Motorenbauer sind von der Konjunktur abhängig. Und die Wirtschaft läuft gerade nicht wirklich rund. Dennoch konnte sich Deutz gut behaupten.
Zahlen vorgestelltKölner Motorenbauer Deutz steigert Umsatz und Ergebnis

Deutz-Chef Sebastian C. Schulte in der Motorenfertigung in Köln-Porz
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Der Tag an der Frankfurter Börse begann für die Deutz AG feierlich. Anlässlich des zu Wochenbeginn wirksam gewordenen Aufstiegs des Kölner Motorenbauers in den MDax eröffneten Deutz-Chef Sebastian C. Schulte und Dietmar Voggenreiter, Aufsichtsratsvorsitzender bei Deutz, am Donnerstag mit dem Läuten der Börsenglocke den Handel.
Doch kurz nach 9 Uhr ging es für die Deutz-Aktie nach unten. Zeitweise verlor das Papier über neun Prozent, um sich im Tagesverlauf wieder etwas zu erholen und bei 8,42 Euro zu schließen. Das ist immerhin mehr als doppelt so viel wie am Anfang des Jahres 2025. Der dann folgende rasante Kursanstieg führte Deutz dann letztlich in den Index der mittelgroßen Werte.
Umsatz soll im laufenden Jahr weiter steigen
Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen waren aber nicht ganz nach dem Geschmack der Börsianer. Einem Analysten der DZ Bank war etwa die Bandbreite der Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Jahr zu groß. Deutz sieht im laufenden Jahr bislang eine leichte Erholung des Motorenmarktes, vor allem im Bereich Bau- und Landmaschinen. Sollte das anhalten, rechnet Deutz mit einem Umsatz von 2,1 bis 2,3 Milliarden Euro. Die Rendite bezogen auf das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereffekten soll zwischen 6,5 und 8,0 Prozent liegen.
Deutz setzt auf weitere Einsparungen aus dem Sparprogramm von etwa 25 Millionen Euro, das damit die Kosten um 50 Millionen Euro pro Jahr senken würde, weitere Effizienzgewinne und auch auf kleinere Zukäufe im Service-Bereich, wie es sie auch in den Vorjahren gegeben hatte. Zurückhaltend bei der Prognose ist Deutz laut Schulte allerdings aufgrund geopolitischer Unsicherheiten.
In 2025 weniger Motoren verkauft
Im abgelaufenen Jahr hat Deutz trotz eines anhaltend schwachen Marktes im klassischen Motorengeschäft Auftragseingang und Umsatz deutlich gesteigert. Die Orders kletterten um 13 Prozent auf 2,08 Milliarden, der Umsatz um 12,7 Prozent auf 2,044 Milliarden. Schulte verwies auf die breitere Aufstellung des Motorenbauers: „Der konsequente strategische Konzernumbau zahlt sich aus.“ Die „nächste Version von Deutz entsteht“, so der Deutz-Chef.
Da ist zum einen das Geschäft rund um die dezentrale Energieversorgung. Hier ist Deutz etwa mit Blue Star, einem übernommenen US-Anbieter von Stromerzeugungsaggregaten, aktiv. Zuletzt wurde Frerk Aggregatebau von Deutz gekauft, einem Spezialisten für Notstromsysteme, die etwa für Rechnungszentren gebraucht werden. Im Energie-Bereich verdoppelte sich der Umsatz von Deutz im abgelaufenen Jahr auf 182 Millionen Euro. Der bereinigte operative Verlust sank von 25,4 Millionen 2024 auf 18,9 Millionen.
Überschuss steigt auf 54,1 Millionen
Hauptumsatzbringer in der alten Deutz-Struktur sind das Geschäft mit Motoren und dem Service. Hier kletterte der Umsatz auf 1,86 (2024: 1,72) Milliarden. Umsatzeinbußen gab es bei den kompakten Dieselmotoren mit einem Hubraum von weniger als vier Litern, während die größeren Motoren aus der Partnerschaft mit Daimler Truck zulegten. Und zulegen — auch gestärkt durch Zukäufe — konnte einmal mehr der Service-Bereich. So stieg trotz einer geringen Anzahl von verkauften Motoren das operative Ergebnis der Sparte auf 130,0 (103,2) Millionen.
Letztlich kletterte das operative Ergebnis vor Sondereffekten des Konzerns auf 112,3 (76,7) Millionen. Daraus ergibt sich eine Ebit-Rendite von 5,5 (4,2) Prozent. Ausgewiesen werden ein Ebit von 73,9 (41,9) Millionen und ein Gewinn unter dem Strich von 54,1 (51,8) Millionen. Die Aktionäre des Konzerns mit 5712 (5228) Mitarbeitenden sollen eine um einen Cent erhöhte Dividende von 0,18 Euro erhalten.
4 Milliarden Umsatz in 2030 angepeilt
Künftig berichtet Deutz in fünf Segmenten. Da ist zum einen das Geschäftsfeld Defense mit Motoren für Militärfahrzeuge, sowie den Zukäufen Sobek und Arx, die etwa E-Motoren für Drohnen oder unbemannte Landfahrzeuge zur Verteidigung herstellt. Der Umsatz des Bereichs soll von 110 Millionen im laufenden Jahr auf 300 Millionen im Jahr 2030 klettern. Der Umsatz im Bereich Energie soll von 290 Millionen auf 500 Millionen klettern, der Bereich Service von 635 auf eine Milliarde. Bei Motoren erwartet Deutz im laufenden Jahr 1,33 Milliarden Umsatz, 2030 zwei Milliarden. Und der Bereich New Tech rund um emissionsarme Antriebe soll von 35 Millionen Umsatz auf 300 Millionen zulegen. Zusammen ergibt das einen Umsatz von rund vier Milliarden, der 2030 erzielt werden soll.
Die Rückkehr in den MDax wertete Deutz-Chef Schulte als Beleg, dass der Kapitalmarkt der Strategie einer breiteren Aufstellung von Deutz vertraue. Aufsichtsratschef Voggenreiter ergänzte: „Für die einen mag der MDax nur ein technischer Index sein. Für mich ist der Aufstieg von Deutz aber weit mehr. Er ist ein Signal, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist und wir als deutsche Industrie mehr können, als wir uns landläufig in diesen Tagen zuschreiben.“
