Sechs Festnahmen, 15 gefundene Schusswaffen und 17 Kilo Drogen: Die Polizei spricht nach einer Großrazzia am Donnerstag von einem erfolgreichen Einsatz.
Bei Razzia in NRWKölner Ermittler zerschlagen mutmaßlichen Waffen- und Drogenring
Präparierte Schusswaffen, gepresstes Kokain und ein Café in Köln-Mülheim als Zentrale: Kölner Ermittlern ist in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und dem Zoll am vergangenen Donnerstag ein Erfolg in den Ermittlungen im Bereich Organisierte Kriminalität gelungen.
Bei dem überregionalen Großeinsatz wurden insgesamt 18 Objekte in NRW und Rheinland-Pfalz durchsucht. Sechs Beschuldigte wurden von den Kölner Beamten festgenommen, zusammen mit Bundeskriminalamt und Behörden in Spanien sind es insgesamt zehn. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen insgesamt 16 Beschuldigte. Ihnen wird unter anderem der Handel mit illegalen Schusswaffen sowie gewerbs- und bandenmäßiger Handel mit Cannabis und Kokain in nicht geringer Menge vorgeworfen. Die festgenommenen Beschuldigten befinden sich aufgrund richterlicher Haftbefehle in Untersuchungshaft, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Sinan Șengöz, am Freitag im Kölner Polizeipräsidium mitteilte. Es bestehe Fluchtgefahr.
Waffen wurden offenbar illegal umgerüstet
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Kölner Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Köln am Freitagvormittag wurden auch die Funde der Razzia am Donnerstag präsentiert: Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler 15 halbautomatische Schusswaffen sicher, teils gefälschte Nachbauten des Modells Glock. Mehrere Waffen waren laut Kölner Kripo-Leiter Michael Esser illegal umgerüstet worden, um automatisch feuern zu können (sogenannte „Glock Switches“). Laut Esser können die Waffen so 17 Schuss in einer Sekunde abgeben. Diese „Totalfälschungen“ sollen in Werkstätten in der Türkei produziert und nach Deutschland geschmuggelt worden sein. „Wer so eine Schusswaffe in seinem Besitz hat, der hat sie, um Straftaten zu begehen“, sagt Michael Esser. „Für mich gibt es da keine andere Erklärung.“ Für rund 3000 Euro sollen die nicht-registrierten Waffen den Besitzer gewechselt haben.
Das mutmaßliche Netzwerk von Drogen- und Waffenhändlern soll zudem umfangreiche Rauschgiftgeschäfte mit Bezügen in die Niederlande und nach Spanien geführt haben. Der Vertrieb der illegalen Waren soll laut der Behörden unter anderem über türkische Cafés und Shisha-Bars im Großraum Köln erfolgt sein. Bei der Großrazzia am Donnerstag, bei denen vor allem im rechtsrheinischen Köln Objekte durchsucht wurden, konnten insgesamt 17 Kilo Kokain sichergestellt werden sowie 2800 Euro Falschgeld.
Wer so eine Schusswaffe in seinem Besitz hat, der hat sie, um Straftaten zu begehen. Für mich gibt es da keine andere Erklärung
Laut Kripo-Chef Esser sind in Köln seit Beginn 2025 vermehrt illegale Schusswaffen auf dem Markt. Ausgangspunkt für die Ermittlungen der EG (Ermittlungsgruppe) „Glock“ war ein Zufallsfund im Januar 2025, als Beamte in einer Wohnung zwölf totalgefälschte, halbautomatische Schusswaffen in einem Bettkasten fanden. Die Ermittlungen führten die Behörden unter anderem zu einem Café an der Berliner Straße in Mülheim. Dort soll sich laut Polizei der zentrale Treffpunkt und Verkaufsort der Gruppierung befunden haben. Weil dort auch illegale Glücksspielautomaten gefunden wurden, wurde das Café von der Stadt Köln geschlossen.
Weitere Objekte wurden in Erftstadt, Wipperfürth und Sinzig durchsucht. In Zusammenarbeit mit dem BKA und der Grupo Costa del Sol wurden auch insgesamt drei Männer in Spanien festgenommen. Es gebe Hinweise, dass einige der 16 Beschuldigten auch an Mordanschlägen beteiligt sein könnten, unter anderem in Schleswig-Holstein. Fast alle haben die türkische Staatsbürgerschaft.
Die bereits 21 Monate andauernden Ermittlungen gehen nun weiter: Unklar ist, ob die gefundenen Waffen mit in der Vergangenheit abgegebenen Schüssen auf Wohngebäude und Geschäfte zu tun haben. Die Schusswaffen werden jetzt beim Landeskriminalamt auf Spuren untersucht. Verbindungen zu verschiedenen Gruppierungen, unter anderem ins Rocker-Millieu oder der türkischen „Gen-Z‑Mafia“, werden derzeit ebenfalls geprüft. Sicher ist Esser aber, dass das sogenannte „Crime as a Service“, also quasi Straftaten auf Bestellung ausführen zu lassen, ein Geschäftsmodell sei, das stetig weiter wachse.
Der Kripo-Chef betonte zudem, dass man sich bewusst sei, dass das Informationsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger nach den Schussabgaben im Stadtgebiet hoch sei. Er sprach von einem „Spagat“, auch die Sorgen und Ängste der Menschen zu berücksichtigen. Die Zurückhaltung der Behörde sei jedoch zum Schutz der Bevölkerung erfolgt.
„Totalgefälschte Schusswaffen“
Sie sehen täuschend echt aus: Nachgebaute, sogenannte „totalgefälschte Schusswaffen“ tauchen zunehmend in Deutschland auf. Diese Schusswaffen werden außerhalb legaler Produktionsstrukturen illegal hergestellt, mutmaßlich in der Türkei. Auf den Besitz dieser Waffen wird nach dem Gesetz mit mindestens sechs Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft, auf den Besitz von zu automatischen Handfeuerwaffen präparierten Waffen steht eine Strafe von mindestens einem bis zu zehn Jahren Haft.
