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„Wie im Film“Wie die Band Druckluft den Hype um die „Karnevalsmaus“ erlebt

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Er ist 'ne Karnevalsmaus: Frontmann Florian Hertel bei einem Auftritt in der Stadthalle.

Er ist 'ne Karnevalsmaus: Frontmann Florian Hertel bei einem Auftritt in der Stadthalle.

Überall, wo die Bonner Band auftritt, herrscht Ekstase. Für Druckluft ist die Rekord-Session mit 160 Auftritten der Start in ein arbeitsreiches Jahr.

16 lange Jahre hat es gedauert, bis der große Traum endlich in Erfüllung ging. 16 Jahre lang sind die Musikerinnen und Musiker von Druckluft unzählige Male aus ihrer Heimat Bonn-Beuel zu Auftritten nach Köln gefahren. Nicht selten führte der Weg an der Lanxess-Arena vorbei. „Wir wollten da unbedingt spielen“, erinnert sich Frontmann und Posaunist Florian Hertel. Doch der Wunsch blieb ihm jahrelang verwehrt. Mittlerweile gehört Druckluft schon fast zu den Arena-Stammgästen, als Teil der „Lachenden Kölnarena“ fährt der Druckluft-Bus nun nicht mehr nur vorbei, sondern regelmäßig mitten rein ins jecke Epizentrum. „Dort auf der Bühne zu stehen“, sagt Hertel, „dass fühlt sich einfach surreal an. Wie im Film.“

„Karnevalsmaus“: Ein Lied über den Prototypen des Feiernden

Wie im Film, so fühlt es sich für die zehnköpfige Brass-Band derzeit nicht nur in der Arena an. Das Gefühl ist vielmehr zum Dauerzustand geworden. Das hat die Formation vor allem einem kleinen Geschöpf zu verdanken, das im vergangenen Jahr das Licht der Welt erblickt hat: die „Karnevalsmaus“. Der Song über den Prototypen des Karneval-Feiernden, der jedes kölsche Lied kennt, und immer da ist, wo die Party ist, ist schon jetzt der Song der Session. Saalkappellen haben den Titel längst in ihr Repertoire übernommen, die Karnevalsmaus ist schon jetzt das Kostüm der Session, alles andere als ein Triumph des Songs bei der Mitsing-Tour von „Loss mer singe“ wäre eine dicke Überraschung. „Überall wo wir hinkommen, sind die Leute ultra heiß auf den Song. Das kannten wir bisher so nicht“, sagt der 29-jährige Hertel. Und Trompeter Jonas Frevel ergänzt das vielleicht noch Beeindruckendere: „Ohne, dass wir es geplant haben, ist es uns gelungen, mit dem Song alle Generationen abzuholen.“

Die Anfangszeiten: Zu Beginn ihrer musikalischen Laufbahn spielte die Band in bunten Röcken.

Die Anfangszeiten: Zu Beginn ihrer musikalischen Laufbahn spielte die Band in bunten Röcken.

Newcomer sind Druckluft aber längst nicht mehr. Die Band entstand 2009, übrigens an der Schule, an der sich auch Querbeat formierte. Bunte Röcke wichen irgendwann bunten Anzügen, der musikalische Fokus lag aber lange Zeit noch auf instrumentalen Cover-Songs. Die sind auch heute noch Bestandteil der Shows, erst nach der Pandemie griff Florian Hertel zum Mikrofon. Die Sessionstitel „Immer Widder“ und „Disko-Akrobat“ ließen in den vergangenen beiden Jahren bereits erahnen, dass diese Entscheidung goldrichtig war. Die Anfragen wurden mehr, doch der absolute Durchbruch blieb noch aus. Auch das hat sich nun geändert.

Druckluft-Hit: Mo-Torres steuerte die Strophen der „Karnevalsmaus“ bei

Der Begriff der Karnevalsmaus sei Hertel bereits vor zwei Jahren gekommen, der Refrain fiel im schließlich im Auto ein. Er verschickte Demos an befreundete Musiker, Mo-Torres steuerte die Strophen bei, Live-Premiere feierte der Song im Juni beim Egerländer-Festival im Tanzbrunnen. „Dann nahm das Ganze völlig überraschend Fahrt auf“, erinnert sich Hertel. Bei einem Open-Air in Viersen ergänzte die Band den Song um den simplen Mitmach-Teil, in dessen Zentrum die wackelnden Mause-Ohren stehen. Schon bevor der Song veröffentlicht wurde, verbreitete sich das Video davon wie ein Lauffeuer, unzählige Tanzgruppen griffen den Tanz in eigenen Videos auf. „Eigentlich war die Karnevalsmaus mal als Sommer-Song geplant“, sagt Hertel. Doch der Hype hielt bis zur Sessionseröffnung am Elften Elften und hat bis heute immer größere Dimensionen angenommen.

Da waren die Anzüge noch bunt: Druckluft bei einem Auftritt im September 2024 in der Philharmonie.Thomas Banneyer

Da waren die Anzüge noch bunt: Druckluft bei einem Auftritt im September 2024 in der Philharmonie.Thomas Banneyer

Plötzlich stand Druckluft beim „Silvester-Schlagerboom“ von Florian Silbereisen auf der Bühne, über 4,5  Millionen Menschen sahen im TV zu. „Das war ein verrückter Trip“, lacht Hertel. „Da ziehst du dir im Backstage einen Kaffee und plötzlich steht Roland Kaiser neben dir.“ Wenige Tage später der nächste Ritterschlag. Beim Auftritt bei der  Prinzenproklamation im Gürzenich lieferte sich die Brass-Formation erst einen musikalischen Schlagabtausch mit dem Saal-Orchester und brachte dann selbst den Oberbürgermeister mit der Karnevalsmaus zum Tanzen.

Keine Probleme mit dem Fluch des Hits

Über 160 Auftritte standen und stehen in dieser Session auf dem Plan: ein neuer Rekord. Sind diese an Aschermittwoch absolviert, geht es arbeitsreich weiter. Am 26. Juni steht das erste eigene Open-Air im Waldbad Dünnwald an, davor und danach zahlreiche Festivals, für Ende des Jahres ist ein Album geplant. „Es wird richtig heftig“, sagt Hertel. Die Erwartungen und der Druck, nach der „Karnevalsmaus“ nachzulegen, werden steigen, das ist der Fluch eines Hits im Karneval. Nicht schlimm, findet Hertel. „Ich nehme jeden Druck der Welt, wenn es so einer ist.“