Abo

E-Scooter in KölnDiese Anbieter wollen sich einem Auswahlverfahren stellen

4 min
Von den sechs Anbietern Ridemovi (von links), Bolt, Lime, Dott, Ryde und Voi sollen in Köln nur drei übrig bleiben.

Von den sechs Anbietern Ridemovi (von links), Bolt, Lime, Dott, Ryde und Voi sollen in Köln nur drei übrig bleiben.

Die Stadt will die Zahl der Anbieter und Fahrzeuge um die Hälfte reduzieren. Eine andere Großstadt zeigt, wie ein Auswahlverfahren aussehen könnte.

Die Mehrheit der Unternehmen, die ihre E-Scooter auf den Kölner Straßen zum Verleih anbieten, will sich am geplanten Auswahlverfahren der Stadt beteiligen. Wie diese Zeitung berichtete, plant die Verwaltung, die Zahl der Anbieter von sechs auf drei und die Zahl der E-Scooter von 19.300 auf 9000 bis 10.000 zu reduzieren. Die Anbieter Voi, Lime, Dott, Bolt und Ryde kündigten auf Anfrage an, sich einem Auswahlverfahren stellen zu wollen. Der Anbieter Ridemovi ließ die Anfrage unbeantwortet.

Der Blick der fünf Anbieter auf das Auswahlverfahren in Köln liest sich nahezu identisch. Solche Verfahren seien positiv zu bewerten, wenn sie transparent ausgestaltet sind und sich an objektiv zu bewertenden Kriterien orientieren, heißt es deckungsgleich. „Sechs Anbieter sind in einer Stadt zu viel, die Zahl der E-Scooter in Köln ist mit fast 20.000 sehr hoch“, sagt Peer-Arne Böttcher, Sprecher des Unternehmens Ryde. Das Auswahlverfahren sei aus seiner Sicht gut für alle Beteiligten. Durch die hohe Zahl an Anbietern entstehe immer mehr Wettbewerb um die knappen Flächen im urbanen Raum, was wiederum zu mehr Unordnung und weniger Akzeptanz führt, stimmt auch Dott-Sprecher Johannes Knippenberg zu.

„Ein transparentes Auswahlverfahren schafft Planungssicherheit – für die Stadt ebenso wie für die Anbieter. Nur wer langfristig planen kann, investiert in lokale Teams, neue Fahrzeugtechnik und hochwertige Betriebsstrukturen“, findet auch Voi-Sprecher Martin Becker.

Verfahren wie diese „schaffen klare Erwartungen an die Anbieter, fördern hohe Qualitätsstandards und ermöglichen eine enge Zusammenarbeit mit den Städten“, sagt eine Sprecherin von Bolt. Die Debatte dürfe sich allerdings nicht allein auf die Reduzierung von Fahrzeugzahlen konzentrieren, heißt es vom Unternehmen Lime. „Weniger Fahrzeuge führen nicht automatisch zu einem besseren Abstellverhalten und höherer Verkehrssicherheit.“

Kriterien, die aus Sicht der Anbieter beim Verfahren eine Rolle spielen müssen, sind neben den Maßnahmen für geordnetes Parken auch ein belastbares Wartungs-, Sicherheits- und Flottenmanagement, ein gut erreichbarer Kunden- und Beschwerdeservice, technische Innovation und die noch stärkere Integration der E-Scooter in das städtische Mobilitätsangebot.

Frankfurt reduzierte Anbieterzahl genauso, wie Köln es vorhat

Für ein aktuelles Beispiel, wie ein Auswahlverfahren mit vielen der genannten Kriterien in einer Großstadt aussehen kann, lohnt sich ein Blick nach Frankfurt. Dort hat die Stadt nach einem solchen Verfahren zum 1. Juli neue Sondernutzungserlaubnisse vergeben. Von zuvor sechs Anbietern dürfen seither nur noch drei ihre E-Tretroller im Stadtgebiet verleihen. Zugleich sank die zulässige Gesamtflotte von 12.000 auf 10.500 Fahrzeuge, ein Minus von rund zwölf Prozent. Stadtweit darf jede Firma maximal 3500 Fahrzeuge aufstellen. Im dicht genutzten Innenstadtbereich sind künftig anbieterübergreifend nur noch 2400 Roller erlaubt.

Auf maximal 15 Seiten mussten die Anbieter ihr Konzept darlegen und darin auf Aspekte in fünf Kategorien eingehen. Für jede Kategorie vergab die Stadt null bis fünf Punkte mit unterschiedlicher Gewichtung. Mit 30 Prozent am höchsten gewichtet war der Bereich „Sicherheit beim Bereitstellen und Parken“. Dabei geht es um die Platzierung und Umverteilung der Fahrzeuge, Pflichten für die Kunden, wie Verstöße der Kunden sanktioniert werden oder um Maßnahmen, wie umgestürzte oder falsch abgestellte Fahrzeuge schnellstmöglich beseitigt werden. Weitere Kategorien sind das Vorgehen bei Beschwerden (25 Prozent), die Fahrsicherheit (20 Prozent), die Wartung der Fahrzeuge (15 Prozent) und Nachhaltigkeitsaspekte (10 Prozent). Den Zuschlag bekamen die Anbieter Bolt, Lime und Voi.

Maßnahmen gegen die Abstellproblematik

Die Regulierung der drei verbleibenden Anbieter steckt in den Mindestkriterien, Bedingungen und Auflagen, die Teil der Sondernutzungserlaubnis sind. Die Abstellproblematik, die für viele E-Scooter-Kritiker auch in Köln das größte Thema ist, soll durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden. Demnach dürfen unter anderem an jedem Standort nur fünf Fahrzeuge stehen, überschüssige Roller müssen innerhalb von drei Stunden entfernt werden. Die Drei-Stunden-Regel gilt auch für zugestellte Radwege, gemeinsame Rad- und Gehwege mit einer Breite von weniger als drei Meter oder Einfahrten.

Um die betroffenen Fahrzeuge zu beseitigen, sind werktags alle drei Stunden Kontrollfahrten der Anbieter verpflichtend – das wiederum nur mit Elektroautos oder anderen emissionsfreien Fahrzeugen. Halten die Verleiher die Reaktionszeiten nicht ein, droht pro Fahrzeug ein Zwangsgeld von 100 Euro. Die Verleihfirmen müssen zudem eine kostenlose Hotline für die Annahme von Beschwerden einrichten, die zwischen 6 und 22 Uhr erreichbar sein muss. Wie in Köln will Frankfurt künftig weitere Abstellflächen einrichten. Im Umkreis von 100 Metern um eine solche Fläche dürfen keine Roller mehr stationslos abgestellt werden. 165 Abstellflächen gibt es in Frankfurt schon, in Köln sind es rund 140.

Die Kölner Stadtverwaltung will ihr Auswahlverfahren voraussichtlich im dritten Quartal veröffentlichen. Die neuen Sondernutzungserlaubnisse sollen zum Jahreswechsel in Kraft treten.