Am Samstag findet die dritte Veranstaltung mit 3000 Zuschauern in der „XPost“ am Gladbacher Wall statt. Langfristiges Ziel ist die Lanxess-Arena.
„German Boxing Series“Zwei Kölner wollen dem Profi-Boxsport wieder zu Ruhm und Ehre verhelfen

Faire Kämpfe , bei denen der Sport im Mittelpunkt steht, verspricht die German Boxing Series.
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Jens Kröger hat einen Traum: 15.000 Zuschauer in der Lanxess Arena. Ohrenbetäubender Jubel. Und in der Mitte steht ein Boxring. Er will dem Boxsport eine große Bühne bereiten. Nur dem Boxsport. Was sonst so oft mit diesem Sport in Verbindung gebracht wird – Rotlichtmilieu, illegale Absprachen – soll in den Hintergrund treten. Und Kröger scheint auf einem guten Weg zu sein, seinen Traum zu verwirklichen. Vor rund anderthalb Jahren rief der Kölner zusammen mit seinem Kompagnon Roman Lammersdorf die „German Boxing Series“ ins Leben. Zwei Veranstaltungen im Jahr sind die Marschroute. Am Samstag (15. November) findet die dritte statt. 3000 Zuschauer in der „XPost“ am Gladbacher Wall. „Bei der zehnten wollen wir in der Arena sein“, gibt sich der Boxenthusiast kämpferisch.
Jens Kröger hat selbst geboxt, er kämpfte als Amateur. „Heute ist der Sport für mich nur noch Hobby“, sagt er. Das „nur“ muss dabei relativiert werden. Er brennt für das Konzept: ein Ring, zwei Kämpfer, vier Fäuste. Und darum tut es ihm auch in der Seele weh, was aus dem Sport geworden ist. „Boxen ist heute tot in Deutschland“, stößt es ihm bitter auf. Dass die Branche daran ein gerütteltes Maß Eigenschuld hat, räumt er gern ein. Der Sport zog seit jeher ein zwielichtiges Milieu an, wie Licht die Motten. Unübersichtliche Verbandsstrukturen, mafiöse Strukturen, und Schiebung bei den Kämpfen waren die Folge. „Ich habe viele Kämpfe gesehen und war oft enttäuscht“, berichtet Kröger. Und in der Bundesrepublik verstand es nach Gentlemen-Boxer Henry Maske auch keiner mehr so recht, die Massen für das Spektakel im Ring zu begeistern.

Jens Kröger hat die German Boxing Series zusammen mit einem Kompagnon ins Leben gerufen.
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Genagt hat das an Kröger immer schon. Es schmerzte ihn, dass die Faszination für diesen Sport nicht mehr durchdringt. „Allein den Mut, den es braucht, in den Ring zu steigen. Nachdem man durch die Seile gegangen ist, gibt es keine Ausreden mehr. Und es braucht Taktik, will man den Sieg erringen. Boxen formt nicht nur den Körper, sondern auch den Charakter“, bricht sich seine Begeisterung Bahn. Dabei hat der Kampfsport in Deutschland Potenzial. Während Boxen auf dem Boden liegt, feiern Mixed-Martial-Arts (MMA) Erfolge. Kröger will nicht den Stab über diese weitaus brutalere Weise des Zweikampfs brechen. Aber: „Beim Boxen ist Schluss, wenn einer auf dem Boden liegt, bei MMA geht es da erst so richtig los.“ Das ist nicht sein Verständnis davon, wie zwei „Gentlemen“ ihre Kräfte messen sollten. Es wäre für ihn sicherlich leichter und lukrativer gewesen, bei MMA als Veranstalter seinen Weg zu suchen. Aber es geht ihm und seinem Kompagnon nun mal ums Boxen.
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Veranstaltungsreihe ist vom „Bund Deutscher Berufsboxer“ anerkannt
Und es gab eine Initialzündung für seine „German Boxing Series“. „Ein guter Freund von uns sollte um die Deutsche Meisterschaft boxen“, berichtet Kröger. Doch es habe kein öffentliches Interesse gegeben. Und die Gefahr, dass ihr Freund am Ende vielleicht in einem Rahmen den Kampf austrägt, der der Würde des Sports und des Titels nicht gerecht wird, wollten beide verhindern. Sie gründen die „German Boxing Series“. Die Boxsport-Veranstaltungsreihe ist vom „Bund Deutscher Berufsboxer“ anerkannt.

Gregor Seoenius wird bei der dritten Auflage der Germen Boxing Series in der XPost dabei sein.
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„Wir haben uns ein eigenes Bühnensystem bauen lassen“, sagt Kröger, der in seinem Berufsleben eine Marketing-Agentur betreibt. Allein das Bühnensystem habe einen fünfstelligen Betrag gekostet. „Uns war klar, dass wir anfangs nicht mit einem Gewinn aus den Veranstaltungen gehen. Wir wollen einfach den Boxsport voranbringen.“ Die „Series“ organisiert die Kämpfe „nur“. „Wir haben keine eigenen Kämpfer“, betont Kröger. So kann auch gar nicht erst der Verdacht aufkommen, er und sein Kompagnon haben monetäre Eigeninteressen bei den Kämpfen. Bei ihnen müssen die Boxer auch nicht dafür bezahlen, einen Kampf kämpfen zu dürfen – wie es bei anderen Boxveranstaltungen schon mal üblich ist. „Wir zahlen den Boxern eine Gage“, berichtet Kröger. „Allerdings kommen uns einige entgegen und verzichten auf die Gage, weil sie anerkennen, dass es uns um den Sport geht.
„German Boxing Series“ startet am Samstag in Köln
Was ihnen anfangs mehr Sorgen machte als das Geld, war: „Wie bekommen wir die Menschen begeistert“. Die Sorge ist mittlerweile gemildert. Am Samstag, 15. November, um 16.30 Uhr startet die dritte Runde der „German Boxing Series“ – und es gibt einen stetigen Zulauf an Zuschauern zu verzeichnen. Bei der ersten Veranstaltung kamen rund 1400 Boxinteressierte, bei der zweiten waren es schon 2400. Nun, in der „XPost“, werden es 3000 sein. Die Karten für das Sportereignis kosten zwischen 59 und 299 Euro.
299 Euro? Kröger gibt bei diesem Preis zu bedenken, dass es sich dabei um VIP-Karten handle, mit exklusiven Essen und Getränken sowie Zugang zu einem VIP-Bereich. Gedanken darüber, ob ihm eine Boxveranstaltungen ein solches Eintrittsgeld wert ist, muss sich eh keiner mehr machen. „Die VIP-Karten sind ausverkauft“, sagt Kröger nicht ohne Stolz. Es gibt nur noch ein paar Restkarten in den niedrigeren Preiskategorien. So soll es nach Krögers Vorstellung weiter gehen: mehr Zuschauer, mehr faire und gute Kämpfe, mehr Begeisterung für den Sport. Dass er und sein Sparringspartner auf halber Strecke zur Arena noch das Handtuch werfen müssen, kann er sich nicht mehr vorstellen. „Wir sind nicht die Typen für halbe Sachen“, bricht sein Kampfgeist durch.
