Der 1. FC Köln unterlag dem SC Freiburg nicht als schwächeres Team, sondern aufgrund vermeidbarer Fehler in entscheidenden Momenten.
1. FC Köln gegen FreiburgZwei falsche Entscheidungen — kein Punkt

Konsequenz aus einer falschen Entscheidung: Derry Scherhant erzielt gegen Marvin Schwäbe und Alessio Castro-Montez das 1:1.
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Die Fußball-Bundesliga verzeiht nur ganz selten Fehler. Eine Lektion, die der Unerfahrene immer wieder machen muss, um sich irgendwann in die Lage versetzen zu können, auf der anderen Seite zu stehen und die Aussetzer des anderen gewinnbringend zu nutzen. Der 1. FC Köln befindet sich mit seiner jungen und im vergangenen Sommer neu zusammengestellten Mannschaft als Aufsteiger in dieser Rolle und musste am Sonntag beim SC Freiburg erkennen, dass er noch mittendrin steckt im Lernprozess. Die Geißböcke unterlagen dem Europa League-Teilnehmer nicht, weil sie das schwächere Team waren, sondern weil der abgezockte Sportclub erst die Fehler des Teams von Trainer Lukas Kwasniok beim 2:1 (2:1) gnadenlos bestrafte und dann demonstrierte, wie man einen knappen Vorsprung ins Ziel bringt.
Fehleranalyse: Vermeidbare Gegentore
Im Lager des FC waren sich nach den ausgeglichenen 90 Minuten im ausverkauften Europapark-Stadion alle einig, dass beide Gegentore vermeidbar und auf falsche Entscheidungen zurückzuführen waren. „Wir werden in der ersten Halbzeit eiskalt bestraft für Situationen, die wir besser lösen müssen“, klagte Torwart Marvin Schwäbe. Linton Maina, der erneut in der Startelf stand und stark aufspielte, pflichtete seinem Kapitän bei: „Wir gehen durch zwei einfache Fehler als Verlierer vom Platz.“
Lukas Kwasniok ist als Coach dafür zuständig, die Dinge genauer zu erklären und der 44-Jährige verspürte am Sonntagabend trotz der Niederlage auch das Verlangen, die von seinen Spielern angesprochenen Fehler ausführlicher zu beschreiben. Seine Mannschaft legte einen überzeugenden Start hin und belohnte sich früh mit dem 1:0, das Maina erzwang. Die Flanke von Flügelspieler Maina auf den einschussbereiten Ragnar Ache lenkte SC-Innenverteidiger Max Rosenfelder unglücklich ins eigene Netz (10.).
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Rascher Ausgleich nach Kölner Führung
Der Kölner Jubel war noch nicht ganz verklungen, da stand es schon 1:1. Derry Scherhant nutzte 92 Sekunden nach dem 0:1 einen Schnittstellenpass von Yuito Suzuki zum Ausgleich (11.). „Wir haben vor dem Spiel gewusst, dass wie bei unserem 4:1 im Hinspiel Momente entscheiden können. Wir haben uns leider zweimal falsch entschieden“, startete Kwasniok seine Ausführungen. „Wenn man 1:0 in Führung geht und der Gegner Anstoß hat, kannst du den gegnerischen Keeper mit deinen Offensiven auch mal aktiv anlaufen. Wir haben uns dazu entschlossen, Ragnar Ache in den defensiven Luftzweikampf gehen zu lassen. Das ist so ein Zeichen, da haben wir zu passiv agiert.“
Der FC-Coach deklarierte den Moment als Entscheidung der Mannschaft, was er als Freidenker auch „völlig in Ordnung fand“. Gewünscht hätte er sich etwas anderes: „Dass wir aktiv nach vorne durchlaufen und entsprechend den langen Freiburger Ball höher verteidigen können.“ Ein ärgerlicher Fehler zu einem maximal ungünstigen Zeitpunkt: „Dadurch war die Euphorie nach dem 1:0 ein Stück weit weg“, stellte Schwäbe fest, und Maina sprach von weiteren direkten Auswirkungen: „Es macht etwas mit einem, wenn du so schnell den Ausgleich kassierst. Wir jubeln gefühlt noch und holen dann den Ball aus dem eigenen Tor.“
Wiederkehrende Fehler vor der Halbzeitpause
Das Gefühl dürfte nach dem zweiten Gegentor nicht besser gewesen sein, zumal auch bei Igor Matanovics 2:1 unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff (44.) der Zeitpunkt ungünstiger nicht hätte sein können. „Wir versuchen nach einer verteidigten Standardsituation einen Konter zu fahren, obwohl wir vorne in Unterzahl sind. Eine fehlerhafte Entscheidung, denn so entsteht aus dem Konter ein Gegenkonter“, erläuterte Lukas Kwasniok. Weil die Freiburger den langen Abschlag von Marvin Schwäbe schnell kontrollieren und in einen eigenen Angriff umwandeln konnten, kam Jan-Niklas Beste ausnahmsweise gegen Kristoffer Kund unbedrängt zur Flanke. Im Zentrum waren die Kölner zudem etwas unsortiert und Rav van den Berg verlor das entscheidende Kopfballduell gegen Matanovic.
Die Kölner versuchten in der zweiten Halbzeit zwar alles, hatten durch ihre sehr aktive Doppelspitze Ache und Marius Bülter sowie Maina und Alessio Castro-Montez auch ihre Chancen, es mangelte aber an der Zielstrebigkeit und dem nötigen Quäntchen Glück, um den möglichen Punktgewinn einzufahren.
Hoffnung auf Besserung gegen nächste Gegner
„Hier war auf jeden Fall mehr drin. Minimum ein Punkt“, fand Linton Maina. Tom Krauß, der auf der Sechs den Vorzug vor Eric Martel erhalten hatte, war genervt: „Wir stehen mit leeren Händen. Freiburg zieht so ein Spiel dann mit seiner Erfahrung.“
Die Lernkurve für den FC war am 19. Spieltag der Saison 2025/26 also hoch. Ein Punktgewinn hätte nach dem wichtigen 2:1-Heimsieg gegen den 1. FSV Mainz gutgetan, zumal die 05er, der FC Augsburg, St. Pauli und der Hamburger SV als direkte Konkurrenten im Abstiegskampf punkten konnten. Die Situation bei den Geißböcken bleibt vor dem Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen den VfL Wolfsburg trotz Platz zehn und fünf Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 angespannt.
Auch, weil die nächsten Gegner Leipzig, Stuttgart und Hoffenheim heißen. Bleibt zu hoffen, dass Lukas Kwasniok und sein Team die Lektion von Freiburg für sich nutzen und am Freitag in Müngersdorf mehr richtige als falsche Entscheidungen in den wichtigen Momenten treffen.


