InterviewVfL-Geschäftsführer Christoph Schindler blickt auf erfolgreiches Handballjahr zurück

Lesezeit 7 Minuten
Zwei Männer in weißem Outfit stehen mit verschränkten Armen nebeneinander.

Die Vorfreude auf das Pokalspiel gegen Lemgo ist bei Christoph Schindler (r.) und Trainer Gudjon Valur Sigurdsson groß.

Im Interview schaut Christoph Schindler, Geschäftsführer des VfL Gummersbach, auf ein erfolgreiches Jahr des Handballvereins zurück.

Mit dem Pokalspiel gegen den TBV Lemgo in der ausverkauften Schwalbe-Arena geht es für den VfL Gummersbach 2023 los, ehe kommende Woche das erste Bundesligaspiel ansteht. Andrea Knitter sprach mit VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler über ein erfolgreiches Jahr und die Zukunft.

Der VfL Gummersbach startet als Aufsteiger auf Platz neun der Bundesliga-Tabelle ins Jahr und steht im Viertelfinale um den DHB-Pokal. Verändern Sie jetzt das Saisonziel?

Christoph Schindler: Nein, auf keinen Fall. Wir wollen die Mannschaft weiter stetig verbessern und weiterhin Spiele gewinnen. Das sportlich wichtigste Ziel bleibt der Klassenerhalt. Dazu kommt jetzt natürlich der Wunsch, ins Final Four in Köln einzuziehen und der ist mit einem Sieg gegen den TBV Lemgo zum Greifen nahe.

Zum Auftakt der Saison hat der VfL in Lemgo gewonnen. Ist das ein gutes Omen?

Grundsätzlich kann man diese beiden Spiele nicht miteinander vergleichen, es war das erste Spiel in der Saison, wo wir als Aufsteiger auch noch ein wenig unbekannter waren. Lemgo wird uns mit Sicherheit nicht unterschätzen und wir werden uns nicht darauf konzentrieren, dass wir automatisch das Spiel wieder gewinnen werden.

Ist es da nicht ein Nachteil, dass in der Vorbereitung im Januar sieben Spieler fehlten, die mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren? Darunter Julian Köster, der eine tragende Rolle im deutschen Team gespielt hat und lange Einsatzzeiten hatte.

Das ist eine Situation wie wir sie im vergangenen Jahr nicht hatten, es zeichnet den VfL aber auch aus, so viele Nationalspieler zu haben. Auf der anderen Seite hatten wir am 27. Dezember unser letztes Spiel und konnten seitdem nicht mehr mit dem ganzen Kader trainieren. Ich denke aber, egal wie müde ein Spieler auch ist, vor 4200 erwartungsvollen Fans in der Schwalbe-Arena um den Einzug ins Final Four zu spielen, ist Motivation genug.

Wie wichtig ist die Prämie für den Verein, die es beim Erreichen des Pokalfinales gibt?

Grundsätzlich ist es schön, für einen möglichen Einzug ins Finale auch Geld zu bekommen. Zieht man sämtliche Kosten für so ein Event ab, bleibt trotzdem gar nicht soviel übrig. Das Wichtigste an dem Final Four ist, dass es eine Riesensache für uns als Verein und ein cooles Erlebnis für alle Fans wäre.

Julian Köster ist bei der WM noch stärker in den Fokus gerückt. Hat das nicht noch mehr Interesse anderer Vereine an ihm geweckt als bisher schon? Obwohl er ja noch einen Vertrag bis 2025 hat.

Natürlich spricht man mit Beratern und Kollegen. Julian ist ja nicht der einzige unserer Spieler, der in den vergangenen Monaten auf sich aufmerksam gemacht hat und für den es Anfragen auch von großen Clubs gab. Unsere Aufgabe als Verantwortliche ist es, dafür zu sorgen, dass die Spieler wenig Argumente haben, den Verein zu verlassen. Wir haben ja schon Verträge mit umworbenen Spielern verlängert. Und ich bin optimistisch, viele unserer Spieler halten zu können.

Werden Sie nach dem Ausfall von Nemanja Zelenovic bis Ende der Wechselfrist am 15. Februar noch jemanden für den halbrechten Rückraum nachverpflichten?

Grundsätzlich sind wir mit unserem Kader sehr zufrieden. Natürlich hatten wir Nemanja als Routinier für diese Position verpflichtet. Aber Finn Schroven als junger Spieler macht seine Sache mit Tom Jansen wirklich gut. Grundsätzlich zählt bei uns sowieso, wenn wir einen Spieler holen, dann nur, wenn er uns besser macht und er auch wirtschaftlich zu uns passt.

Gilt das auch für den Abwehrblock in der Mitte?

Wir sind mit Julian Köster, Ellidi Vidarsson und Stepan Zeman mit drei Nationalspielern auf ihrer Position sehr gut aufgestellt. Zudem hat auch Tom Kiesler in der Hinrunde schon sehr gute Leistungen im Defensivzentrum gezeigt. Daher gibt es absolut keinen Grund, eine Veränderung herbeizuführen.

Wie sieht es finanziell beim VfL nach einem halben Jahr in der Bundesliga aus?

Unserer oberstes Ziel als Club bleibt es weiterhin, uns zu konsolidieren. Das heißt vor allen Dingen, dass unsere Einnahmen erhöht werden müssen. Aus diesem Grund haben wir in den vergangenen zwei Jahren auch viel ins Partnermanagement investiert. Es geht dabei vor allem darum, neue Unternehmen für den VfL Gummersbach zu gewinnen.

Können Sie sagen, wie viele dazu gekommen sind?

Seit dem Abstieg haben wir über 100 Unternehmen dazugewonnen.

Wie erklären Sie den Erfolg?

Wir haben unser Vermarktungskonzept komplett umgekrempelt und sind auch mit Problemen sehr transparent umgegangen. Darüber hinaus haben wir Produkte und Dienstleistungen entwickelt, welche für Unternehmen echte Mehrwerte darstellen. Und zusätzlich kommt, dass wir mit Dennis Römer und seinem Team auch in Personal in diesem Bereich investiert haben.

Ist das auch eine Erklärung für die große Euphorie, die wieder um den VfL herrscht?

Grundsätzlich hat es viel damit zu tun, wie wir uns als Verein nach außen präsentieren. Wir sind aktuell nicht mehr der großkotzige Club, der noch nie abgestiegen ist. Wir arbeiten seit 2018 kontinuierlich daran, Probleme zu lösen und sind mit diesen sehr transparent umgegangen. Außerdem geht es darum, wie sich die Jungs auf dem Spielfeld präsentieren. Aktuell haben wir eine Mannschaft, mit der sich jeder Fan identifizieren kann und auf die er stolz ist. Trotzdem befinden wir uns als Club an einem Scheideweg.

Wie meinen Sie das?

In der Situation, in der wir sind, werden auch unsere Spieler immer interessanter. Wir müssen uns wirtschaftlich noch besser aufstellen, damit wir den Status quo halten können oder vielleicht sogar irgendwann nach oben blicken können. Deshalb wird es darum gehen, können wir diesen Weg weitergehen oder müssen wir uns wieder neu aufstellen und von vorne anfangen. Grundsätzlich wird alles teurer, von den Spielergehältern über die Miete bis hin zu den externen Dienstleistern. Das bedeutet unter anderem auch, dass wir in den nächsten Monaten die Preise erhöhen werden.

In welcher Form?

Wir sind im Moment in vielen Überlegungen rund um das Ticketing und das Partnermanagement. Grundsätzlich liegen wir zur Zeit deutlich unter dem Liganiveau, da wir nach dem Aufstieg bewusst auf eine Preiserhöhung verzichtet haben. Trotzdem werden wir an diesem Thema in den nächsten Monaten nicht vorbeikommen.

Hatten Sie geglaubt, so schnell nach dem Aufstieg eine solche Euphorie für den VfL entfachen zu können?

Die letzten Monate waren schon verrückt. Dass wir mit dem Spiel gegen Lemgo bereits die fünfte Partie in Folge ausverkauft haben, hat es in der Geschichte der Schwalbe-Arena noch nie gegeben. Auch dass wir zur Rückrunde 100 Dauerkarten verkauft haben, ist ein Novum. All das ist Motivation genug, sich nicht darauf auszuruhen.

Mit Blick auf die Rückrundenspiele in der Bundesliga: Haben Sie keine Sorge, dass die Gegner Sie jetzt besser kennen oder dass einer der Leistungsträger ausfällt?

Nein, wir haben auch in Spielen gegen Kiel und Hamburg bewiesen, dass wir mit Ausfällen Spiele gewinnen können und konkurrenzfähig sind. Zudem haben wir auch noch ein Riesenpotenzial in der Mannschaft mit Spielern, die in der Hinrunde noch nicht so viel Einsatzzeit bekommen haben und vielleicht noch keine tragende Rolle spielen.

Ole Pregler hatte in der Aufstiegssaison viele Spielanteile und eine wichtige Rolle. Das hat sich mit dem Aufstieg geändert. Zudem läuft der Leihvertrag mit Melsungen aus. Wie planen Sie mit ihm?

Wir möchten ihn gerne behalten. Man darf bei allem nicht vergessen, dass Ole Pregler erst 20 Jahre alt ist. Mit 20 in der Zweiten Liga 60 Minuten zu spielen, ist ungewöhnlich. Er hat sich in den vergangenen zwei Jahren permanent weiterentwickelt und ist einer der trainingseifrigsten Spieler.

Mit dem Göppinger Torhüter Daniel Rebmann haben Sie schon einen Neuzugang für die nächste Saison. Warum haben Sie sich schon so früh für ihn entschieden, wo sie mit Martin Nagy als zweitem Torhüter verlängert hatten?

Daniel Rebmann ist ein spektakulärer Torhüter, der sehr unorthodox hält und mit seinen Paraden maßgeblich an den internationalen Erfolgen der Göppinger in den vergangenen Jahren beteiligt war. Zudem wollte er vom ersten Gespräch an unbedingt zum VfL. Martin Nagy hatte Pech mit seiner Verletzung kurz vor dem Saisonstart. Wir brauchten einen Torwart und haben Fabian Norsten verpflichtet. Damit fehlten Martin die Spielanteile, welches es für ihn und für uns schwierig gemacht hat.

Wie blicken Sie auf die restlichen Rückrundenspiele?

Wir gehen motiviert in die Rückrunde und haben noch viel vor. Aber die Konkurrenz im Mittelfeld ist extrem groß: Mit zwei Punkte mehr ist man Sechster und mit zwei Punkte weniger steht man auf Rang zwölf. Trotzdem wollen wir uns als Mannschaft weiter entwickeln und dann bin ich mir sicher, werden wir auch in der Rückrunde einige Spiele gewinnen können.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren