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Kölner RheinlandtalerFörderkreis des Ehrenfelder Hochbunkers ausgezeichnet

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Anne Henk-Hollstein (r.) übergab Petra Bossinger (m.), 2. Vorsitzende des „Förderkreises Hochbunker Körnerstraße 101“, den Rheinlandtaler.

Anne Henk-Hollstein (r.) übergab Petra Bossinger (m.), 2. Vorsitzende des „Förderkreises Hochbunker Körnerstraße 101“, den Rheinlandtaler.

Der Ehrenfelder „Förderkreis Hochbunker Körnerstraße 101“ hat den Rheinlandtaler gewonnen.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat den Rheinlandtaler in der Kategorie „Kultur“ an den „Förderkreis Hochbunker Körnerstraße 101“ verliehen. Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende des Landschaftsausschusses, überreichte die Auszeichnung und die Urkunde an Petra Bossinger, 2. Vorsitzende des Förderkreises.

Henk-Hollstein sprach die „tiefe Anerkennung“ des LVR für den ehrenamtlichen Einsatz aus: „Wir zeichnen Sie heute sehr gerne mit dem Rheinlandtaler aus als Anerkennung für Ihre Verdienste um die kulturelle Entwicklung und Vielfalt des Rheinlandes sowie für Ihr unermüdliches Eintreten für ein friedliches Miteinander der Kulturen.“ Bossinger gab den Dank an das gesamte „Bunker-Team“ weiter und versprach einen Ehrenplatz für den Rheinlandtaler.

Hochbunker im Zweiten Weltkrieg erbaut

In ihrer Laudatio blickte Henk-Hollstein auf die Geschichte des Hochbunkers in der Körnerstraße zurück. Der Bunker wurde in den Jahren 1942 bis 1944 direkt neben der Ehrenfelder Synagoge errichtet, die in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November bis auf die Grundmauern zerstört wurde.

Die Baumaßnahme gehörte zum sogenannten Führer-Sofortprogramm, um Luftschutzräume für die Bevölkerung zu schaffen. Der Hochbunker war ausgelegt für 1550 Plätze, doch bot er bei den 155 Luftangriffen der Alliierten auf Ehrenfeld zeitweise bis zu 7500 Menschen Zuflucht. Die Schutzsuchenden, zu denen auch Mitglieder der Edelweißpiraten wie Franz Rheinberger und Bartholomäus Schink gehörten, wurden in kleinen Abteilungen mit dreistöckigen Hochbetten untergebracht.

Nach dem Krieg wurde der Bunker bis Mitte der 1950er Jahre Not- und Massenunterkunft, auch für entlassene Kriegsgefangene, dann Möbellager und ab 1962 Atomschutzbunker. Unter Daniel Spoerri, Professor an den Kölner Werkschulen, erfolgte 1981 mit der Aktion „Promenade Sentimental“ eine erste künstlerische Nutzung. Auch als Proberaum für Musiker war der Bunker gefragt, etwa für Jürgen Zeltinger und seine Band.

Ort der Erinnerung und Kultur

Bereits 1988 wurden erste Initiativen zur Umgestaltung in eine Gedenkstätte der Novemberpogrome verfolgt. Eine Ausstellung in 1991 zeigte 90 Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt. Nach der Aufgabe des Bunkers als Schutzraum setzten sich Bürgerinnen und Bürger aus Ehrenfeld sowie Kunstschaffende um die „Projektgruppe Hochbunker Körnerstraße“ für den Erhalt des Baus als Gedenkstätte und Kulturraum ein, darunter Gerhart Baum, René Böll, Wolfgang Niedecken und Günter Wallraff. Am 17. Oktober 2012 gründete sich der „Förderkreis Hochbunker 101“ und mietete den Bunker vom Bund.

„Unter dem Namen ‚bunker k101‘ stellen von nun an regelmäßig Ehrenfelder Künstlerinnen und Künstler, aber auch überregional bekannte Personen aus, um das Gebäude als besonderen Erinnerungsort darzustellen und im Gedächtnis zu halten“, sagte Henk-Hollstein. Zudem organisiere der Förderkreis Performances, Lesungen, Theaterstücke und forsche zum Nationalsozialismus. Seit mehr als 20 Jahren organisiert das Bündnis „Ehrenfeld gegen Rechtsextremismus“ am 10. November einen Schweigemarsch, der am Standort der damals zerstörten Synagoge beginnt. Er führt zum Mahnmal in der Schönsteinstraße, zum Gedenken an die dort hingerichteten Edelweißpiraten sowie an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.