Kebekus und Niedecken im Interview„Es geht mit Arsch huh um sehr viel“

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Niedecken und Kebekus 3

Carolin Kebekus und Wolfgang Niedecken vor der Severinstorburg 

Köln – Vor 30 Jahren kamen  rund 100 000 Menschen zum Arsch-huh-Konzert auf den Chlodwigplatz. Die Rundschau hat BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (71) und Comedian Carolin Kebekus (42) an der Severinstorburg zum Gespräch gebeten.  Es ist Markttag in der Südstadt, beide haben viel zu erzählen vor der Kundgebung in der Arena am kommenden Donnerstag, 10. November. Jens Meifert führte das Gespräch.

Vor 30 Jahren waren BAP schon sehr erfolgreich, Carolin Kebekus war ein zwölf Jahre altes Mädchen. Haben Sie Erinnerungen an das Konzert?

Kebekus: Ja, ich erinnere mich an die Bilder und auch daran, dass meine Eltern und ihre Freunde hin und weg waren, von dem, was da passiert ist. Das war ein Gefühl, das sich noch Tage durch die Stadt getragen hat. Für mich war damit klar: Künstler, die haben einen Auftrag, die benutzen ihre Stimme für was Wichtiges. Das ist für mich geblieben. Wenn man viele Menschen erreicht, dass man auch eine Verantwortung hat für das, was man sagt und wofür man steht.

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Sie waren noch Schulkind.

Kebekus: Klar, wahrscheinlich war ich vorpubertär unterwegs, aber was da in Rostock-Lichtenhagen passierte, die rechtsradikalen Anschläge, das war bei uns zuhause Thema und auch in der Schule. Man interessierte sich für die deutsche Geschichte. Was Oma und Opa eigentlich während der Kriegszeit gemacht haben. Niedecken: Dieser Grundstimmung konnte keiner entkommen. Ich habe den Text zu „Arsch huh“ aus dem eigenen Erleben geschrieben, die Geschichte war hier in der Bäckerei gegenüber passiert. Da kommt der Blaumann rein und erzählt Mist, und ich hatte nicht die Courage, dem in dem Moment etwas entgegenzuhalten. Hinterher habe ich mich darüber geärgert, und deshalb konnte ich so schnell den Text schreiben, weil ich das kurz vor den Konzertplänen erlebt hatte. Es war eine Zeit, in der das rechte Gesocks plötzlich sehr nah kam. Wir dachten: Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen.

Es ging darum, die Stimme zu erheben, etwas entgegenzusetzen. Hatten Sie diesen Zuspruch erwartet?

Niedecken: Als kölsche Musiker wussten wir erst gar nicht, was wir machen sollten, nur, dass wir was machen mussten. Dann war die Konzert-Idee da. Weil ich hier aufgewachsen bin, habe ich den sehr zentralen Chlodwigplatz vorgeschlagen, damit die ganze Stadt es auch mitbekommt. Die Polizei wollte uns übrigens auf die Deutzer Brachfläche schicken, auf der heute die Arena steht.

Da kommt Ihr nun 30 Jahre später hin...

Niedecken: ... ja, aber überdacht (lacht). Es war damals hier unten, auf dem Chlodwigplatz, genau richtig. Aber wir hatten kein Sicherheitskonzept und nichts, es war ein großes Glück, dass nichts passiert ist.

Jetzt springen wir drei Jahrzehnte vor. Es gibt den Krieg mit all seinen dramatischen Auswirkungen, es ist ein Krieg mitten in Europa viele Menschen wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Sind die Zeiten vergleichbar?

Niedecken: Nein, es ist nicht zu vergleichen. Was jetzt passiert; ist zwei, drei Stufen schlimmer. Es gibt mittlerweile eine faschistische Regierung in Italien, Orban in Ungarn, die PIS in Polen, und in Frankreich war es knapp. Kebekus: Und es hat sich eine Faktenfeindlichkeit breit gemacht. Es geht oft nicht mehr um die Sache, sondern darum, gegen etwas zu sein, die eigene Ansicht durchzuboxen. Mir scheint, man ist auch nicht mehr bereit, eine andere Meinung zu akzeptieren. Jeder bewegt sich in seiner eigenen Blase, und bleibt da auch. Deswegen finde ich es gut, dass wir mit „Arsch huh“ nun sehr breit aufgestellt sind und Künstler dabei sind, die aus verschiedenen Ecken mit eben auch anderen Zielgruppen kommen. Das gibt eine andere Strahlkraft. Niedecken: Am Anfang waren nur kölsch singende Bands dabei, teilweise sogar aus dem Karneval, es war ja die Hochphase des Kölschrock. Wir waren mit BAP überregional gut dabei, aber mit diesem Selbstverständnis nach außen zu treten, mit der kölschen Sprache, das war etwas sehr Besonderes. Kebekus: Als Kind war das übrigens nochmal anders. Ich habe ja gar keinen Unterschied gesehen zwischen Tommy Engel, Wolfgang Niedecken und Freddy Mercury. Für mich waren die alle weltberühmt. Niedecken: (lacht) In Kölle sind wir weltberühmt.

Kebekus: Das war die Musik, die mein Vater gehört hat. Und wenn der Parkett verlegt hat, haben die diese Musik angemacht. Und die Schnäuzer waren auch nicht so anders. Nein, im Ernst: Es war wirklich cool. Wir haben mit 16 auf Partys „Arsch huh“ gehört und haben uns total damit identifiziert. Wir stehen in Köln für eine offene Gesellschaft, das galt und gilt. Außerdem wird es natürlich so sein, dass immer mehr Leute zu uns kommen wollen. In unser reiches Europa. Wir haben doch nicht das Recht, weil wir zufällig hier geboren sind, uns zu verrammeln. Das wird nicht funktionieren.

Niedecken: Die grundlegenden Entscheidungen werden immer weiter aufgeschoben. Wie in der Klimakrise, wo es fast schon zu spät ist. Kebekus: Es ist ja nicht so, dass nicht auch hier etwas passiert wäre. Wir hatten die NSU-Anschläge, auch auf der Keupstraße. Überall gibt es rechte Tendenzen. Es wird in der aktuellen Lage definitiv einfacher für rechte Gruppen, Leute abzuholen. Wir müssen Ängste abbauen oder zumindest aufklären und sagen, wo wir stehen.

„Wachsam bleiben!“ ist der Untertitel der Kundgebung. Das ist eine Mahnung.

Niedecken: Das gilt und zwar für jeden selbst. Wir leben alle in unserer Blase und sind uns schön einig. Aber oft kriegt man gar nicht mit, was um einen herum passiert. Ich bin Nachrichtenjunkie, ich versuche immer, alles aufzusaugen, aber dennoch bin ich manchmal erstaunt, was mir entgeht, was ich nicht auf dem Schirm hatte, welche Ansichten, Probleme, die ich gar nicht kannte. Kebekus: Absolut. Wenn Du in Köln lebst, kannst Du immer schnell gegen das Auto sein, für das Klima und so weiter. Aber schon wenn ich mit meinen Freunden auf dem Land spreche, komme ich ins Überlegen. Weil die nicht so einfach drauf verzichten können, klar, wie sollen die sonst irgendwohin kommen. Da sieht die Welt schon ganz anders aus. Niedecken: Man muss flexibel bleiben im Kopf und sich immer auch andere Meinungen anhören. Das ist natürlich anstrengend. Als Normalbürger kommst du abends oft fix und fertig nach Hause und willst mit nix mehr was zu tun haben. Aber das geht leider nicht.

Die Debatten finden heute im Netz statt. Oft voller Hass. Frau Kebekus, das kennen Sie, oder?

Kebekus: Natürlich. Da merkt man, wie Hass wachsen kann, wenn er geschürt wird. Das ist beängstigend. Ich kann nur raten, immer wieder zuzuhören. Als wir 2020 die Sendung zu Black Lives Matter gemacht haben, da habe ich nur gedacht, wie schlimm das ist, dass immer noch so viele Menschen rassistischen Beleidigungen und Übergriffen ausgesetzt sind – jeden Tag! Und dass sie das nur erleben, weil die Hautfarbe eine andere ist. Was die im Alltag alles mitmachen: im Amt, in der Bahn, mit Kindern. Ich glaube, dass man sein eigenes Bild immer wieder öffnen muss. Weil man die eigenen Privilegien gar nicht so wahrnimmt.

Ist es heute schwerer als vor 30 Jahren eine gemeinsame Position zu formulieren?

Niedecken: Schwer zu sagen. Wir haben damals ja nicht mit diesem Riesenzuspruch gerechnet. Aber es war wohl doch so, dass man drauf gewartet hatte, sich zu vereinigen. Ich glaube aber, dass es auch heute ein großes Bedürfnis gibt, Solidarität zu zeigen.

Ist nicht heute die größte Aufgabe, dafür zu kämpfen, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinander geht? Angesichts der Inflation, der Angst vor dem sozialen Absturz?

Kebekus: Total.Das wird das Riesenthema der nächsten Jahre. Die Energiekrise stellt eine enorme Bedrohung dar. Ich kenne viele in meinem Freundeskreis, die sagen: Mein Gott, ich gehe oft mit ganz schlechten Gedanken ins Bett. Und dann sagte mir jemand kürzlich: Stimmt, das ist alles ganz schlimm. Aber wir haben immer noch eine Stimme. Die können wir erheben, wir sind nicht machtlos. Das fand ich einen schönen Trost. Niedecken: Als Künstler kannst Du dich definieren. Du kannst zu deiner Kunst verarbeiten, was dich umtreibt. Darüber bin ich sehr froh. Und ich kann auf der Bühne versuchen, diese Gedanken durch das Nadelöhr zu bringen, so dass andere auch darüber nachdenken. Das gelingt hoffentlich hin und wieder. Aber ich will niemanden bevormunden, ganz wichtig. Das fand ich immer problematisch bei einer gewissen Art von Politrock.

Einfache Lösungen gibt es ohnehin nicht.

Niedecken: Nein. Ich beneide keinen unserer Politiker, die derzeit am Ruder sind. Ich weiß auch nicht, wie dieser Krieg zu beenden ist. Da ist eine gewisse Ratlosigkeit dabei, ganz klar. Mit dem Hippie-Pazifismus von früher kommt man heute nicht mehr weiter. Kebekus: Ich habe nichts Vergleichbares erlebt. In meiner Jugend der Golfkrieg, der war relativ weit weg. Dann der 11. September, ein globaler Schock, aber mir war noch nie so bewusst wie jetzt, in welcher gut geordneten Gesellschaft wir leben, was es für ein Kampf war, das zu bekommen, und dass es jetzt um das Leben in einer freien Gesellschaft geht. Wenn ich in Russland sehe, wie dort Meinungen unterdrückt werden, das finde ich furchtbar.

30 Jahre „Arsch huh“

9. November 1992 – Ein Tag für die Geschichtsbücher

Der Abend des 9. November 1992 ist längst Legende. Jeder, der damals in der Südstadt dabei war, weiß, wo er gestanden hat. An der Elsaßstraße, der Einmündung der Merowinger Straße oder mitten auf der Bonner Straße, was einen Blick auf die Bühne ermöglichte, wenn auch aus großer Entfernung. Oder eben mitten auf dem Chlodwigplatz. 100 000 Menschen aus Köln und der Region waren bei der Geburtsstunde von „Arsch huh“ dabei, waren dem Aufruf der Musikerinnen und Musiker gefolgt. Nach Schätzungen, so genau weiß das niemand. Jedenfalls gab es irgendwann kein Durchkommen mehr.

Kölsche Antwort auf die unruhige Weltenlage

Manch einer fühlte sich am Rosenmontag dieses Jahres an den Tag erinnert. Auch damals war ungewiss, wie viele dem Aufruf zur Friedensdemonstration für die Ukraine folgen würden. Auch diese Großdemonstration mit zehntausenden Teilnehmern war eine sehr kölsche Antwort auf eine sehr beunruhigende Weltenlage.

Vor 30 Jahren war es der kölsch-türkische Musiker und Journalist Nedim Hazar, der den ersten Anstoß gab. Der Vater von Eko Fresh (der in diesem Jahr in der Arena dabei sein wird) regte eine Initiative an, die vom 2013 verstorbenen Musikmanager Karl-Heinz Pütz und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken aufgenommen und entwickelt wurde.

Im Lokal des Stadtgartens gab es ein erstes Treffen, bei dem klar wurde: „Wir müssen was machen.“ Neben BAP, Bläck Fööss und Höhnern zählten damals LSE, Zeltinger und The Piano has been drinking zu den bekanntesten lokalen Gruppen. Der Schulterschluss eines Auftritts lag damals nicht so nahe, wie es heute scheint. Die Kölschrocker hielten zu den Bands aus dem Karneval Abstand.

„Arsch huh“ unterstützt mit CD-Verkauf zivilgesellschaftliche Projekte

Auch zwischen den Höhnern und Fööss gab es eine gelebte Rivalität. Doch an diesem Abend gab es Wichtigeres. Nach den ersten Liedern von Zeltinger zu Beginn verloren sich 4000 Menschen auf dem Chlodwigplatz. „Wir blamieren uns bis auf die Knochen“, habe er gedacht, erzählt Niedecken heute. Doch dann strömten die Besucher herbei. Sie hörten wie Willy Millowitsch Zuckmayers „Des Teufels General“ zitierte, hörten WDR-Journalist Klaus Bednarz, die Autoren Günter Wallraf und Elke Heidenreich sowie Edelweißpirat Jean Jülich.

Die frisch eingespielten und schnell gepressten CD konnten noch am Abend auf der Straße verkauft werden. Eine Million Mark kamen nach Auskunft der Initiative durch die Vermarktung zustande. „Arsch huh“ unterstütze damit zivilgesellschaftliche Projekte, immer auch den Kampf gegen Rassismus. Man beschloss schnell weiterzumachen nach diesem 9. November 1992.

Zeittafel

1992

Nach der Kundgebung auf dem Chlodwigplatz gibt es Initiativen in anderen Städten. Aktionen in Schulen und zur Kommunalwahl.

2002

Großkundgebung gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Köln.

2014

Birlikte-Festival in Mülheim zehn Jahre nach dem Nagelbombenanschlag.

2017

Demokratie-Tour durch die Veedel. Kundgebung auf den Ringen.

2019

Aktionen vor der Europawahl. Song „Su läuft dat he“.

2022

Unterstützung einer Obdachlosenstation in Mülheim.

Das Album „30 Jahre Arsch huh“

Nach drei Jahrzehnten sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen, die für „Arsch huh“ ihre Stimme erheben. Auf dem Sampler zum 30-jährigen Bestehen der Initiative sind viele Musiker und Bands zu finden, die sich zum ersten Mal in die Künstlerinitiative einreihen. Am heutigen Freitag wird das Album veröffentlicht. Neben Niedeckens BAP, Bläck Fööss und Brings sind auf der Doppel CD (Laufzeit: 118 Minuten) auch junge Bands wie Querbeat, Annenmaykantereit oder der Ruhrpottwolf Stoppok zu finden.

„Das letzte Kommando“ von Fortuna Ehrenfeld etwa ist eine aufrührende Ballade, die man früher so gar nicht im sehr kölschen Grundton der Bewegung vermutet hätte. Ebenso OK Kid, die in „Frühling Winter“ vom „braunen Laub“ singen und fragen „Was kostet de Welt, wenn sie stehen bleibt?“Auch Erdmöbel, in der Nordstadt verwurzelte Indie-Pop-Band, ist trotz langer intellektueller Bindung zum ersten Mal auf einer „Arsch huh“-Veröffentlichung und eben auch auf der Bühne mit dabei. Die 1993 in Münster gegründete Formation ist übrigens ähnlich alt wie die Künstlerinitiative.

Ankunft in der Fremde

Mit Walter Pütz hat Arno Steffen, einer der Veteranen von „Arsch huh“, die Zusammenstellung kuratiert. Für den Südstadt-Musiker Steffen ist es ein „versöhnliches Album“, das den Versuch unternimmt, musikalisch über den Tellerrand zu schauen. Verbindend für alle Stücke ist der Glauben an eine friedvollere Welt. Die „Beer Bitches“ mit Carolin Kebekus erzählen in dem gehauchten Song „Bes zum nächste Morje“ von einer Frau auf der Flucht, die in der Fremde zurecht kommen muss. Von der Ankunft am Bahnsteig, den Kindern an der Hand und den Sorgen im Kopf: „Sie träumt von ’ner Welt, die sich anders verhält.“

Gestaltet hat das Cover Wolfgang Niedecken, der dem berühmten Foto von 1992 hoffnungsvolle Sternenbilder und die „Arsch-huh“-Zeilen beigefügt hat. Die Hymne der Bewegung ist auf dem Album nicht vertreten. Dafür der Zesammestonn-Song „Su läuft dat he“, den Arsch huh vor drei Jahren eingespielt hat und das Höhner-Stück „Alles verlore“, das vom Verlust von Arbeit und Wohnung und Armut handelt. Mit Kasalla und Eko Fresh („Jröne Papjeie“), Tommy Engel (Hadder nit jesinn“), Cat Ballou („Mamm“) und Miljö („Mol die Veedel bunt“) sind jede Menge bekannte Stimmen dabei – op Kölsch. (mft)

„30 Jahre Arsch huh - Wachsam bleiben!“ GMO Label Pavement, Doppel-CD, Dreifach-Vinyl und Download.

Niedecken: Es ist alles plötzlich ganz nah. Die Flüchtlinge, die jetzt kommen, die sehen aus wie wir. Die kommen nicht mehr aus dem fernen Afrika, das ist alles nur ein paar Kilometer weit weg, der Krieg tobt nur zwei Flugstunden entfernt. Kebekus: Und in den benachbarten Ländern, in Polen und in Ungarn auch das ist so nah. Da merken wir doch: Jedes Recht, ob auf Meinungsäußerung oder auch die Selbstbestimmung der Frau, sexuelle Freiheit, das müssen wir verteidigen. Es geht jetzt um sehr viel.

Als Künstler gehen Sie ganz verschieden mit Bedrohungen von Rechts um. Frau Kebekus, Sie haben 2015 den Song gemacht: „Wie blöd du bist.“ Da wird ein Rechter vorgeführt, mit Humor. Können Sie was damit anfangen, Herr Niedecken?

Niedecken: Sehr viel. Sogar bei dem Rock-Song „Arsch huh“ ist auch Humor drin, das ist kein Lied, das zum Lachen in den Keller geht. „Wie wör et, wenn...“ – man müsste mal: Das kennen wir alle. Wenn Du den Humor verlierst, kommst Du nicht mehr an die Leute ran. Kebekus: Humor macht Themen zugänglicher, vereinfacht und kann Strukturen entmachten. Für mich ist das mein Werkzeug. Ich habe schon immer in schwierigen Situationen erstmal einen Spruch gemacht.

Was erwartet die Besucher in der Arena? Ihr spielt mit den Beer Bitches das Lied „Bis zum nächsten Morje.“ Ein Lied über Flüchtlinge.

Kebekus: Das jetzt auf die Ukraine bezogen ist, das aber auch vom Zweiten Weltkrieg handeln könnte, von unseren Familien oder auch von Geflüchteten aus Syrien. Niedecken: Wir können leider nicht dabei sein, weil wir in Leipzig auf der Bühne stehen. Aber wir werden zugeschaltet und dann werden wir „Arsch huh“ spielen. Und natürlich werde ich auch ein paar Worte sagen.

Mit welchem Gefühl sollten die Leute nach Hause gehen?

Niedecken: Ich hoffe, dass sie den Untertitel des Abends beherzigen: Wachsam bleiben!

Kebekus: Und vielleicht überlegen: Was kann ich machen? Wo bin ich vielleicht etwas bequem geworden? Wo kann ich mich mit meiner Stimme einbringen. Das wäre schön.

30 Jahre Arsch huh. Wachsam bleiben! Donnerstag, 10. November 19.30 Uhr. Lanxess-Arena. Es gibt noch Restkarten. Ab 17 Uhr ruft das Bündnis „Köln stellt sich quer“ zu einer Kundgebung gegen die Energiekrise auf dem Ottoplatz auf.  

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