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Kommentar 1. FC KölnThomas Kessler erleidet ersten Schiffbruch

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1. FC Köln vs. Borussia Mönchengladbach, 27. Spieltag, 21.03.2026, 15.30 Uhr, Thomas Kessler (1. FC Köln) nach dem Spiel, Bild: Herbert Bucco

FC-Sportchef nach dem 3:3 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach. 

Der 1. FC Köln hat seinen Trainer Lukas Kwasniok freigestellt. Eine unvermeidbare Entscheidung nach sieben sieglosen Spielen und dem Abrutschen auf Platz 15.

Der 1. FC Köln hat im vergangenen Jahr den ehrenwerten   Versuch unternommen, endlich Konstanz und Stabilität in einem Club   entwickeln zu wollen, der sich in seiner wechselhaften Geschichte den Ruf erworben hat, für das Gegenteil zu sorgen. Ein Plan, der mit einem neuen Vorstand, zwei neuen Geschäftsführern einem neuen Trainer und einem runderneuerten Kader Aufbruch und Hoffnung vermitteln sollte, nun aber am 22. März einen heftigen Rückschlag hinnehmen musste. Die Freistellung von Lukas Kwasniok war in Summe aller Erwägungen zwar unvermeidbar, der Trainerwechsel zeigt aber, dass sich der „neue“ FC nach nicht einmal zehn Monaten anfühlt wie der „alte“.

Thomas Kessler hat sich die Entscheidung, seinen Wunschtrainer freizustellen, nicht leicht gemacht. Auch, weil sich der als Geschäftsführer Sport noch unerfahrene 40-Jährige eingestehen muss, dass er letztlich gleich bei seinem ersten Coach daneben lag. Was zu Beginn der Saison so verheißungsvoll aussah und die Träume vom neuen FC reifen ließ, entwickelte sich spätestens ab Weihnachten zu einem zähen Ringen zwischen Kesslers Hoffnung auf Einsichten und Kwasnioks Unbelehrbarkeit.

Der FC wusste bei der Entscheidung für Kwasniok, worauf er sich einlässt. Auf einen fachlich, kompetenten Fußballlehrer, der zuletzt in Paderborn sein Können über vier Jahre lang nachgewiesen hat. Aber auch auf einen Menschen, dessen Auftritte abseits des Platzes so diskutabel waren, dass sie sich gerade an einem Standort wie Köln zum Problem entwickeln konnten.

Die Frage des Gemeinsamen Ausschusses, ob Kwasniok zu managen sei, wird Kessler noch als Sportdirektor selbstbewusst mit „Ja“ beantwortet haben. Der Sportchef musste nun die Erfahrung machen, dass er mit seiner Einschätzung daneben lag. Der Trainer überzeugte zwar fußballinhaltlich, leistete sich aber abseits des Platzes eine Reihe von Fehltritten und blieb letztlich beratungsresistent und unbeirrbar. Auch um das Verhältnis zu vielen Spielern war es entgegen seiner öffentlichen Aussagen nicht ums Beste bestellt.

Kwasniok konnte der Mannschaft nicht mehr die letzte Überzeugung vermitteln

Es passte ins Gesamtbild, dass Kwasniok bis zum Schluss seine Demission nicht wahrhaben wollte. Der 44-Jährige blieb in seiner eigenen Welt mit seinen eigenen Vorstellungen verhaftet und scheiterte, weil er seiner Mannschaft nicht mehr die Überzeugung vermitteln konnte, die es braucht, um die engen Spiele wie zu Saisonbeginn für sich entscheiden zu können.

Die Freistellung von Lukas Kwasniok ist eine heftige Niederlage für die Neuaufstellung des 1. FC Köln und eine erste Delle in der Geschäftsführer-Karriere von Thomas Kessler. Der Sportchef sollte aus dieser Erfahrung lernen und mit der Beförderung von Co-Trainer René Wagner richtig liegen. Denn steigt der 1. FC Köln am Ende der Bundesliga-Saison 2025/26 zum achten Mal in die 2. Liga ab, trägt nicht nur Lukas Kwasniok die Verantwortung. Den Vorwurf, dass sie früher und konsequenter  hätten handeln können, werden sich dann auch Thomas Kessler und der neue Vorstand mit Präsident Jörn Stobbe sowie den Vizepräsidenten Jörg Alvermann und Ulf Sobek gefallen lassen müssen.