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Öffentlicher NahverkehrOlympia-Bewerbung soll Schub für den Kölner Norden bringen

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Startschuss für die Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ am 19. Januar vor der Lanxess-Arena.

Startschuss für die Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ am 19. Januar vor der Lanxess-Arena.

Der Kölner Stadtrat hofft, dass die Bewerbung für Olympische Spiele in NRW den Ausbau des ÖPNV im Kölner Norden beschleunigt. Die Kosten für die Spiele sollen transparent gemacht werden.

Im Vorfeld des Bürgerentscheids über eine Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ am 19. April soll die Stadtverwaltung die Chancen und Risiken der Bewerbung „transparent und neutral“ darstellen und diese Informationen vor dem Versand der Wahlunterlagen auf der städtischen Internetseite darstellen. Das hat der Stadtrat am Donnerstag mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP/KSG, Volt und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) beschlossen. Demnach soll es „eine nachvollziehbare Kostenschätzung“ geben, insbesondere für „Sicherheitsmaßnahmen, medizinische Versorgung und temporäre Sportstätten“, darunter ein mögliches temporäres Leichtathletikstadion in Kreuzfeld.

Dieser Beschluss erfolgte durch einen Änderungsantrag der Volt-Fraktion zu einem Ursprungsantrag von SPD, CDU, und FDP/KSG. Demnach soll die Stadt darstellen, auf welcher Grundlage Aussagen zur Kostendeckung der Spiele durch Einnahmen aus TV-Rechten oder Geldern von Bund und Land beruhen. Die Informationen für die Bürger sollen in leichter Sprache und in mehreren Fremdsprachen bereitgestellt werden.

Nahverkehr in Köln-Chorweiler soll verbessert werden

Darüber hinaus beschloss der Rat auch die Forderungen von SPD, CDU und FDP/KSG für einen beschleunigten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Kölner Norden. So soll die Stadtverwaltung bei den zuständigen Institutionen wie KVB, VRS, go.Rheinland, DB, Land NRW darauf hinwirken, „dass die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs insbesondere im Stadtbezirk Chorweiler ertüchtigt und bedarfsgerecht verbessert werden“. Zudem soll der geplante Autobahnanschluss des neuen Stadtteils Kreuzfeld an die A57 beschleunigt werden.

SPD, CDU und FDP/KSG hatten sich im Vorfeld als klare Befürworter der Olympia-Bewerbung positioniert, während die Linken dagegen sind und die Grünen sich abwartend verhalten (wir berichteten).

Bei seiner Rede im Rat trug SPD-Ratsherr Mattis Dieterich eigens eine Sportjacke der „Spielvereinigung Rheindörfer Köln-Nord 1920/21“, um auf die Bedeutung von Olympia für den Kölner Norden hinzuweisen. „Mit Olympia lösen wir Kölner Probleme. Wenn Köln sich bewirbt, dann muss der Nutzen bei den Menschen ankommen. Und Olympia muss einen Mehrwert für Köln bieten“, betonte Dieterich. Die Olympia-Bewerbung sei „eine einmalige Chance, zusätzliche Mittel zu mobilisieren, die ohne einen solchen Anlass schlicht nicht fließen würden. Einen derartigen Katalysator für unsere Infrastruktur werden wir vermutlich die nächsten Jahrzehnte nicht bekommen.“

Politik sieht „reale Perspektiven“ für die Sanierung Kölner Sportstätten

Auch CDU-Ratsfrau Ira Sommer warb in klaren Worten für olympische Spiele in Köln: „Olympia ist eine Riesenchance, ein Türöffner für die Verbesserungen, die unsere Stadt und insbesondere der Kölner Norden seit Jahren dringend brauchen. Olympia bedeutet, dass Sportstätten ertüchtigt werden, dass Vereine, die seit Jahren auf Sanierungen warten, endlich eine reale Perspektive bekommen, dass Investitionen nicht weiter verschoben, sondern priorisiert und umgesetzt werden.“

Fördermittel von Land und Bund gingen „nicht an diejenigen, die abwarten oder hoffen, sondern an die, die belastbare Konzepte vorlegen können“, so Sommer. „Der Kölner Norden braucht diese Verbesserung dringend. Und Olympia wird der entscheidende Hebel sein, um sie endlich umzusetzen.“

Volker Görzel, Vorsitzender der FDP/KSG-Fraktion, dankte dem OB, dass er sich  gemeinsam mit der Landesregierung für die Olympia-Bewerbung „Köln Rhein Ruhr“ stark gemacht habe. Die Stadt habe jetzt die Gelegenheit, olympische Spiele in Köln zu einem inklusiven, sozialen und nachhaltigen Ereignis zu machen. Man könne damit den ÖPNV stärken und die Zusammenarbeit in der Region vorantreiben. „Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen.“

Die Linke sieht Kölner Olympia-Bewerbung als aussichtslos an

Für die Grünen, die den Antrag ablehnten (wie auch Linke, AfD, BSW, PARTEI und Klimafreunde), sprach der frühere Bürgermeister und passionierte Leichtathlet Andreas Wolter. Er betonte: „Wir können Großveranstaltungen, wir sind divers, inklusiv, weltoffen und gastfreundlich.“ Der Antrag mache aber „erst dann Sinn, wenn wir den Zuschlag vom DOSB erhalten“. Und dann wäre er „nicht weitgehend genug“.

Attila Gümüs (Linke) fragte: „Was ist denn der Plan B, wenn Olympia nicht nach Köln kommt?“ Er sieht die Bewerbung als aussichtslos an: „Die Olympischen und Paralympischen Spiele werden nicht nach Köln kommen, auch wenn man das hier in Gutsherrenart durchsetzen möchte.“

Jasna Ibric (Volt) sagte, dass der Rat in der Frage einer Olympia-Bewerbung „besondere Verantwortung“ trage. Es gelte, die Kölner vor dem Bürgerentscheid vollständig und transparent zu informieren. Sie sollten wissen, welche Kosten entstehen und wer sie trägt.