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HerzzentrumSchwere Vorwürfe gegen Ärzte

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Das Kölner Herzzentrum.

Köln – Für ihre „hervorragenden Forschungsleistungen“ auf dem Gebiet der Kardiologie hatte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) der Kölner Herzspezialistin erst vor wenigen Monaten den „Paul-Morawitz-Preis“ verliehen. Die langjährige Leitende Oberärztin am Herzzentrum der Uniklinik habe, so die Laudatio, „zur Sichtbarkeit und zum Ansehen der deutschen Kardiologie in Europa beigetragen“. Jetzt allerdings muss die international bekannte Professorin um Ruf und Karriere bangen.

Der Expertin für Herz-Rhythmus-Störungen und Herzinsuffizienz, mittlerweile Kardiologie-Chefärztin an der Uniklinik Salzburg, wird vorgeworfen, mit einem Kardiologen aus ihrer Kölner Arbeitsgruppe wissenschaftliche Daten manipuliert zu haben.

Der Mitarbeiter habe dazu bereits ein schriftliches Geständnis abgelegt, so eine Sprecherin der Uniklinik Salzburg. Das Dienstverhältnis mit ihm sei im Oktober „im gegenseitigen Einverständnis“ aufgelöst worden. Der Kölner Kardiologe war Mitautor in zwei der von den Vorwürfen betroffenen Publikationen.

Konkret geht es in den Fachveröffentlichungen um Messungen an tierischen Herzmuskelzellen im Rahmen der Erforschung und Behandlung von Rhythmus-Störungen. Dabei wurden Messungen an verschiedenen Herzmuskelzellen unter Medikamenteneinwirkung vorgenommen, zum Vergleich der Ergebnisse aber immer dieselben Messkurven ohne Medikamentengabe verwendet – eine zwar zeitsparende, aber wissenschaftlich unhaltbare, verfälschende Vorgehensweise.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat gegen die Kardiologin und ihren Mitarbeiter daher ein Untersuchungsverfahren eröffnet. Die Vorwürfe beträfen fünf Publikationen sowie ein zur Veröffentlichung eingereichtes Manuskript, so ein DFG-Sprecher. Die Publikationen sind zwischen 2004 und 2012 in zwei internationalen Fachjournalen erschienen. Die DFG hatte die den Beiträgen zu Grunde liegenden Untersuchungen finanziell gefördert.

Auch an der Universität Köln ist die „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ mit der Untersuchung der Datenfälschung befasst. Alle Autoren der Publikationen, darunter vier weitere Ärzte aus dem Herzzentrum, sind aufgefordert, sich zu erklären. Inwieweit die renommierte Kardiologin Kenntnis von den manipulierten Messkurven hatte, wird dabei Gegenstand der Untersuchungen sein.

Er gehe davon aus, dass die Uni eng mit der DFG zusammenarbeite, so der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Edgar Schömig. Wann Ergebnisse vorliegen, sei noch nicht absehbar. Der frühere Kardiologie-Chef im Herzzentrum, Professor Dr. Erland Erdmann, sprach von einer „Katastrophe“. Wenn die Vorwürfe zuträfen und die DFG allein schon eine schriftliche Rüge erteilen würde, hätte das enorme Auswirkungen auf die akademische Karriere der Ärzte. Die Chefärztin hat unterdessen angekündigt, sämtliche wissenschaftlichen Daten der letzten zehn Jahre von Uni und DFG überprüfen zu lassen.