Bayer 04 Leverkusen holte beim wilden 3:3 in Freiburg zwei Rückstände auf und musste spät den Ausgleich hinnehmen.
Bayer 04 LeverkusenGrimaldos Freistoßkünste reichen nicht aus

Kunststoß: Alejandro Grimaldo (Nr. 20) demonstriert seine Freistoß-Fähigkeiten.
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Es hat ein bisschen gedauert in diesem Jahr, aber in Freiburg war es dann so weit. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte bekamen die Gäste aus Leverkusen unmittelbar an der Strafraumgrenze in halblinker Position einen Freistoß zugesprochen. Die Gegner der Rheinländer fürchten diese Situationen wie der Teufel das Weihwasser, denn in solchen Momenten tritt stets Alejandro Grimaldo auf den Plan. So auch im frühlingshaften Breisgau, wo Grimaldo den Ball in gewohnt sagenhafter Manier ins linke obere Toreck schlenzte und danach seinen ähnlich berühmten Golfjubel aufführte.
In einem beiderseits vor allem offensiv sehr ansprechenden Spiel war es der Treffer zum 2:2, am Ende stand es 3:3. Beim Gang zu den eigenen Fans tauchte Señor Grimaldo dann erneut an der Stelle auf, wo er eine Stunde zuvor einen imaginären Golfschläger Richtung Publikum geschwungen hatte. Diesmal jedoch schlich der 30-Jährige mit versteinerter Miene daher, schließlich hatte die Generalprobe für die sechs tollen Leverkusener Märztage nicht das gewünschte Ende gefunden. Ab Mittwoch fordert die Werkself binnen einer Woche zwei Mal Englands Spitzenreiter FC Arsenal heraus. Und dazwischen schaut der designierte deutsche Meister aus München in der BayArena vorbei.
Drei-Punkte-Lücke zu Platz vier
Gerade die beiden Achtelfinalduelle mit Arsenal in der Champions League sind für das Team von Kasper Hjulmand absolute Highlights in dieser Saison. Primär im Fokus der Leverkusener steht aber die erneute Teilnahme an der Königsklasse. Da Stuttgart beim 2:2 in Mainz einen ähnlich späten Nackenschlag kassierte wie Bayer durch den Ausgleich von SC-Abwehrchef Matthias Ginter in der 86. Minute ist die Drei-Punkte-Lücke auf Rang vier zwar nicht größer geworden. Die weiteren Konkurrenten Hoffenheim und Leipzig allerdings haben jeweils gewonnen.
„Wir sind hierher gefahren, um drei Punkte zu holen“, erwähnte Keeper Janis Blaswich und verwies auf einen positiven Aspekt: „Wir haben Charakter gezeigt, sind in der ersten Halbzeit zwei Mal zurückgekommen und müssen die nächsten Spiele nun trotzdem mit breiter Brust angehen.“ Innenverteidiger Robert Andrich erklärte das Ligageschäft derweil zum „Wichtigsten überhaupt“ – weswegen am Samstagnachmittag auch erst einmal galt: „Wir fahren enttäuscht nach Hause.“
Ähnlich missmutig gab sich sein Trainer. „Ich hab’ kein gutes Gefühl“, bekannte Kasper Hjulmand, seine gedämpfte Stimmung bezog sich aber eindeutig auf das soeben Erlebte. Speziell die maue Schlussviertelstunde seines Teams schlug Bayers Übungsleiter auf den Magen. „In den letzten 15 Minuten haben wir total die Kontrolle und viele Bälle verloren. Da waren wir ohne Dominanz, nur am verteidigen. Vielleicht war es fehlende Energie, das weiß ich nicht. Auf jeden Fall reicht das nicht“, klagte der 53-jährige Däne.
Er ist einer der besten Freistoßtorschützen Europas.
Eine Stunde wollte er sich nehmen, um den frisch verpassten Auswärtssieg zu verdauen. „Wir haben drei große Spiele in sechs Tagen – das ist natürlich sehr schwierig, aber auch super für unsere Mannschaft“, beschrieb Hjulmand vorher schon mal den Charakter der anstehenden fußballerischen Feiertage und lobte bei der Gelegenheit seinen Kunstschützen Alejandro Grimaldo: „Er hat in 2026 einige Versuche gehabt, ohne dass es geklappt hat. Aber jetzt war das wieder top. Er ist einfach einer der besten Freistoßschützen in Europa.“
In der Defensive zeigte der Luftgolfspieler von der Iberischen Halbinsel in Freiburg allerdings einige Schwächen, zudem ist er gegen die Bayern wegen der fünften Gelben Karte gesperrt. Zu seinem Tritt auf den Fuß von SC-Akteur Philipp Treu kurz nach Wiederbeginn maulte der Linksverteidiger: „Ich weiß nicht, warum ich dafür die Gelbe Karte bekommen habe. Diese Schiedsrichter sind wirklich schlecht.“
Ob er und seine Teamkollegen gut genug für den erneuten Sprung in die Königsklasse sind, will der Mann aus Valencia allerdings auch nicht garantieren. „Wir sind in drei Wettbewerben, haben derzeit nicht viele Spieler. Die Mannschaft, die Spieler sind wirklich müde“, seufzte Grimaldo vor der Abreise aus dem Schwarzwald und prognostizierte: „Wir versuchen es bis zum Ende. Aber es wird nicht einfach.“
Statistik:
SC Freiburg: Atubolu; Treu, Ginter, Ogbus, Günter (62. Makengo); Eggestein, Manzambi (75. Höler); Beste (75. Irié), Suzuki, Grifo (62. Scherhant); Matanovic. - Bayer 04 Leverkusen: Blaswich; Quansah, Andrich, Tapsoba; Poku (82. Oermann), Fernández (82. Palacios), Garcia, Grimaldo; Terrier (75. Culbreath), Maza (66. Tillman); Kofane. - SR.: Brand (Unterspiesheim). - Tore: 1:0 Grifo (34.), 1:1 Kofane (37.), 2:1 Suzuki (43.), 2:2 Grimaldo (45.+3, Freistoß), 2:3 Terrier (52.), 3:3 Ginter (86.). - Gelbe Karten: Scherhant (2), Irié (3), Günter (2) - Grimaldo (5), Quansah (7), Andrich (3). - Zuschauer: 34.100
