Jutta Arens spricht im Interview über die Hilfe, die schwangere Frauen in der JVA Köln bekommen.
JVA KölnDas brauchen schwangere Frauen im Gefängnis

Jutta Arens ist die Leiterin der Straffälligenhilfe des SkF Köln und hat selber 25 Jahre inhaftierte Frauen beraten.
Copyright: Maria Schulz/SkF Köln
Das Team der Straffälligenhilfe des SkF kümmert sich unter anderem um schwangere Frauen, die in der JVA in Ossendorf ihre Haftstraße verbüßen. Die Leiterin der Straffälligenhilfe, Jutta Arens, hat selber 25 Jahre inhaftierte Frauen beraten. Henriette Sohns hat mit ihr gesprochen.
Wie viele schwangere Inhaftierte gibt es in Köln?
In der JVA Köln haben wir im vergangenen Jahr acht schwangere Frauen beraten, es gibt aber auch immer ein paar wenige, die keine Betreuung in der Schwangerschaft wollen. Richterinnen und Richter haben aber ein großes Interesse daran, dass Frauen eine Haftunterbrechung bekommen oder noch vor der Geburt entlassen werden, zum Beispiel in eine Mutter-Kind-Einrichtung.
Was sind die Gründe dafür, dass eine Geburt doch während der Haftzeit stattfindet?
Zum Beispiel, wenn die Mütter eine hohe Haftstrafe für besonders schwere Straftaten verbüßen, auf die es keine Bewährung gibt. Nach der Geburt werden Mutter und Kind getrennt. Das ist natürlich ein einschneidendes, belastendes Erlebnis. 2025 gab es bei uns drei Geburten von inhaftierten Frauen.
Ihr Team besucht die Frauen einmal pro Woche. Was brauchen die Schwangeren, die sie betreuen?
Jede Frau, die ein Kind erwartet, braucht eine Vertrauensperson. Um Sorgen zu teilen, aber auch Freude. Wir hören zu und geben Zuversicht. Bei einer Trennung nach der Geburt versuchen wir Besuchskontakte herzustellen. Wenn die Frauen trauern, gehe ich mit ihnen auch schon mal in die Gefängniskapelle, um eine Kerze für das Baby anzuzünden. In der Schwangerschaft helfen wir ganz praktisch: mit Schwangerschaftskleidung und Büchern, zum Beispiel über die Entwicklung des Babys oder die Wahl des Vornamens.
Was muss in der Versorgung von schwangeren Inhaftierten noch verbessert werden?
Ich würde mir eine bessere medizinische Versorgung wünschen. Draußen kann jede Frau bei Sorgen oder Beschwerden direkt zu ihrer Frauenärztin gehen. In der JVA muss erst ein Antrag gestellt werden, alleine bis der bearbeitet ist, dauert es manchmal zwei Tage. Und dann kommt die Ärztin immer erst zu ihrer Sprechstunde in die JVA rein, wenn genügend Patientinnen angemeldet sind. In dieser Hinsicht wünsche ich mir einen empathischeren Umgang mit den Schwangeren, auch vom männlichen medizinischen Personal.

