Der 1. FC Köln hat die Reißleine gezogen und nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach Trainer Lukas Kwasniok am Sonntagabend freigestellt. Co-Trainer René Wagner übernimmt den Posten interimsweise.
Trainerentscheidung beim 1. FC KölnLukas Kwasniok ist freigestellt

Begegnung nach der Enttäuschung imDerby: FC-Trainer Lukas Kwasniok (l.) und Sportchef Thomas Kessler.
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Der letzte Auftritt von Lukas Kwasniok als Trainer des 1. FC Köln am Geißbockheim ließ nicht unbedingt darauf schließen, was am späten Sonntagabend zur unvermeidbaren Realität wurde. Der 44-Jährige schritt gegen 10.45 Uhr im T-Shirt durch den sonnigen Grüngürtel Richtung Trainingsplatz eins, scherzte kurz mit den Journalisten und vermittelte den Eindruck von guter Laune und gespielter Gelassenheit. Um 11.30 Uhr verließ er das Gelände wieder und ließ alle, die es hören wollten, in dem Glauben, dass seine Demission nach 27 Spieltagen der Bundesliga-Saison 2025/26 nicht unmittelbar bevorstünde: „Heute passiert hier wahrscheinlich nicht mehr so viel.“
Kwasniok lag mit seiner Einschätzung daneben. Der FC verkündete um 19 Uhr, was der Gemeinsame Ausschuss des Clubs in seiner Sitzung nach nicht einmal einer Stunde auf Vorschlag von Sportchef Thomas Kessler beschlossen hatte. Der erst vor dieser Saison als Wunschtrainer von Kessler verpflichtete Kwasniok muss nach dem 3:3 (2:2) am Samstag im rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach zusammen mit Co-Trainer Frank Kaspari seine Sachen packen.
„Lukas Fußballwissen und seine fachliche Expertise sind unbestritten. Er hat unsere Mannschaft mit großer Sorgfalt und hohem Enagement auf die Spiele vorbereitet. Trotz leidenschaftlicher und ordentlicher Auftritte war zuletzt ein klarer Abwärtstrend in unserer Entwicklung erkennbar“, erklärte Thomas Kessler die Trennung von Kwasniok. Ein Statement des freigestellten Trainers gab es nicht.
Thomas Kessler rückt nach dem 3:3 gegen Gladbach von Kwasniok ab
Mit René Wagner soll der andere Assistent in Kwasnioks Trainerteam den FC in den restlichen sieben Saisonspielen als Interimscoach zum Klassenerhalt führen. Der 37-Jährige ist in Besitz der UEFA-Pro-Lizenz und wird in der anstehenden Länderspielpause das Training übernehmen und die Mannschaft auf das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt an Ostersonntag vorbereiten. Sein Team wird neu zusammengestellt, die Entscheidung über die neuen Co-Trainer ist noch nicht abschließend gefallen.
Kessler war bereits unmittelbar nach einem mitreißenden Derby unmissverständlich von Kwasniok abgerückt: „Hier wurde viel geboten, leider nur keine drei Punkte für den 1. FC Köln. Der eine Punkt ist zu wenig, das Ergebnis ist eine große Enttäuschung. Wir können alle die Tabelle lesen und müssen an Stellschrauben drehen, damit wir wieder in der Lage sind, Spiele zu gewinnen“, erklärte der 40-Jährige und lobte im gleichen Atemzug die Mannschaft: „Es gibt keinen beim 1. FC Köln, der glaubt, dass die Mannschaft nicht die Qualität hat, um die Klasse zu halten.“
Ich spüre zu 100 Prozent die Rückendeckung.
Kesslers Aussage ließ nach sieben sieglosen Bundesligaspielen und nur zwei Dreiern aus den jüngsten 18 Partien nur einen Schluss zu. Kwasniok setzte bei der Pressekonferenz nach seinem persönlichen Endspiel gegen Gladbach zwar noch einmal zu einem flammenden Appell in eigener Sache an und kämpfte wie ein Löwe um seinen ersten Job als Bundesliga-Trainer, er stand aber längst auf verlorenem Posten: „Ich bin der richtige Mann, am richtigen Ort, mit der richtigen Mannschaft im richtigen Verein. Ich spüre zu 100 Prozent die Rückendeckung. Ich habe nichts Gegenteiliges gehört. Wir sind unserem Gesamtziel für diese Saison nähergekommen.“
Sein Vorgesetzter hatte seine Entscheidung aber bereits getroffen und den Stab über seinen ersten Trainer als FC-Sportchef gebrochen. Nach dem 0:2 in Augsburg hatte es trotz aller Dementis von Kwasniok intern die Vorgabe gegeben, aus den restlichen drei Spielen vor der März-Länderspielpause gegen Dortmund (1:2), beim Hamburger SV (1:1) und gegen Mönchengladbach mindestens vier Punkte zu holen. Zwei Zähler waren es am Ende, so dass Kwasniok trotz ordentlicher Leistungen der Mannschaft am Ende schlichtweg die Ergebnisse fehlten.
Rene Wagner übernimmt interimsweise
Der Trainer selbst hatte noch direkt nach dem Derby das für Sonntagvormittag angesetzte Spielerersatztraining abgesagt. Kessler traf sich bereits um 9 Uhr mit dem Technischen Direktor Lukas Berg und René Wagner, der nun die Mission Klassenerhalt erfüllen soll und sich bei Erreichen des Ziels berechtigte Hoffnungen machen darf, über den Sommer hinaus Cheftrainer des 1. FC Köln zu bleiben.

Übernimmt die Mission Klassenerhalt von Lukas Kwasniok (l.): der bisherige Co-Trainer René Wagner.
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Den Gedanken, Wagner für diese Position aufzubauen, hatte es bereits nach der Entlassung von Gerhard Struber gegeben- Kessler und der Kwasniok-Nachfolger pflegen seit Wagner erstem Aufenthalt bei den Geißböcken als Co-Trainer von Steffen Baumgart ein intensives, freundschaftliches Verhältnis.
Wagners größte Aufgabe wird darin liegen, der Mannschaft die letzte Überzeugung zu vermitteln, die unter Kwasniok verloren gegangen war. Das atmosphärisch dichte 100. Bundesliga-Derby vor 50.000 Zuschauern im Rheinenergiestadion war erneut zum Spiegel der sportlich unbefriedigenden Situation beim FC geworden.
Derby als Spiegelbild der Kwasniok-Ära
Erst hatte sich Rechtsverteidiger Tom Krauß beim Aufwärmen so am Knie verletzt, dass Kwasniok Youngster Cenny Neumann ins kalte Wasser werfen musste. Der 19-Jährige war bei seinem Startelfdebüt gegen den Ex-Kölner Jens Castrop aber völlig überfordert und an allen drei Gegentoren beteiligt. Der FC zeigte nach dem 0:1 von Castrop nach nur 28 Sekunden eine tolle Reaktion und drehte die Partie durch Treffer von Said El Mala (4.) und Ragnar Ache (7.) im Handumdrehen.
Was fehlte war die Überzeugung, diesen Vorsprung auszubauen oder zumindest mit in die Pause zu nehmen. Philipp Sander durfte nach Castrop-Vorarbeit ausgleichen (22.). Der FC ließ nach dem Wechsel nach, was im Nachhinein darauf schließen ließ, dass Kwasniok in der Pause nicht die richtigen Worte gefunden hatte. Als Castrop die Borussia per Traumtor gegen zu passiven Neumann mit 3:2 in Führung gebracht hatte (60.), sah es sogar lange nach einer Niederlage aus.
Es brauchte ein Kopfballtor des Willens von Eric Martel (84.), um die Derbyniederlage zu verhindern. Der 23-Jährige sah aber nur zwei Minuten nach seinem 3:3 die Gelb-Rote Karte und machte damit nicht nur die Hoffnungen auf einen Sieg zunichte. Das Remis ließ Thomas Kessler über Lukas Kwasniok richten und den nächsten Trainer des 1. FC Köln vorzeitig scheitern. Ein Trainer, der die ganze Saison über übrigens nie unter dem Strich stand. Nach dem Derby liegen die Geißböcke zwei Zähler vor Rang 16, einen mehr als vor dem Derby.
