Airbus und Rheinmetall kämpfen um einen Milliardenauftrag der Bundeswehr für das Satellitenprojekt SatcomBW-4, das Deutschlands Raumfahrtfähigkeiten stärken soll.
Aufbau eines „deutschen Starlink“?Airbus ringt um Weltraum-Auftrag in Milliardenhöhe

Das Airbus-Logo ist während einer Präsentation zu sehen.
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Es klingt wie ein Wunschtraum aus einer längst vergangenen Zeit: Im Jahr 1967 trat der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen in Kraft. Ein Prinzip, auf das sich die Staatengemeinschaft damals verständigte: Der Weltraum soll allen Nationen zu friedlichen Zwecken offenstehen und nicht für militärische Manöver oder Ähnliches genutzt werden.
Der Rahmen ist, zugegeben, dehnbar. Doch von der ausschließlich friedlichen Nutzung des Weltraums hat man sich auf der Erde inzwischen längst verabschiedet. „Das All wird immer mehr zu einer Gefechtsfelddomäne“, sagte Michael Schöllhorn, Chef der Rüstungs- und Weltraumsparte Airbus Defence and Space, noch im vergangenen Juli. Ohne Weltraumunterstützung seien militärische Einsätze heute nicht mehr denkbar – heißt es bei der Bundeswehr. Und damit ist sie nicht allein.
Satellitenprojekt SatcomBW-4
Im vergangenen Jahr kündigte die Truppe daher an, ihre „Weltraumfähigkeiten“ weiterentwickeln und diese an die neuen Herausforderungen anpassen zu wollen. Diese Weltraumfähigkeiten zielen vor allem auf eine leistungsfähige und robuste Satellitenkommunikation, die im digitalen Gefechtsfeld entscheidende Vorteile bringen soll.
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Als Beispiel wird häufig das kommerzielle Satellitensystem Starlink des US-Milliardärs Elon Musk herangezogen, das beispielsweise der Ukraine hilft, auch bei zerstörter Infrastruktur verlässlich zu kommunizieren.
Hoffnungen auf den Aufbau eines „deutschen Starlinks“ machen sich nun die Satellitenbauer von Airbus Defence and Space aus Immenstaad am Bodensee (Bodenseekreis). Denn die Bundeswehr steht wohl kurz davor, das Vergabeverfahren für ein Multi-Milliarden-Euro-Satellitenprojekt zu starten. Codename: SatcomBW-4.
Noch bis Ende Februar könnte die Ausschreibung für das Projekt erfolgen, das Branchenexperten auf ein Volumen von acht bis zehn Milliarden Euro schätzen. Geplant ist, bis 2029 mindestens 100 Satelliten ins All zu bringen, die Panzer, Schiffe oder Soldaten miteinander vernetzen.
Generalmajor Armin Fleischmann, Weltraumbeauftragter der für SatcomBW-4 zuständigen Bundeswehr-Teilstreitkraft „Cyber- und Informationsraum“, sprach im „Handelsblatt“ von einem „Starlink für die Bundeswehr“, das aufgebaut werden soll und für das er „vorzugsweise deutsche Unternehmen“ beauftragen wolle.
„Airbus begrüßt die weitsichtige Strategie der Bundesregierung, die Fähigkeiten Deutschlands im Weltraum konsequent auszubauen – und Airbus steht bereit“, heißt es auf Nachfrage bei dem Konzern mit Sitz in Taufkirchen bei München. Als langjähriger Partner der Bundeswehr verfüge man in Deutschland über das Know-how in der Umsetzung komplexer Raumfahrtsysteme, sagte ein Sprecher.
Womit er zweifellos recht hat. Denn die Vorgängersysteme der Satellitenkommunikation der Bundeswehr SatcomBW sowie – in Teilen – das Aufklärungssystem Sarah kommen aus dem Hause Airbus – genauer: aus den Reinräumen am Standort Immenstaad (am Bodensee).
„Wir wissen, worauf es ankommt“
Auch hat der Konzern für Eutelsat Oneweb bereits ein Netzwerk erdnaher Minisatelliten für den privaten Internetzugang ins All gebracht und jüngst Folgeaufträge für 440 neue Satelliten bekommen.
Doch nun erwächst dem Platzhirsch ein inländischer Wettbewerber, der es ebenfalls auf die Bundeswehr-Milliarden abgesehen hat. In dieser Woche wurde bekannt, dass der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall seinen Hut in den Ring geworfen hat und sich dafür mit dem Bremer Satellitenhersteller OHB zusammentun will. OHB hat die Gespräche über eine Kooperation mit dem Dax-Konzern inzwischen bestätigt.
Schon seit einigen Jahren bemüht sich Rheinmetall um eine möglichst breite Aufstellung. „Künftig werden wir zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein“, ließ Konzernchef Armin Papperger im vergangenen Jahr wissen. Mit OHB soll nun ein ähnliches Joint Venture wie mit dem finnischen Satelliten-Start-up Iceye auf die Beine gestellt werden.
Die Bremer Satellitenexperten sind zwar schon Lieferant der Bundeswehr, etwa beim Aufklärungssystem Sarah – das gemeinsam mit Airbus umgesetzt wurde. Doch bei den bisherigen Projekten handelte es sich um technisch komplexe Satelliten in geringen Stückzahlen. SatcomBW-4 dagegen soll mit einer dreistelligen Zahl an Satelliten aufgebaut werden.
Vor diesem Hintergrund gibt sich Airbus optimistisch, was die eigenen Chancen angeht, den Milliardenauftrag zu gewinnen. „Wir wissen, worauf es ankommt“, sagt der Konzernsprecher und meint damit insbesondere die Fähigkeit, Satelliten nicht nur im Manufakturbetrieb, sondern auch in Serie bauen zu können. Man blicke der offiziellen Angebotsaufforderung erwartungsvoll entgegen und werde diese „mit einem starken, technologisch führenden Angebot beantworten“.
Massenproduktion vorbereitet
Kernkomponenten für SatcomBW-4 würde Airbus nach eigener Aussage in Deutschland entwickeln und bauen – neben dem Standort am Bodensee auch in Ottobrunn und Bremen. Beabsichtigt sei, die Standorte auszubauen, wenn Airbus den Zuschlag von der Bundeswehr erhält.
Notwendige Flächen sowie Reinraumkapazitäten seien bereits designiert, teilt der Airbus-Sprecher mit, sodass mit der Abarbeitung des Auftrags sofort begonnen werden könnte – in Anbetracht des ambitionierten Zeitplans – der Satellitenverbund soll 2029 im All sein – ein nicht unwichtiges Detail. Darüber hinaus wolle man eine neue Fertigungslinie für Kleinsatelliten in Deutschland aufbauen und Start-ups einbinden. Das Raumfahrtökosystem in Deutschland könne breit profitieren, wirbt Airbus für sich.
Wettbewerber OHB spielt da noch in einer tieferen Liga. Allerdings bereiten sich die Bremer auf die Massenproduktion von Satelliten vor. Ende Oktober gab das Unternehmen die Übernahme des Technisat-Werks im Vogtland in Sachsen mit dem Ziel bekannt, eine industrielle Satelliten- und Komponentenfertigung aufbauen zu wollen. „Für die moderne Raumfahrt“, sagte OHB-Chef Marco Fuchs, „müssen wir in ganz neuen Stückzahlen denken.“
