Der 1. FC Köln spielt beim 0:1 in Frankfurt ordentlich mit, ist jedoch nicht in der Lage, nachhaltig Torgefahr zu entwickeln – Das erste Gegentor entscheidet die Partie
1. FC Köln nach 0:1 in FrankfurtWenn der Zielspieler fehlt

Marius Bülter erlebte einen unglücklichen Abend mit dem 1. FC Köln in Frankfurt.
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In der neuen Woche wird René Wagner mit neuer Intensität daran arbeiten müssen, seine Mannschaft ein wenig gefährlicher zu machen. Nach den vielen Situationen, die beim 0:1 (0:0) in Frankfurt zwar Möglichkeiten, aber keine Tore hatten entstehen lassen, war der Frust groß. „Es war ein gutes Auswärtsspiel, leider mit einem falschen Ergebnis“, sagte der Kölner Trainer.
Gegen sichtlich angeschlagene Frankfurter, die in der Woche zuvor noch 0:6 bei RB Leipzig untergegangen waren und vor eigenem Publikum unter Druck standen, hatten die Kölner besonders in der ersten Halbzeit zahlreiche starke Aktionen inszeniert, dann aber nicht getroffen. René Wagner erklärte später, seine Angreifer seien „im letzten Drittel nicht genau genug gewesen“; zudem habe „vielleicht ein bisschen die Ruhe gefehlt, die Situation durchzuspielen“. Keine Genauigkeit, keine Ruhe beim Abschluss: ein Qualitätsproblem der ersatzgeschwächten FC-Offensive.
Die Strategie, gegen einen unter Zugzwang stehenden Gegner aus einer tief stehenden Fünferkette Angriffe zu inszenieren, war durchaus aufgegangen. Doch nach den Verletzungen von Thijs Dallinga und Ragnar Ache in der Länderspielpause fehlt der Mannschaft ein Zielspieler, der in der Lage wäre, aus Chancen Tore und aus Überlegenheit Siege zu gestalten. Das ist ein Problem – zumal in einer Mannschaft, die seit Januar nicht mehr ohne Gegentor geblieben ist. Wenn der FC nicht trifft, verliert er – so war es auch in Frankfurt.
„Wir haben heute eigentlich vieles richtig gemacht. Es ging auch darum endlich mal wieder stabil zu stehen. Es ist schwierig zu erklären“, seufzte Angreifer Marius Bülter, der sich 90 Minuten lang aufgerieben hatte, nach sechs Einsätzen jedoch weiter auf seinen ersten Scorerpunkt wartet. „Wir wollten über das Umschaltspiel kommen. Da hatten wir schon ein paar gute Situationen“, sagte der 33-Jährige.
Wir haben es dann nicht geschafft, den Ball in die gegnerische Hälfte zu bekommen, um die Phasen des tiefen Verteidigens zu vermeiden
„Die Idee mit der Fünferkette hatten wir schon lange“, erklärte Wagner. „Es war geplant, dass wir in Frankfurt so spielen wollten, weil es inhaltlich einfach so passte.“ In der ersten Hälfte ging der Plan auf. Torwart Marvin Schwäbe bestätigte den positiven Eindruck: „Die erste Hälfte war gut. Ich fand, es hat sehr, sehr gut ausgesehen.“
Doch nach dem Seitenwechsel kippte die Partie, weil die Entlastung fehlte. Dass die Kölner Angriffe ausblieben, lag nicht allein daran, dass ein Qualitätsspieler in vorderster Reihe fehlte. Aus ihrer tiefen Staffelung gelang es Wagners Leuten kaum mehr, Bälle nach vorn zu schlagen. Es war glatt kurios, wie die FC-Verteidiger daran scheiterten, ihre Sprinter Linton Maina oder Said El Mala mit langen Schlägen zu erreichen. „Ich kann mich da bestimmt an fünf Ballgewinne in der eigenen Hälfte erinnern, die wir in der ersten Halbzeit wesentlich besser ausgespielt haben“, haderte Wagner. „Wir haben es dann nicht geschafft, den Ball in die gegnerische Hälfte zu bekommen, um die Phasen des tiefen Verteidigens zu vermeiden.“
Das rächte sich. Die Eintracht drängte Köln tief in den eigenen Strafraum. „Wir sind dann passiver geworden, hatte ich das Gefühl“, sagte Schwäbe über die kritische Phase. Wer sich dann nicht befreien kann, den bestraft die individuelle Klasse des Gegners. In der 78. Minute brach der Kölner Defensivplan mit dem Tor zum 0:1-Endstand zusammen.
Ein ärgerlicher Treffer, Schwäbe wurde deutlich. „Wenn man das Gegentor sieht, war das mehr Begleitschutz, als dass wir in den Zweikampf reingekommen sind“, sagte der Kölner Kapitän. „Das hat mich an das eine oder andere Tor auch schon erinnert.“ Schwäbe nannte keine Namen, doch der Adressat war klar. Mikey Moore versuchte vor dem 0:1 auf der linken Seite erfolglos, Ansgar Knauff den Ball abzujagen – und blieb dann stehen, statt dem Ball zu folgen. Aseko spielte ohne Gegnerdruck mit einem Kabinettstückchen Younes Ebnoutalib frei, der aus kurzer Distanz mit viel Druck ins kurze Eck traf.

Mikey Moore (vorn) spielte eine unglückliche Rolle beim Frankfurter Siegtreffer.
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Wagner erklärte das Tor vor allem mit der Qualität des Gegners. „Die Vorlage ist unglaublich, ich habe es gerade noch mal im Video gesehen. Das machen nicht viele Spieler so.“ Es war tatsächlich ein hervorragend gespieltes Tor, das ohne Kölner Zutun so dennoch nicht gefallen wäre. Das dürfte Schwäbe mit dem „Begleitschutz“ gemeint haben. Die letzte Kölner Verteidigungslinie neigt dazu, nicht immer mit letzter Konsequenz zu arbeiten. Schwäbe hat davon offenbar genug.
Moore hatte nach einer starken Länderspielphase mit Englands U20 – zwei Tore und eine Vorlage in drei Spielen – eine mäßige Trainingswoche am Geißbockheim absolviert und den Anpfiff in Frankfurt von der Bank aus erlebt. Im Duell um einen der Plätze an der Seite von Tom Krauß hatte er sich weder gegen Linton Maina noch Isak Johannesson durchsetzen können – und war so zum Opfer der taktischen Umstellung auf drei Innenverteidiger geworden. Nach seiner Einwechslung in der 68. Minute beim Stand von 0:0 bewirkte er dann das Gegenteil einer Schlussoffensive. Auch nach dem Gegentor kam wenig vom 19-Jährigen, der nach 316 Bundesligaminuten in fünf Partien bei einer Vorlage noch ohne eigenen Treffer steht.
Angefressener Torhüter
So stand am Ende eine Niederlage, die vorwiegend dem Torhüter zusetzte. Thomas Kessler versuchte, die Debatte von Moore fernzuhalten: „Kurz nach dem Spiel sind natürlich auch Emotionen dabei. Marvin ärgert sich, er hätte sicherlich gern zu null gespielt. Begleitschutz habe ich da nicht gesehen“, konterte er. Der Kölner Sportchef vermeidet in der Regel den emotionalen Austausch, gerade kurz nach dem Schlusspfiff. „Wenn Marvin das so wahrnimmt, müssen wir das noch mal besprechen“, sagte er zu Schwäbes Kritik – und war damit offenbar einer Meinung mit seinem Cheftrainer. Denn auch René Wagner war unglücklich über die Kritik des Kapitäns. Und stellte das später auch im Gespräch mit dem Torwart klar.

