US-Richter billigt den Vorschlag im Glyphosat-Streit. Unterdessen legt Bayer für 2025 tiefrote Zahlen vor.
Bayer AGRichter billigt Vergleichsvorschlag rund um Glyphosat

Bayer-Chef Bill Anderson sieht Fortschritte bei der Ausrichtung des Konzerns. dpa
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Den von Bayer und Anwälten ausgearbeiteten Vergleichsvorschlag im Glyphosatstreit hat ein Richter des Circuit Court in St. Louis vorläufig genehmigt. Das teilte Bayer am Abend mit. Mit der Vereinbarung sollen anhängige und auch mögliche künftige Klagen beigelegt werden, bei denen es um geltend gemachte Krebserkrankungen geht. Der Antrag war von führenden Klägeranwälten eingereicht worden.
Bayer begrüßte in einer Stellungnahme die Entscheidung. „Das ist der erste wichtige Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs. Wir sind überzeugt, dass der langfristige und solide finanzierte Vergleichsvorschlag, der von führenden Klägerkanzleien unterstützt wird, durch das Gericht endgültig genehmigt werden sollte.“
US-Gericht entscheidet im Juli endgültig
Jetzt werden die möglichen Teilnehmer des Vergleichs informiert. Innerhalb von 90 Tagen können sie die Vergleichsvereinbarung ablehnen oder mögliche Einwände bei Gericht einbringen. Im Juli entscheidet das Gericht nach einer Anhörung über eine endgültige Genehmigung. Bayer hofft laut früheren Aussagen von Konzernchef Bill Anderson auf eine Annahme-Quote in Richtung von 100 Prozent. Noch laufen Zehntausende Klagen in den USA, weil US-Bürger Schadenersatz verlangen. Bayer hat auch wegen des Glyphosatstreits für 2025 einen Milliardenverlust eingefahren.
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Was Bayer im Sommer versprochen hatte, hat der Agrochemie- und Pharmakonzern geliefert. Damals hatte Bayer die Prognose für Umsatz und Ergebnis, bereinigt um Währungseffekte, angehoben. „Wir haben diese Prognose erreicht — und dabei liegen wir komfortabel innerhalb der angehobenen Spannen“, sagte Vorstandschef Bill Anderson.
Bayer fährt Milliardenverlust ein
Der Umsatz kletterte in dieser Rechnung leicht um 1,1 Prozent. Werden die Währungseinflüsse nicht bereinigt, ergibt sich ein Minus von 2,2 Prozent auf 45,58 Milliarden. Auf 1,7 Milliarden summierten sich im abgelaufenen Jahr die negativen Währungseinflüsse aus einem schwachen Dollar.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden. Deutlich im Minus landete das operative Ergebnis (Ebit) mit 1,1 Milliarden. Es wird von Sondereinflüssen in Höhe von 6,19 Milliarden gedrückt, die hauptsächlich aus Kosten für Rechtsstreitigkeiten resultieren. Die drücken auch das Ergebnis unter dem Strich tief ins Minus. Mit minus 3,62 Milliarden ist es nur leicht besser als im Vorjahr, als ein Verlust von 3,76 Milliarden zu verdauen war.
Bayer kommt strategisch voran
Dennoch: Anderson „freute“ sich, die Ergebnisse zu präsentieren. „Überall im Unternehmen sehen wir Fortschritte in der Art, wie wir arbeiten“, so der Bayer-Chef. Er verwies
auf schnellere Produkteinführungen, einen besseren Ressourceneinsatz, auf die flacher und schlanker aufgestellte Organisation, in der wegen der Managementmethode DSO mehr Entscheidungen in die einzelnen Teams verlagert sind.
Es gebe nur noch etwa halb so viele Hierarchieebenen wie vor Einführung des neuen Organisationsmodells. „Und wir haben zwei Drittel weniger Managementpositionen als damals“, so Anderson. 700 Millionen wurden so im abgelaufenen Jahr eingespart. Bis Ende des laufenden Jahres sollen die Einsparungen insgesamt zwei Milliarden betragen. 88.000 Mitarbeitende hat Bayer noch nach 92.815 zum Ende 2024. Und die Mitarbeitenden schufen in weniger Zeit mehr.
„Insgesamt gibt es bei unserem umfassenden Turnaround Fortschritte. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagte Anderson. Zunächst einmal muss Bayer das Thema Glyphosat vom Tisch bekommen. Dazu hat der Konzern einen Vergleichsvorschlag mit Klägeranwälten erarbeitet, der einem Gericht zur Genehmigung vorliegt. Hier erwartet Bayer bald eine Entscheidung. Vor allem wegen Glyphosat hat Bayer die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 11,8 Milliarden hochgeschraubt.
Auch hat Bayer schriftlich die Eröffnungsplädoyers beim Supreme Court eingereicht. Der Prozess, bei dem es um die Notwendigkeit von Warnhinweisen bei Glyphosat geht, mit dem der Glyphosat-Streit weiter eingedämmt werden soll.
Bayer setzt auf neue Mittel
Kommt es zu dem Vergleich, wird eine erste Auszahlung von fünf Milliarden im laufenden Jahr fällig. So erwartet der Konzern bei stabilem Umsatz wieder einen negativen Cashflow, eine Kennzahl für die Finanzkraft des Konzerns, und auch nur ein Ergebnis auf Vorjahreshöhe mit einem währungsbereinigten Ebitda von 9,6 bis 10,1 Milliarden.
In der Pharmasparte setzt Bayer auf neue Mittel. Die sind nötig, um die Umsatzrückgänge bei den Kassenschlagern Xarelto, einem Blutfettsenker, und dem Augenmittel Eylea auszugleichen. Hier gibt es nach Patentabläufen Nachahmerpräparate, denen Bayer nur zum Teil durch eine neue Dosierung bei Eylea, die weniger Spritzen ins Auge erfordert, kompensieren kann.
Für die Kompensation sollen zum einen das Krebsmittel Nubequa und das Nierenmedikament Kerendia sorgen. Spartenchef Stefan Oelrich setzt auch auf eine sehr erfolgreiche
Markteinführung des Herzmittels Beyonttra und von Lynkuet, ein Mittel gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren, und er freut sich über positive Testdaten des Schlaganfallmittels Asundexian. Die neuen Mittel sollen für einen Wachstumsschub sorgen, der Bayer ins nächste Jahrzehnt trägt.
Auf neue Mittel setzt auch Rodrigo Santos, der Chef der Pflanzenschutzsparte. Hier ist Glyphosat ebenfalls durch Nachahmerpräparate unter Druck. Generell will Bayer das Portfolio aufräumen. Wirkstoffe sollen veräußert und ausgelagert werden, allein aus 200 Pflanzenschutzsorten will der Konzern aussteigen und aus Gemüsesorten mit niedrigen Gewinnmargen.
Konzentration gibt es auch bei rezeptfreien Medikamenten. Die Basis des Segments sei solide, so Spartenchef Julio Triana. Er will die Haushaltsdurchdringung erhöhen, indem Bayer über Online- und Offline-Kanäle sowie durch starke Präsenz in Apotheken und bei Fachkräften im Gesundheitswesen Milliarden von Konsumenten erreichen.
