Der 1. FC Köln kann doch noch gewinnen. Nach acht erfolglosen Versuchen gewann der Aufsteiger das wichtige Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 mit 2:1 (0:1). Matchwinner war Doppeltorschütze Ragnar Ache.
Sieglosserie beendet1. FC Köln dreht das Spiel und verschafft sich wieder Luft

Ekstase an der Kölner Seitenlinie: Trainer Lukas Kwasniok (l.) und Kollegen bejubeln das Siegtor in der 86. Minute.
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Als es geschafft war, riss Lukas Kwasniok die Arme in die Höhe. Die Erleichterung war dem in die Kritik geratenen Trainer des 1. FC Köln deutlich anzumerken. Nach zuvor acht sieglosen Spielen in Folge gelang Kwasnioks Team zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga der dringend benötige Befreiungsschlag. Mit dem 2:1 (0:1)-Erfolg im wegweisenden Heimspiel gegen Verfolger FSV Mainz 05 baute der Aufsteiger seinen zuletzt dahingeschmolzenen Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz wieder auf acht Punkte aus.
Mann des Tages war der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Doppeltorschütze Ragnar Ache, der den Pausenrückstand durch Stefan Bell drehte. „Als wir in der zweiten Halbzeit nichts mehr zu verlieren hatten, haben wir eine Wucht entwickelt und mit dem Mut gespielt, den wir uns vorgenommen hatten. Das Stadion war heute der entscheidende Faktor. Wir haben zwölf gegen elf gespielt. Daher ein Riesendankeschön an die Süd. Wir freuen uns sehr über den Sieg“, sagte Kwasniok, gegen den die aktive Fanszene zuletzt noch protestiert hatte.
Die Kölner Startelf wies gegenüber der Niederlage gegen den FC Bayern (1:3) erneut vier Änderungen auf. Im Sturmzentrum tauschte Marius Bülter zunächst den Platz mit Ragnar Ache. Eric Martel (nach Gelbsperre) und Isak Johannesson bildeten die neu formierte Doppelsechs, zudem kehrte Alessio Castro-Montes auf die linke Schiene zurück. Im Gegenzug blieben neben Ache der leicht angeschlagene Tom Krauß, Kristoffer Lund und Jan Thielmann erst einmal draußen. Rav van den Berg musste sich nach seiner Rotsperre mit einem Bankplatz begnügen, da Kwasniok in der Dreierkette den gegen München überzeugenden Sebastian Sebulosen, Jahmai Simpson Pusey und Cenk Özcakar vertraute. Beim FC fehlte Denis Huseinbasic kurzfristig erkrankt, aus demselben Grund war bei den Gästen Topsorer Nadiem Amiri nicht dabei.
1. FC Köln: Stefan Bells Tor schockt die Geißböcke
Die Kölner zeigten eine schwache erste Halbzeit, in der sie nur zu Beginn für etwas Gefahr sorgen konnten. Said El Mala (4., 11.) und Jakub Kaminski (9.) verfehlten das Tor recht deutlich. Die erste Großchance ging auf das Konto der Gäste. Nach einem Angriff über die rechte Seite traf Kacper Potulski aus fünf Metern den Pfosten (19.). Der zweite gefährliche Angriff des nun mutiger werdenden FSV führte zum 0:1. Nach einem Einwurf auf Höhe des Strafraums drehte sich Stefan Bell viel zu einfach um Martel und wuchtete den Ball unter die Latte (29.).
Der Rückstand sorgte für deutliche Verunsicherung bei den Kölnern, die sieben Minuten später fast das zweite Tor kassiert hätten. Winterzugang Silas lief nach einem abgefälschten Flugball allein auf den zögerlichen Marvin Schwäbe zu, der mit dem Oberarm stark zur Ecke abwehrte. Dem FC fehlte es gegen kompakte Mainzer an spielerischen Lösungen. Nach 45 Minuten ohne klare Kölner Möglichkeit hallte zur Pause ein Pfeifkonzert durch Müngersdorf. „Die ersten 20 Minuten waren wir ordentlich im Spiel, mit dem 0:1 gab es einen Bruch. Wir hatten das Quäntchen Glück auf unserer Seite, dass es nicht 0:2 steht“, meinte Kwasniok.
1. FC Köln: Kwasniok wechselt zur Pause dreimal aus
Kölns Trainer reagierte auf die enttäuschende Darbietung mit einem Dreifachwechsel. Die schwachen Eric Martel und Isak Johannesson blieben ebenso in der Kabine wie Cenk Özkacar. Tom Krauß, Kristoffer Lund und Ragnar Ache sollten für neue Impulse sorgen. Die Maßnahme zeigte sofort Wirkung. Der FC ging fortan mit viel mehr Entschlossenheit zu Werke. Marius Bülter verpasste mit einer Direktabnahme zunächst noch den Ausgleich (56.), der dafür nur eine Minute später gelang. Sebastian Sebulosen fing tief in der Mainzer Hälfte den Ball ab und legte raus auf Alessio Castro-Montes, der eine präzise Flanke an den zweiten Pfosten schlug. Dort schraubte sich Ache hoch und köpfte mit Unterstützung der Unterlatte zum 1:1 ein.
Der FC war nun obenauf und drängte – angetrieben von seinen euphorisierten Fans – auf die Führung, die erneut Ache mit einem Flachschuss auf dem Schlappen hatte (65.). Mainz kam kaum noch hinten raus, der FC hielt den Druck hoch – und belohnte sich in der 86. Minute mit dem erlösenden Siegtor. Eine Ecke des eingewechselten Luca Waldschmidt verlängerte Bülter per Kopf an den zweiten Pfosten. Dort bugsierte Ache im Gerangel mit Danny da Costa den Ball in Pingpong-Manier über die Linie. In der Nachspielzeit vergab Said El Mala noch die endgültige Entscheidung. Urs Fischer sprach nach seiner ersten Niederlage als Mainzer Trainer von einem verdienten Sieg des FC. „Wir haben die Kontrolle in der zweiten Halbzeit komplett verloren. Köln hat eine Wucht entwickelt und es wirklich gut gemacht. Wir hatten keine Ruhe mehr und kaum Entlastung. Eine gute Halbzeit reicht in der Bundesliga nicht aus“, sagte der Schweizer.
1. FC Köln: Schwäbe; Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkaçar (46. Lund); Maina (73. Waldschmidt), Martel (46. Krauß), Johannesson (46. Ache), Castro-Montes (83. Thielmann); Kaminski, El Mala; Bülter. – FSV Mainz 05: Batz; Kohr, Bell (74. Maloney), Potulski; da Costa, Sano (90. Nordin), Widmer; Nebel (90. Moreno Fell), Lee (74. Böving); Tietz, Silas (61. Sieb). – SR.: Zwayer (Berlin). – Tore: 0:1 Bell (29.), 1:1 Ache (57.), 2:1 Ache (86.). – Gelbe Karten: Martel, Bülter, El Mala, Krauß; Lee, Widmer, Tietz, Batz. – Zuschauer: 50.000 (ausverkauft).

