Das Kölner Arbeitslosenzentrum und das Karo-Dame-Kulturprojekt zeigen zum Jubiläum ausgewählte Kunstwerke in der Überlebensstation Gulliver.
Gulliver zeigt Jubiläumsschau25 Jahre Kunst, Kultur und Hilfe unter der Hohenzollernbrücke

Kuratorin Elvira Reith ist versucht, die Fenster des Gemäldes „Atelierblick auf Siebengebirge“ von Roswitha Waechter zu öffnen.
Copyright: Thomas Dahl
Raum der Zuflucht und der Begegnung: Die Überlebensstation Gulliver im Bahnbogen der Hohenzollernbrücke dient obdach- und wohnungslosen Menschen seit 25 Jahren als Ruhepol. Neben günstigen Speisen bietet die Einrichtung Duschräume und Toiletten, Handyaufladestationen, eine Kleiderkammer, Terminals für die Internetnutzung, Waschmaschinen, Trockner, einen Tagesschlafraum sowie Beschäftigungsprojekte für die Gäste in schwierigen Lebenslagen.
Ferner steht die Adresse des KALZ e. V. (Kölner Arbeitslosenzentrum) für eine permanente Galerie, die ihren Besucherinnen und Besuchern viermal im Jahr Kunstwerke präsentiert. „Der damalige Architekt Peter Busmann hat mich gefragt, ob ich hier Ausstellungen organisieren könnte. Er kommt selbst aus der Szene und wollte, dass ein besonderer Ort entsteht, an dem die Stadtgesellschaft partizipiert“, berichtet Kuratorin Elvira Reith.
Projekt gewinnt prominente Unterstützer – Erlöse helfen Gulliver-Angeboten
Die studierte Künstlerin hatte sich im Vorfeld der Eröffnung um das Sponsoring der Gulliver-Angebote gekümmert. Noch im selben Jahr kam es zur Premieren-Veranstaltung mit Arbeiten von Fotograf, Bildhauer, Maler und Zeichner Klaus Kampert (1953–2024). Reith gelang es in der Folgezeit, namhafte Repräsentanten aus der Bürgerschaft für die Unterstützung des Konzepts zu gewinnen, unter anderem Wolfgang Niedecken, Rosemarie Trockel und Theo Lambertin. Neben Spenden fließen dabei 20 Prozent der Ausstellungs-Erlöse in die Finanzierung der umfangreichen Hausangebote.
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Zur Jubiläumsausstellung zeigt die Einrichtung eine vielfältige Werkschau. Eigentlich wäre es bereits die 100. Ausstellung gewesen, doch die Corona-Pandemie hatte den Rhythmus unterbrochen. Gezeigt werden Grafiken von Hans Bönnighausen (1906–1988), der sich als „Vagabund“ und „Sucher nach Heimat“ bezeichnete, sowie eine sozialkritische Arbeit von Street-Art-Künstler Peter Mück. Daneben sind auch farbenreiche Werke zu sehen, etwa Helli Hechts Blütenwelten oder Roswitha Waechters Landschaftsidyllen.
„Man sagt ja, dass Kunst und Kultur die Seele zusammenhalten. Das kann ich hier bestätigen“, sagt Besucher Leo Büchner. Die Bilder trügen Licht in Wintertagen, findet der Schriftsteller und Kleindarsteller. Beim Blick auf Renate Petersens „Ballerina“ ergänzt er: „So, wie man Bücher mehrmals lesen kann, findet man auch in Malereien immer wieder neue Stellen.“ Auch Besucher Agris schätzt die Werke: „Ich würde mir das mit dem Kämpfer und dem Hund (Friedrich von Hülsens ‚Luchador‘, Anm. d. Verf.) sofort kaufen, wenn ich das Geld dafür hätte.“
Kunst und Kultur sind für alle da, auch für Menschen ohne festen Wohnsitz.
Elvira Reith beobachtet während ihres langjährigen Engagements nicht nur die Auswahl der Motive, sondern auch eine besorgniserregende Entwicklung: „Es werden immer mehr Menschen, die im Gulliver Hilfe suchen, darunter erschreckend viele Frauen und junge Leute.“ Die Einrichtung wolle ihnen zumindest für einige Stunden am Tag einen würdevollen Aufenthalt ermöglichen – auch durch die Kunst an den Wänden. „Kunst und Kultur sind für alle da, auch für Menschen ohne festen Wohnsitz“, sagt die Initiatorin.
„25 Jahre Kunst und Kultur im Gulliver“, Überlebensstation Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1 Hohenzollernbrücke, 50667 Köln. Mit Werken von Hans Bönnighausen, Claudia Budana, Peter Busmann, Clement Esangbedo, Jürgen Hebestreit, Helli Hecht, Betty Hellmich, Brigitte Hopfner-Mai, Astrid Kruis, Gerda Laufenberg, Michael Mohr, Peter Mück, Renate Petersen, Elvira Reith, Viola Stäglich, Friedrich von Hülsen, Roswitha Waechter. Ausstellung bis 19. April, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 8 bis 18 Uhr, Telefon: 0221 12 06 091, Eintritt frei. www.koelnerarbeitslosenzentrum.de

