Köln – Es war kein guter Start für die Expressbusse. Nicht, dass schon von Anfang an festgestanden hätte, die Linien 172 und 173 würden die an sie gestellte Erwartung nicht erfüllen. Ob sie tatsächlich die an ihrer Kapazitätsgrenze fahrende Stadtbahnlinie 1 entlang der Aachener Straße entlasten können, musste erst noch der Alltag erweisen. Es war deshalb kein guter Start zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019, weil neu eingeführte Buslinien so nicht starten sollten.
Keine Bedarfs- und keine Verkehrsanalyse. Stattdessen ein politischer Beschluss, im Eilverfahren umzusetzen. Und weil es sich um ein Politikum handelt, gab es auch von den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) bisher keine Fahrgastzahlen. Nicht vor einem Jahr. Das ist nun rum. Zeit also für eine Bilanz.
Keine Einigung im Stadtrat
Warum wegen der Expressbusse Verkehrsexperten zu Diplomaten werden: Die neuen Linien sind das Feigenblatt dafür, dass sich Grüne und CDU nicht auf eine Variante zum Ausbau der Stadtbahnlinie 1 einigen können. Die CDU will einen Tunnel, die Grünen wollen ihn nicht. Die Entscheidung steht aus. Das Verkehrsdezernat will in dem kommenden Monaten eine Planung für eine unterirdische und für eine oberirdische Ertüchtigung vorlegen. Und dann wird sich im neu gewählten Stadtrat voraussichtlich eine Mehrheit gegen den Tunnel aussprechen. Obwohl KVB-Chefin Stefanie Haaks die Röhre klar bevorzugt.
Zusätzliche Bahnen
Sechs weitere Hochflurstadtbahnen haben die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) bei Bombardier Transportation bestellt. Sie sollen die 20 Stadtbahnen ergänzen, die 2015 mit der Düsseldorfer Rheinbahn geordert wurden, die ersten beiden sind in Köln eingetroffen. „Die zusätzlichen Fahrzeuge sind notwendig, um angesichts der wachsenden Herausforderungen für den ÖPNV auf Dauer eine hohe Betriebsqualität aufrechterhalten zu können“, sagt ein KVB-Sprecher. Seit der Bestellung hat sich der Fahrzeugbedarf bei der KVB erhöht, zudem steht eine Vielzahl von Umbauarbeiten an Fahrzeugen an.
Aber wie hat sich nun das „ungeliebte Kind“ Expressbus in seinem ersten Jahr geschlagen? Gar nicht mal so schlecht wie befürchtet – so weit das Corona-Jahr überhaupt einen Schluss zulässt. „Die neuen Buslinien hatten sich in den ersten Monaten positiv entwickelt. Im Februar wurden täglich mehr als 1200 Fahrgäste auf der Linie 172 und mehr als 900 auf der 173 gezählt“, sagt KVB-Sprecher Matthias Pesch. Sein Urteil: „Das war zufriedenstellend.“ In Schulnoten wohl eine 3. Mit Potenzial, brauche doch eine Etablierung eines solchen neuen Angebots im Busfahrplan ein bis zwei Jahre.
Vergleiche mit anderen Buslinien seien schwer möglich, da die Expressbusse nur stündlich und nicht über den ganzen Tag verkehren würden. Entlang der Aachener Straße kommen sie auf 70 Fahrten pro Tag statt der üblichen 200.Dann kam der April. Das öffentliche Leben wurde aufgrund der Pandemie heruntergefahren. Die KVB fuhr an allen Tagen nach dem ausgedünnten Samstagsfahrplan. „Im Sommer hatten sich die Zahlen wieder etwas beruhigt, so dass wir vor dem erneuten Lockdown im gesamten Bus- und Stadtbahnbetrieb bei rund 60 Prozent der Nachfrage aus dem Februar lagen“, sagt Pesch.
