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Das andere GesprächChef der Handwerkskammer über seine Leidenschaft zum Laufen

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Laufprogramm für das Wochenende: Ortwin Weltrich auf der Zehn-Kilometer-Runde in der Nähe von Langenfeld.

Köln – In unserer Interview-Reihe „Das andere Gespräch“ reden prominente Kölner über ein Thema ihrer Wahl, das allerdings nichts mit ihrem Beruf zu tun haben darf. Katja Lenz sprach mit Dr. Ortwin Weltrich (62), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, über seine Leidenschaft fürs Laufen, das Wandern in den Bergen und frische Luft.

Herr Dr. Weltrich, wie sind Sie überhaupt zum Laufen gekommen?

Vor fünf Jahren hatte eine Kollegin die Idee, dass wir mit einem Team von der Handwerkskammer die fünf Kilometer beim Business Run in Köln mitlaufen. Da hab ich entschieden: Gut, wenn du da mitläufst, kannst du nicht der Langsamste sein. Also habe ich angefangen zu laufen und festgestellt, dass es für mich die ideale Sportart ist. Wir wohnen in der Nähe eines Waldes. Man geht nur ein paar Schritte aus dem Haus, man braucht nicht viel Equipment – und man kann etwas für seine Gesundheit tun. Laufen ist ein wunderbarer Ausgleichssport, wenn man wie ich eine Tätigkeit hat, die viel mit Sitzen zu tun hat.

Wie ging es weiter? Fünf Kilometer sind ja noch überschaubar. . .

Ich bin erst jeden Sonntag fünf Kilometer gelaufen. Dann habe ich gemerkt, das ist vielleicht ein bisschen wenig. Mittlerweile laufe ich samstags, sonntags und an Feiertagen zehn Kilometer und im Urlaub jeden Morgen. Ich habe es sogar geschafft, auf einem Kreuzfahrtschiff jeden Tag fünf Kilometer zu laufen.

Wie lange brauchen Sie für die Strecke?

Meine Bestzeit auf fünf Kilometer sind 25:30 Minuten, meistens laufe ich 26:30.

Und Sie messen die Zeit immer? Bedeutet das nicht Stress?

Überhaupt nicht. Das ist eine gute Motivation für die ersten fünf Kilometer. Die zweiten fünf laufe ich dann kreuz und quer durch die Natur.

Halten Sie dabei auch manchmal ein Schwätzchen?

Nein, ich rede beruflich schon so viel. Meistens laufe ich morgens zwischen acht und halb neun los, da ist es auch im Wald noch relativ leer. Mit anschließendem Auslaufen ist man schnell eineinhalb Stunden unterwegs. Nach dem Laufen hole ich samstags dann noch Blumen für meine Frau und Brötchen.

Zeit in der Natur zu verbringen, ist Ihnen wichtig. Wie kam es dazu?

Ich bin ja in einer Zeit ohne Mobiltelefon und ohne Internet aufgewachsen. Als Kind bin ich oft mit meinen Eltern mit der Eisenbahn nach Kärnten oder ins Allgäu gefahren. Für uns war das eine richtige Weltreise. Damals ist dort meine Liebe zu den Bergen entstanden.

Zur Person

Ortwin Weltrich wurde 1955 in Dortmund geboren. Er hat Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln studiert und dort auch seine Doktorarbeit über Europäisches Kartellrecht geschrieben. 1990 arbeitete er als Referatsleiter beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Von 1992 bis 2007 war er stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, seitdem ist er Hauptgeschäftsführer.

Außerdem hat er zahlreiche Mandate und Ehrenämter, unter anderem im WDR-Rundfunkrat, als Wirtschaftsbotschafter der Stadt Köln und als Kuratoriumsmitglied in der SK-Stiftung „Jugend und Medien“.

Dr. Ortwin Weltrich ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Langenfeld. (kl)

Wenn Sie früher und heute vergleichen, welche Unterschiede sehen Sie?

Ich habe kürzlich noch ein Bild gefunden von einem Urlaub mit meiner Frau am Gletscher vom Großglockner. Genau dort war ich mit meinen Eltern schon einmal, auch davon habe ich ein Foto. Dazwischen liegen über 50 Jahre. Ich habe die Fotos nebeneinander gelegt. Da sieht man, wie der Gletscher zurückgegangen ist. Das ist erschreckend.

Und Ihre Kinder? Konnten Sie die für die Berge begeistern?

Wir haben es geschafft, sie nicht abzuschrecken – alle drei wandern auch gerne. Mit Wandern kann man sich die Natur erschließen. Für mich ist es ein schönes Gefühl, wenn man dann auf dem Berg steht und hat diese Ruhe. Meine Frau ist eigentlich mehr fürs Meer. Ich habe nichts gegen das Meer, aber da hat man immer ein Grundrauschen.

Das stört Sie?

Ich finde es schön, wenn es absolut still ist. Man hört dann vielleicht in der Ferne noch Kirchenglocken läuten oder Kuhglocken. Für mich sind die Berge das Entspannendste.

Wie hoch müssen Sie steigen, um Ruhe zu haben?

Ich bleibe auf der mittleren Höhe bis 2200 Meter. Man muss gar kein Risiko eingehen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die den letzten Kick im Urlaub brauchen. Aber man sollte ein bisschen schwindelfrei sein und vernünftige Schuhe haben. Wenn ich manchmal so sehe, mit was die Leute in den Bergen rumlaufen. . .

Am Wochenende laufen, im Urlaub wandern – wie kommen Sie unter der Woche an die Luft?

Ich versuche, alle Wege in der Innenstadt zu Fuß zu gehen. Und ich habe ein Cabrio. Damit fahre ich nach der Arbeit gemütlich nach Hause und wundere mich über die Leute, die an mir vorbeihetzen. Wenn man mit dem Cabrio an Wiesen vorbeifährt, kriegt man auch etwas von der Natur mit. Ein Leben ohne Natur könnte ich mir nicht vorstellen. Fünf Jahre zum Mars zu fliegen – dafür wäre ich nicht zu begeistern.