ÜberschwemmungsgebieteÜber 300.000 Gebäude in Deutschland sind durch Hochwasser gefährdet

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Ein Plakat ·Hochwasser!· hängt in einer Hecke

Ein Plakat ·Hochwasser!· hängt in einer Hecke

Die Versicherer setzen auf einen besseren Schutz vor Hochwasser. 322.498 Gebäude in Deutschland stehen in bekannten Überschwemmungsgebieten. Und nicht nur die sind gefährdet. 

Die Versicherungen mahnen einen besseren Schutz vor Hochwasserschäden an. Besonders geschützt werden müssten Gebäude in bekannten Überschwemmungsgebieten. Das sind laut dem Branchenverband GDV  322.498 von 22,35 Millionen Adressen in Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 0,14 Prozent. Notwendig seien hier umfangreiche Präventionsmaßnahmen. Zudem sollte es in Überschwemmungsgebieten ein Verbot für Neubauten geben. Die schwer von der Flutkatastrophe getroffene Ahr nannte Anja Käfer-Rohrbach, die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin, „ein trauriges Beispiel“. Hier werde wieder aufgebaut, wo Häuser von der Flutwelle im Juli 2021 getroffen wurden. Bei der Flut waren 134 Menschen ums Leben gekommen.

Es ist gefährlich und gefährdend, dass in Überschwemmungsgebieten weiterhin Bauland ausgewiesen wird und neu gebaut werden darf.
Anja Käfer-Rohrbach, Branchenverband GDV

Im Landkreis Ahrweiler sind laut den vom GDV vorgelegten Zahlen von 48.009 Adressen 4223 gefährdet. In Überschwemmungsgebieten liegen 3905 Adressen, was einem Anteil von 8,13 Prozent entspricht. Noch höher ist der Anteil der Häuser in Überschwemmungsgebieten im Landkreis Cochem-Zell an der Mosel mit einem Anteil von 10,51 Prozent sowie in Koblenz und Trier mit 9,09 und 8,51 Prozent. Dabei ist Rheinland-Pfalz bundesweit auf Platz drei beim Anteil von Gebäuden in Überschwemmungsgebieten. Höher sind die Anteile in Sachsen und Thüringen. In NRW liegen besonders viele gefährdete Häuser in Bonn. Hier sind von insgesamt 63.366 Adressen 2650 in Überschwemmungsgebieten. Das entspricht einem Anteil von 4,18 Prozent. Die meisten dieser Häuser liegen im Stadtteil Beuel. Aber auch im Kreis Euskirchen liegen von 68.970 Adressen 1243 oder 1,8 Prozent in Überschwemmungsgebieten. Im Rhein-Sieg-Kreis sind es von 184 945 Adressen 2670 oder 1,44 Prozent.

„Es ist gefährlich und gefährdend, dass in Überschwemmungsgebieten weiterhin Bauland ausgewiesen wird und neu gebaut werden darf“, sagt Käfer-Rohrbach. Hier sehen die Versicherer die Kommunen in der Pflicht. Sie regen eine verpflichtende Gefährdungsbeurteilung von Bauwerken an in Bezug auf die Klimafolgen und Extremwetter. Generell sollten die Baunormen verschärft werden. Ihnen sei der Schutz vor Klimafolgen bislang fremd. „Zu den bereits bestehenden, enormen Risiken kommen auch noch weitere dazu“, mahnte Käfer-Rohbach, etwa durch Starkregen.

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Bei Sanierungen wasserdichte Fenster einbauen

Bei den verlangten barrierefreien Zugängen etwa müsse es kleine Rampen geben, so dass das Wasser nach einem Starkregen nicht von der Straße gleich in die Häuser eindringen könne, sagte Oliver Hauner, Leiter Sach- und Technische Versicherung, Schadenverhütung, Statistik beim GDV. Auch bei Sanierungen sieht er etwa durch den Einbau von wasserdichten Fenstern Möglichkeiten, den Schutz vor Hochwasser zu verbessern. Auf Keller sollte in Hochwassergebieten gleich ganz verzichtet werden.

„Aufgrund des Klimawandels und damit häufiger auftretenden Wetterextremen sind Schäden in Milliardenhöhe vorprogrammiert“, so Käfer-Rohrbach. Sie sollten durch Prävention reduziert oder vermieden werden. Bund, Länder und Kommunen sollten Maßnahmen dazu vorantreiben und finanzieren. Eine Pflichtversicherung gegen Naturgefahren lehnt der GDV aber ab. Die verteile die Kosten durch Hochwasser nur auf die Allgemeinheit.

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