Beliebter Studenten-TreffpunktKonflikte um Mauer an Zülpicher Straße weiter ungelöst

Lesezeit 4 Minuten

Samstagabend auf dem Mäuerchen: Vor allem für Studierende ist es der Ort, um Freunde zu treffen.

Köln – Es ist Samstagabend, die Sonne scheint, und das „Mäuerchen“ ist voll. Studenten, junge Leute, plaudern, trinken Bier. Alles wie immer, keine Schiene auf der Mauer verhindert das gemütliche Beisammensein. Die Mauermeter auf der Zülpicher Straße sind offenbar der perfekte Treffpunkt.

Aber warum eigentlich? Warum lockt dieser Ort so viele junge Menschen an? „Es gibt hier nicht nur direkt einen Kiosk, auch die Uni Wiesen sind nicht weit. Deswegen ist das hier ein Treffpunkt geworden“, erzählt Lukas, einer der vielen Studenten, die dort gerne ihre Abende ausklingen lassen. Greta ergänzt „Außerdem ist man direkt an der Zülpicher Straße. So sind die Bars nicht weit“. Und: Tradition! „Man hat es einfach von anderen übernommen“, sagt Victor. „Nach den Uni Wiesen geht man dann nochmal zum Mäuerchen“.

Die Schiene auf der Mauer.

Doch wie berichtet hat auch dieser Treffpunkt Konflikte mit Anwohnern ausgelöst. Die Unileitung als Besitzer des Geländes hatte sie im November versucht, mit einer Metallschiene zu lösen (siehe Info-Text). Das klappte nicht, die Studenten beschwerten sich, auch, weil die Unileitung sie nicht informiert hatte. Die Uni entfernte die Leiste wieder und kündigte an, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Nun steht sieben Monate später der Sommer an und mit ihm einige laue Sommernächte, die traditionell die Menschen zum Mäuerchen ziehen – doch eine Lösung gibt es immer noch nicht. Der beliebte Treffpunkt bleibt also, mit allen Vor- und Nachteilen.

Alles zum Thema Universität zu Köln

Ein Sprecher der Uni kündigte an, dass die zuständige Arbeitsgruppe des Kriminalpräventiven Rates sich Ende August trifft, danach das Rektorat sich damit beschäftigt. Das heißt aber auch: Eine schnelle Lösung kommt nicht – zumal noch völlig offen ist, wie sie aussieht.

Die Vorgeschichte

Anfang November des vergangenen Jahres hatte die Universität Köln eine Metallschiene auf dem beliebten Mäuerchen nahe des Bahnhofs Süd angebracht. Laut eines Sprechers war es der Versuch, den Konflikt zu beruhigen zwischen lärmgeplagten Anwohnern und den Menschen, die sich dort treffen.

Doch die Schiene sorgte kurz darauf für Aufregung, weil Student Marc Dickert sie mit einem Foto bei Twitter öffentlich machte. Er schrieb dazu: „Ja, in den letzten Jahren wurde es lauter und leider auch dreckiger. Auch ich habe mich schon oft genug über den Dreck aufgeregt. Dies

ist trotzdem kein Grund mit dem Vorschlaghammer einfach den ganzen Bereich für alle unzugänglich zu machen. (...) Für sowas braucht es kompromissorientierte Lösungen.“

Nach vielen Berichten in den Medien entschloss sich die Hochschulleitung, die Schiene tags darauf zu entfernen. Sie kündigte an, in Ruhe nach alternativen Lösungen zu beraten – das dauert bis heute an. (mhe)

Beispielsweise spricht sich Ben Himmelrath, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta), gegen „absolute Maßnahmen“ wie ein Alkoholverbot aus, „dabei werden die Studenten und ihre Bedürfnisse als Kollateralschäden eingepreist werden“. Himmelrath sagt: „Die Uni Köln ist keine klassische Campus-Uni, wir Studenten brauchen also den öffentlichen Raum.“ Vielmehr fordert er nicht nur Verbote, sondern zu schauen, welche alternative Treffpunkte die Stadt schaffen könne.

„Kein Dress-Code, perfekte Anbindung“

Auch Nicht-Studierende kommen inzwischen, um einen Abend mit Freunden zu verbringen. Nils und seine Freunde sind fertig mit dem Studium und im Berufsleben angekommen: „Wir kommen trotzdem immer wieder her. Hier gibt es keinen Dress-Code, die Kneipen sind oft zu warm und die Anbindung zur Bahn ist perfekt“.

Die Menschen freuen sich, hier einen Ort zu haben, an dem sie die langen und warmen Sommernächte verbringen können. Auch als Ort zum gemeinsamen „Vortrinken„ für eine anstehende Partynacht, wird das Mäuerchen gerne genommen. „Das Mäuerchen ist der perfekte Ort, um die Uni und das Feiern zu verbinden“, erzählt Marc aus Kalk. Egal an welchem Tag man hier vorbeikommt, bei gutem Wetter ist immer was los. Immer was los, heißt auch: Es bleibt viel Müll liegen, Scherben von zerstörten Bierflaschen sieht man immer wieder, es riecht schon mal streng. Der Ordnungsdienst geht Streife wie auf der gesamten Zülpicher Straße.

Der Ordnungsdienst der Stadt geht Streife wie auf der gesamten Zülpicher Straße.

Laut Kneipier Markus Vogt sind die Studenten nicht das Problem, der Vorsitzende des Vereins „Gastro Kwartier Latäng“ sieht eher Jugendliche ab 16 Jahre als Gruppe an, die spätabends und nachts laut sind, die Anwohner belästigen. Er spricht sich für Verbote aus, beispielsweise für Alkohol, „sonst kriegt man das nicht in den Griff“. Auch hellere Scheinwerfer, die abends zu einer gewissen Uhrzeit angehen und das Versammeln dort unattraktiv machen, sind immer mal wieder als Option im Spiel. Allerdings sind es Ideen, die nicht neu sind, die auch anderswo nicht funktioniert haben, etwa am Brüsseler Platz, der allerdings zumeist auch ein anderes Publikum hat.

Spuren der Nacht: Müll und zerbrochene Bierflaschen sind in weiten Teilen zu sehen. Es riecht bisweilen streng.

Die Stadt Köln übrigens hatte schon vor längerer Zeit auf der anderen Straßenseite ebenfalls Schienen auf ihren Mauern angebracht –und sie auch nicht abmontiert. Es handelt sich allerdings um den weniger prominenten Teil des Straßenabschnitts.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren