Das Museum Selma wird nicht am vorgesehenen Standort auf dem Gelände der ehemaligen Hallen Kalk entstehen. Aber es gibt eine Alterative.
Rat entscheidet über neuen StandortMigrationsmuseum wird nicht in Köln-Kalk entstehen

In der Industriehalle 70 auf dem ehemaligen Gelände von Klöckner-Humboldt-Deutz sollte das Museum Selma eigentlich entstehen.
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Der Bau des ersten Migrationsmuseums in Deutschland ist in Kalk nicht mit dem zur Verfügung stehenden Baubudget zu realisieren. Als Möglichkeit, das Museumsprojekt noch zu verwirklichen, komme eine Ansiedlung im „Kulturzentrum am Neumarkt“ (KAN) in Frage, so eine Mitteilung des Trägers DOMiD, der dazu bereits erste Abstimmungsgespräche mit der Stadt Köln, dem Land NRW und dem Bund geführt hat.
In der Ratssitzung am kommenden Donnerstag, 19. März, wird die Stadtverwaltung einen Prüfauftrag zur Beschlussfassung vorlegen. Damit könnten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) die Planungen für das Museum an diesem Standort aufnehmen kann. Die Zeit drängt: Zum Jahresende drohen die Bundesmittel und damit auch der daran gekoppelte Landesanteil für das Museum Selma Höhe von insgesamt 40 Millionen Eurozu verfallen. Derzeit wird das Kulturzentrum am Neumarkt vom Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM), dem Museum Schnütgen, dem Museumsdienst und der Kölner Volkshochschule genutzt.
Die Ratsvorlage sieht vor, dem Museum Selma den 1350 Quadratmeter großen Bereich, in dem derzeit Sonderausstellungen des RJM wie die gerade beendete große Ausstellung „Amazônia“- von Sebastiao Salgado gezeigt werden, als Ausstellungsfläche zur Nutzung zu überlassen. Dazu sollen ihm 350 Quadratmeter Fläche für Bildungsarbeit sowie ein Multifunktionsraum zur Verfügung stehen. In der Halle in Kalk auf dem Gelände der ehemaligen Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke war eine 2600 Quadratmeter große Ausstellungsfläche geplant. Dort sollten „unter einem Dach“ auch ein Areal für das umfangreiche DOMiD -Archiv sowie Büro- und Veranstaltungsräume entstehen.
Unser Team hat sich über Monate damit auseinandergesetzt, wie wir unseren Standort halten können. Sich davon endgültig zu verabschieden, war ein Trauerprozess.
„Unser Team hat sich über Monate damit auseinandergesetzt, wie wir unseren Standort halten können. Sich davon endgültig zu verabschieden, war ein Trauerprozess“, sagte DOMiD-Sprecher Timo Glatz. „Die Halle 70 ist ein beeindruckender Ort und ein wichtiger Teil der deutschen Migrationsgeschichte.“ In den 1960er und 70er Jahren hatten dort fast ausschließlich „Gastarbeiter“ aus Jugoslawien, Griechenland und der Türkei gearbeitet, von denen viele geblieben sind und die Kölner Stadtgeschichte mitgeschrieben haben.

Für vielfältige Nutzung geplant: die Halle 70.
Copyright: Visualisierung: Atelier Brückner
„Schwer gefallen ist uns die Entscheidung auch, weil uns die Menschen in Kalk ans Herz gewachsen sind“, so Fuchs weiter. „Wir wollten dort zusammen mit den Initiativen im Osthof Kalk ein Areal schaffen, das den Stadtteil bereichert und von allen Menschen dort in vielfältiger Weise genutzt werden kann.“
Die zu erwartenden Kosten waren deshalb deutlich höher als geplant, weil der Sanierungsgrad der über 100 Jahre alten Industriehalle höher als geplant war. Hinzu komme, dass die Baupreise in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren laut Statistischem Bundesamt um 50 Prozent gestiegen seien, so die Mitteilung von DOMiD. Von den 44 Millionen Euro, die Bund und Land zur Verfügung stellen wurden in den Leistungsphasen I bis III bisher vier Millionen Euro für die Planungen in Kalk verbraucht.
„Wir müssen jetzt ein Konzept entwickeln, wie wir auf kleinerer Fläche vermitteln, was uns wichtig ist“, sagte Robert Fuchs. Wer die Gestaltung der neuen Räume übernehmen wird, ist noch offen. Das Atelier Brückner hatte im Jahr 2010 bereits die Ausstellungsgestaltung für das RJM konzipiert. „Mit diesem haben wir sehr erfolgreich zusammengearbeitet“, so Timo Glatz. „Aber für die neuen Räume steht die vergaberechtliche Prüfung noch aus.“ Der Stadt Köln entstünden durch ein positives Ratsvotum zum Planungsbeschluss keine finanziellen Verpflichtungen.
Wir freuen uns auf den konstruktiven Austausch mit den bestehenden Nutzern. Uns verbindet der Ansatz der Transnationalität und Interkulturalität.
Für die Realisierung des Museum Selma stehe dem Projektträger DOMiD jetzt noch Investitionsmittel von Bund und Land in Höhe von rund 40 Millionen Euro zur Verfügung. Voraussetzung ist die rechtzeitige Einreichung eines prüffähigen Antrages. Der langfristige Betrieb des Museums Selma ist durch Fördermittel des Landes NRW sowie durch Eigeneinnahmen gesichert. Der Träger DOMiD würde die Flächen von der Stadt mieten; dazu soll die Verwaltung eine langjährige Nutzungsvereinbarung erarbeiten. Gemeinsam genutzt werden könnten im Kulturzentum die Bibliothek mit Lesesaal, eine weitere Ausstellungsfläche, ein Veranstaltungsraum sowie die Basis-Infrastruktur mit Foyer, Shop, Bistro, Garderobe und Werkstatt.
„Wir freuen uns auf den konstruktiven Austausch mit den bestehenden Nutzern. Uns verbindet der Ansatz der Transnationalität und Interkulturalität“, sagte Robert Fuchs, der sich perspektivisch auch gemeinsame Ausstellungen mit dem RJM vorstellen könnte. „Wir sind in sehr froh darüber, dass wir die Chance bekommen, das Thema Migrationsgesellschaft ins Zentrum der Stadt zu rücken“, so Fuchs weiter. „In einem „Drei-Museen-Haus, mit direkter Nachbarschaft zur Volkshochschule und der sanierten Stadtbibliothek steckt ein ungeheures Potenzial für die Zukunft.“
