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GlobalisierungUSA verlieren an Attraktivität – Deutschland gewinnt

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Bankenviertel London

Eine Fußgängerin vor der Skyline des Bankenviertels in London. Ausländisches Kapital verlässt Großbritannien - und die USA.

Genf – Die Globalisierung verliert merklich an Schwung: Weltweit brach 2017 die Summe der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen um fast ein Viertel im Vergleich zum Jahr 2016 ein. In den reichen Staaten belief sich das Minus bei den grenzüberschreitenden Direktinvestitionen laut den Vereinten Nationen sogar auf mehr als ein Drittel. Insgesamt, so warnte Mukhisa Kituyi, Generalsekretär der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad), anlässlich der Veröffentlichung des Weltinvestitionsberichts am Mittwoch in Genf, „erleben wir einen besorgniserregenden Trend“.

Die Aussichten für die grenzüberschreitenden Direktinvestitionen (FDI) seien für 2018 auch „gedämpft“. Im laufenden Jahr droht der stetig eskalierende Handelskrieg nach den Befürchtungen der Unctad-Ökonomen, die Investitionsentscheidungen der global agierenden Unternehmen weiterhin „negativ“ zu beeinflussen. Auch Experten der Welthandelsorganisation warnen vor einem globalen Abschwung infolge der Konfrontation, die von den USA unter Präsident Donald Trump angezettelt wurde.

Die grenzüberschreitenden Direktinvestitionen gelten als Gradmesser der weltwirtschaftlichen Verflechtung und spiegeln das Vertrauen der Firmenlenker in eine profitable Zukunft wider. Konkret sank die Summe der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen im Jahr 2017 auf 1430 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2016 leiteten die Manager noch 1870 Milliarden US-Dollar in andere Staaten. Besonders stark hielten sich die Bosse bei Firmenübernahmen und Fusionen zurück.

Gegen den globalen Trend kam es in Deutschland aber zu mehr als einer Verdoppelung des Engagements fremder Investoren, von 17 Milliarden US-Dollar 2016 auf 35 Milliarden US-Dollar 2017. Nach Frankreich flossen 2017 sogar 50 Milliarden US-Dollar, ein Jahr zuvor waren es noch 35 Milliarden US-Dollar gewesen. Den Anstieg in den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone erklären die Unctad-Ökonomen mit Fusionen und Übernahmen. Für Schlagzeilen sorgte etwa die Übernahme des Roboterherstellers Kuka aus Augsburg durch die Chinesen.

Als große Verlierer stehen die USA und Großbritannien da. Die Summe der ausländischen Direktinvestitionen in die USA verringert sich rasant von nahezu 460 Milliarden US-Dollar 2016 auf nur noch 275 Milliarden US-Dollar 2017. Einer der Hauptgründe für die gesunkene US-amerikanische Anziehungskraft liegt nach den Berechnungen der Unctad-Ökonomen im robusten Vorgehen der Behörden gegen Steuervermeidung. Die Regulierungen gegen die Trickser wurden jedoch zwischen 2014 und 2016 eingeführt, von der Regierung des Präsidenten Barack Obama.

Die USA blieben 2017 jedoch wie im Vorjahr die Topdestination für fremde Investoren. Tief hingegen fiel Großbritannien. Der Sturz war so krass, dass die Unctad das Brexit-Land überhaupt nicht mehr in den Top 20 der attraktivsten Standorte für grenzüberschreitende Direktinvestitionen führt.