geschäftsführer Sport erklärte auch, dass Wagner den neuen Impuls setzen kann, obwohl er seit Saisonbeginn mit der Mannschaft arbeitet: „Die Mannschaft hat die Qualität, die Saisonziele zu erreichen. Manchmal fehlen nur Kleinigkeiten. Es ist nicht von Nachteil, wenn jemand übernimmt, der die Stärken und Schwächen des Teams kennt und die eine oder andere Stellschraube dreht, um etwas zu verändern. Da haben wir großes Vertrauen in René.“
Wagner wurde nach seiner Ausbildung in den USA unter Steffen Baumgart Co-Trainer beim SC Paderborn. Er begleitete seinen Chef 2021 zum FC und danach auch zum Hamburger SV und Union Berlin. Vor dieser Saison kehrte er ans Geißbockheim zurück und leitete am Montag vor rund 250 Kiebitzen sein erstes Training als Cheftrainer. Der gebürtige Dresdener wird am Dienstag zu den Medienvertretern sprechen und dann das Unternehmen Klassenerhalt mit aktuell zwei Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 angehen: „Die Verantwortung, die mir der FC übertragen hat, werde ich mit der gleichen Hingabe angehen, wie meine bisherigen Aufgabe“, verbreitete Wagner in seinem ersten Statement Hoffnung.
