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Adenauer gibt Amt abWechsel bei der Stiftung Stadtgedächtnis

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Am 4. März 2009 ist das Historische Archiv der Stadt Köln eingestürzt (Archivbild).

Gut 15 Jahre nach ihrer Gründung wird die „Stiftung Stadtgedächtnis“ bald eine neue Spitze bekommen.

Konrad Adenauer, Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers und früheren Kölner Oberbürgermeisters, wird bei der nächsten Wahl zum Vorsitz in wenigen Wochen nicht wieder antreten, verriet er im Gespräch mit der Rundschau. Der 80-jährige Notar im Ruhestand will altersbedingt seine ehrenamtlichen Tätigkeiten reduzieren. Er hatte die Stiftung, die nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln gegründet worden war, mehrere Jahre lang geführt und stabilisiert. Zuvor hatte es Negativ-Schlagzeilen über die Organisation gegeben.

„Das wurde einfach schlecht gemanagt“, erinnert sich Adenauer an diese Zeit. In die Stiftung waren bei ihrer Gründung rund sieben Millionen Euro vom Land NRW und der Stadt Köln sowie der evangelischen und katholischen Kirche geflossen. Durch Zustiftungen und Aktionen zur Spendenwerbung sollte das Stiftungskapital immer weiter erhöht werden. Von den Zinsen, die das Geld abwerfen sollte, wollte man die Restaurierung beschädigter Archivalien bezahlen. Durch hohe Personal- und Bürokosten sowie wenig erfolgreiche, aber teure Werbung wurde ein Großteil des Kapitals aufgezehrt. Heute sind noch etwa vier Millionen Euro im Topf der Stiftung.

Wenig Geld erwirtschaftet

Im Jahr 2015 hatte Adenauer den Stiftungs-Vorsitz übernommen und damit den Ruf der Organisation langsam wieder aufgebaut. Büro und Personal wurden aufgegeben, die Sparkasse übernahm die Finanzverwaltung. Doch all die Sparbemühungen brachten in dieser Zeit nur wenig. Wegen der Niedrigzins-Phase konnte mit dem Kapital kaum Geld erwirtschaftet werden. Als Konsequenz wurde die Stiftung, die ursprünglich dauerhaft das Historische Archiv unterstützen sollte, zu einer sogenannten Verbrauchsstiftung umgewandelt.

„Die Umstellung war gar nicht so einfach“, beschreibt Adenauer: Verschiedene staatliche Stellen mussten ihr Einverständnis dazu erklären. Inzwischen ist das geregelt, bis 2042 soll das Geld komplett ausgegeben werden. Spenden von interessierten Bürgern, Unternehmen oder Organisationen sollten lieber an den Förderverein „Freunde des Historischen Archivs“ geleistet werden.

Es könnte aber auch sein, dass das Stiftungskapital innerhalb der gesetzten Frist gar nicht komplett verbraucht werden kann, räumt Konrad Adenauer ein. Finanziert werden aus dem Geld derzeit Stellen für Restauratorinnen und Restauratoren im Historischen Archiv. Das aber ist gar nicht so einfach, wie es klingt.

Restauratoren schwierig zu finden

„Eigentlich ist von uns angestrebt, jedes Jahr drei Restautorenstellen zu bezahlen“, erklärt Adenauer. Die rund 200.000 Euro pro Jahr, die dafür erforderlich sind, könnten aus dem Stiftungsvermögen locker bezahlt werden, auch wenn die Gehälter unter anderem wegen Tarif-Anpassungen in der letzten zeit deutlich gestiegen sind. Das Problem ist aber, dass entsprechende Mitarbeitende auf dem Arbeitsmarkt Mangelware sind. Und wer sich zur Fachfrau oder zum Fachmann für Restaurierung ausbilden lässt, wird von unterschiedlichsten Institutionen umworben.

„Es ist schwierig, Leute zu finden, die eine solche Stelle überhaupt annehmen wollen“, beschreibt der Vorsitzende der Stiftung Stadtgedächtnis die Situation. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, die die Stellen in ihrem Haushalt abbilden muss, sei zuweilen durchaus kompliziert. Als Stiftung könne man immer nur Zusagen für die nächsten Jahre geben, nicht für die Ewigkeit. In der Folge werde die Einstellung des Personals dann befristet vorgenommen. „Viele Fachleute aber wollen lieber eine unbefristete Anstellung“, weiß Adenauer.

Finanzplanung bleibt unklar

Unklar ist, was mit eventuellem restlichen Geld passiert, wenn die Verbrauchsstiftung offiziell im Jahr 2042 endet. „Wir prüfen juristisch gerade, ob beispielsweise eine Verlängerung möglich wäre oder das Geld dann komplett ans Historische Archiv ausgeschüttet würde“. Zuständig dafür wird dann der neue Vorstand sein – ohne Adenauer. Sein Posten ist auch mit der Führung der Stiftungs-Geschäfte verbunden. Er ist der einzige, bei dem eine Wahl stattfindet. Die anderen Positionen werden durch Institutionen benannt. Derzeit sind das für die Stadt Köln der Kulturdezernent Stefan Charles, für das Land NRW Claudia Determann und für den Verein der Freunde des Historischen Archivs der ehemalige Kölner Stadtdirekter Burkhard von der Mühlen.

Der Bedarf an Fachpersonal für die Restaurierung wird noch auf viele Jahre groß bleiben. Zwar sollen deutlich mehr als 95 Prozent der Archivalien nach dem Einsturz geborgen worden sein, sie müssen aber zum Teil aufwändig instandgesetzt werden. „Da reicht es meist nicht, einfach den Staub abzuwischen und sie wieder ins Regal zu stellen“, erklärt Adenauer. Die meisten Papiere und andere Gedenkstücke seien zwar grob gereinigt worden, sie sind aber teilweise beschädigt oder sogar zerrissen. Zeitweise war für die Reparaturarbeiten eine Halle in Porz angemietet worden, inzwischen finden die Arbeiten im Neubau des Archivs statt.

Nachlass vom Großvater

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Stiftung Stadtgedächtnis ist Konrad Adenauer selbst von dem Thema auch persönlich betroffen: Es geht um Akten seines Großvaters. Die aus der Zeit als Bundeskanzler lagern in der Gedenkstätte in Rhöndorf oder im Bundesarchiv in Koblenz. Aber die Archivalien aus seiner Zeit als Oberbürgermeisters Kölns sind bei dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschüttet worden.

„Etwas Genaues weiß man über diesen Nachlass derzeit leider nicht“, erzählt Adenauer. Immerhin sollen die Akten wieder aufgetaucht sein. Sie seien in zwei Plastikpakete verschweißt worden, weshalb sie bei dem Unglück wohl keinen großen Schaden genommen hätten. Die Pakete seien zwar gequetscht worden, die Blätter an sich seien aber nicht gefährdet. Gleichwohl sei es ihm bisher noch nicht gelungen, die Akten noch einmal in Augenschein zu nehmen, sagt Adenauer: „Ich habe sie nach dem Einsturz nie wieder gesehen. Ich hoffe, dass ich demnächst mal die Möglichkeit bekomme, sie mir anzuschauen.“