Im Redaktionsgespräch spricht Netcologne-Chef Timo von Lepel über den Glasfaserausbau, den Wettbewerb in der Telekommunikationsbranche und die Chancen durch Olympia für Köln.
Netcologne-Chef Timo von Lepel„Der Wettbewerb ist scharf in Köln“

Seit fast zehn Jahren steht Timo von Lepel an der Spitze von Netcologne.
Copyright: Costa Belibasakis
Herr von Lepel, wir haben von einem Haus mit zehn Wohneinheiten in der Kölner Innenstadt gehört, bei dem die Deutsche Telekom die Verkabelung der einzelnen Wohnungen mit Glasfaser angeboten hat. Dabei hatten die Glasfaser von Netcologne schon im Keller.
Unser Ziel ist, dass jeder Eigentümer und jede Hausverwaltung, die den Ausbau mit Glasfaser bis in die Wohnungen möchte, dies von uns erhält. Bis 2030 wollen wir rund 200.000 Haushalte an unser Netz anschließen. Wir haben beispielsweise vor Kurzem einen Vertrag mit der städtischen Kölner Wohnungsgesellschaft GAG über den Anschluss von 48.000 Wohnungen geschlossen.
Bei dem Haus gab es kein Angebot von Ihnen.
Alles zum Thema Olympia
- Mailand-Bürgermeister empört US-Regierung schickt ICE-Beamte zu Olympia
- Winterspiele in Mailand ICE-Beamte für US-Sicherheit bei Olympia in Italien
- Fußball-WM 2026 Alle vier Jahre wieder? Heikle Boykott-Frage erreicht DFB
- EM-Duell mit Frankreich Nach Kritik: Gislason verteidigt Wolff-Auswechslung
- DHB-Team hält lange mit Handballer unterliegen Dänen, nun Endspiel um EM-Halbfinale
- Olympische Spiele Nach 70 Jahren: Olympisches Feuer wieder in Cortina
- Tiefe Gefühlseinblicke Biathletin Puff spricht über Panikattacken und Saison-Aus
Für uns ist es teilweise schwer, die Hausverwaltungen zu erreichen, die über den Ausbau entscheiden. Wenn die Telekom hier dann schneller in der Vermarktung ist, ist das Wettbewerb. Grundsätzlich überbauen wir keine fremde Glasfaser-Infrastruktur mit unseren Leitungen. Das macht einfach volkswirtschaftlich wenig Sinn. Die Telekom sieht das anders. Unser Anspruch ist es allerdings auch, Hausverwaltungen früh zu informieren. Grundsätzlich versuchen wir, jede Verwaltung und jeden Eigentümer aktiv anzuschreiben.
Sie kooperieren mit der Telekom. Passiert so ein Doppelausbau öfter?
Die Telekom überbaut nach wie vor aktiv, obwohl sie bei uns Vorleistungen einkaufen kann und wir bei ihr. Das ist Wettbewerb und der ist scharf in Köln. Wir können nur anbieten, den Vertrag zu leben, die Entscheidung trifft jedes Unternehmen für sich.
Verlieren Sie im Wettbewerb gerade Glasfaserkunden?
In den Gebieten, in denen wir Glasfaser ausgebaut haben, wachsen wir. Da, wo wir keine Glasfaser-Infrastruktur haben, sehen wir auch durchaus, dass Kunden weggehen.
Wo steht Köln aktuell beim Glasfaserausbau?
In Köln sind etwa 75 Prozent der Objekte am Glasfasernetz. Da liegt das Glasfaserkabel nicht nur in der Straße, sondern im Haus. Wir bauen weiter die sogenannte Netzebene drei aus, also die Verbindung vom Hauptverteiler in den Straßen zum Hausübergabepunkt. Durchschnittlich schließen wir pro Jahr 10.000 bis 15.000 neue Haushalte an unser Glasfasernetz in Köln an. Rechnet man das TV-Kabel dazu, dann liegt die Versorgungsquote in Köln insgesamt bei etwa 95 Prozent der Objekte. Nicht nur Vodafone verfügt über ein TV-Kabel, sondern auch wir. Grundsätzlich sind wir in Köln gut aufgestellt, was schnelles Internet angeht. In den Rankings liegen wir unter den ersten drei bis vier Großstädten in Deutschland.
Welche Zukunft hat das TV-Kabel?
Bei uns liegt die Priorität klar auf Glasfaser. Wir migrieren auch bei der GAG die Kunden von Kabel auf Glasfaser bis in die Wohnungen. Reine Kabelnetzbetreiber setzen weiterhin auf ihr Kabelnetz. Das ist zumindest im Downstream gigabitfähig und ist sicherlich leistungsfähiger als das alte Kupfernetz. Wir setzen aber bewusst auf Glasfaser. Sie ist stabiler, bietet höhere Übertragungsraten, ist sehr langlebig und nachhaltiger im Unterhalt, weil sie bis zu 17 Mal weniger Strom benötigt als Kupfer.
Gibt es jetzt in Köln überall Glasfaser?
Nein, daran arbeiten wir weiter. Wir haben als NetCologne rund 24.000 Kilometer Glasfaser in Köln verlegt. Das ist mit Abstand das größte Netz. Die Herausforderung ist der Anschluss der Wohnungen. Im letzten Jahr haben wir übrigens die Glasfasertarife attraktiver gestaltet als die DSL-Tarife im Kupfernetz. Die Kunden erhalten dadurch mehr Leistung für den gleichen Preis. Glasfaser soll kein Luxus mehr sein, sondern für jeden erschwinglich. Wir haben deshalb auch in Köln einen Sozialtarif für Menschen mit Köln-Pass eingeführt und spezielle Angebote für Studierende.
Wann wird denn das alte Kupfernetz abgeschaltet?
Gerade hat die Bundesnetzagentur ihr Regulierungskonzept für die Migration von Kupfer zu Glasfaser vorgestellt. Dem zufolge soll es ein regelgebundenes Abschaltverfahren für das Kupfernetz geben, wenn objektive Kriterien vorliegen. Dazu gehören: eine Ausbaurate von 80 Prozent mit FTTH, also Glasfaser bis in die Wohnung. Und die Erlaubnis, dass auch Wettbewerber das Netz nutzen dürfen, der sogenannte „Open Access“. Dann kann die Abschaltung des Kupfernetzes beantragt werden – nicht nur von der Telekom selbst, sondern auch von Wettbewerbern. Das geschieht allerdings nicht abrupt, sondern nach einer dreijährigen Übergangsphase. Diese Grundsatzentscheidung halte ich für eine ausgesprochen wichtige Neugestaltung des Marktes.
Wann wird das Netz in Köln abgeschaltet?
In zwei bis drei Jahren könnte der Abschaltungsprozess erster Pilothaushalte beginnen, weil dann die Ausbau-Kriterien erfüllt sind. Mit Blick auf die dann folgende Migrationsphase könnten die ersten Gebäude vermutlich in vier bis fünf Jahren abgeschaltet werden. Wichtig ist, dass es ein geordneter Prozess sein muss, bei dem die Kunden mitgenommen werden.
Wo liegen Schwerpunkte beim Netzausbau außerhalb Kölns?
Wir bauen aktuell in Kooperation mit der Westconnect in Bonn, Alfter und Weilerswist aus. Wir sind in Pulheim und Dormagen unterwegs. In Düsseldorf haben wir eine eigene Tochtergesellschaft mit den dortigen Stadtwerken, die Glasfaser ausbaut. In einigen dieser Städte haben wir schon heute das größte Glasfasernetz. In Düsseldorf sind wir noch ein Startup. Aber wir kommen gut voran. 6000 Kunden haben wir – und bereits rund 25.000 Objekte, die wir per Glasfaser erreichen.
Anfällige Netze sind gerade ein Thema. Wie störanfällig ist denn das Telekommunikationsnetz?
Wir nehmen das Thema Sicherheit sehr ernst. Unsere Kabel liegen wie vorgeschrieben tief in den Straßen, wir arbeiten mit Ringstrukturen, so dass bei einer Unterbrechung auf einer Seite die Signale umgeschaltet werden können. Darüber hinaus haben wir eine große Abteilung für Cybersicherheit und schulen unsere Mitarbeitenden konsequent. Wir hatten in den letzten zehn Jahren eine Netzverfügbarkeit von 99,98 bis 99,99 Prozent. Das heißt: Im Jahr kann ein Anschluss durchschnittlich 53 Minuten nicht am Netz sein.
Vor knapp einem Jahr hatte Netcologne einen großen Netzausfall über sechs bis acht Stunden.
Wir hatten einen unvorhersehbaren Fehler in den Arbeitsprozessen, wie uns der Tüv bestätigt hat. Es war kein Cyberangriff. Wir haben gelernt, Maßnahmen umgesetzt und sind auch den Empfehlungen des Tüvs gefolgt. Wir wissen, dass Fehler passieren können, die Fehler von damals aber mit Sicherheit nicht wieder. Für Geschäftskunden hat das Thema aber noch eine weitere Dimension.
Welche denn?
Meines Erachtens gibt es ohne resiliente, regionale Glasfaser-Infrastruktur und regionale Rechenzentren kein Wirtschaftswachstum. IT-Services und Rechenzentren sind dabei einer der Schwerpunkte unseres neuen Geschäftskunden-Bereichs NetCologne Business. Im Jahr 2024 haben wir unser viertes Rechenzentrum eröffnet. Hier sehen wir eine große Nachfrage aus der mittelständischen Wirtschaft und auch großer Unternehmen. Die Kunden wollen ihre Daten und ihre eigenen KI-Anwendungen sicher in einem deutschen Rechenzentrum ablegen, ohne die umfangreihen Überwachungsmöglichkeiten in den USA durch den Patriot Act. Daneben braucht es natürlich die großen Rechenzentren für umfangreiche Klimaberechnungen oder KI-Anwendungen, die im Rheinischen Revier etwa von Microsoft gebaut werden. Wir haben 400.000 Privatkunden sowie 30.000 Geschäftskunden. Im Segment Geschäftskunden sehen wir große Wachstumschancen, die wir nutzen wollen.
Die Olympischen Spiele sollen 2036, 2040 oder 2044 in NRW mit einem Schwerpunkt in Köln stattfinden. Unterstützen Sie das?
Ja, Olympia ist eine große Chance für Köln. Die Stadtentwicklung und die Schaffung von Infrastrukturen wird dadurch gefördert. Es geht aber auch um die Umsetzung einer Idee. Olympia ist eine inspirierende Vision, gerade wenn wir zurückschauen, wie begeisternd die Spiele in Paris waren. Netcologne unterstützt die Bewerbung aktiv über die eigenen Kanäle. Über das News-Portal koeln.de informieren wir flankierend über die Bewerbung, um eine gute Basis zu schaffen, damit die Bürgerinnen und Bürger am 19. April in der Abstimmung hoffentlich „Ja“ zu Olympia sagen.
Sehen das andere Unternehmen ähnlich?
Ja, auch andere Kölner Unternehmen werden die Bewerbung positiv begleiten. Es waren bereits zahlreiche Unternehmen bei der Veranstaltung zur Eröffnung der Kampagne dabei. Wir müssen jetzt Gas geben und dabei unterstützen, dass viele Bürgerinnen und Bürger an der Abstimmung teilnehmen. Schlecht wäre es, wenn nur eine knappe Mehrheit für Olympia votiert. Deshalb braucht die Kampagne Reichweite. Nicht nur in Köln, sondern auch in den anderen 14 Städten – darunter Aachen, Düsseldorf, Essen oder Duisburg, die bei den Spielen dabei sein sollen.
