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KneipenkarnevalKölner Wirte setzen sich für sicheres Feiern ein

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So sicher nicht: Mit diesem – aus der KI generierten – Bild macht die Stadt Köln Gastronomen auf die Gefahren von versperrten Eingängen und brennbaren Materialien aufmerksam. Die Stadt will an den tollen Tagen Kontrollen vornehmen.

Nach Katastrophe in der Schweiz: Rund 100 Kölner Gastrobetriebe nehmen vor Karneval an Brandschutzseminaren teil.

Sicher ist sicher: Ein Gaststättenbetreiber auf der Schaafenstraße, der seine Kneipe zu Karneval von einem Dienstleister dekorieren lässt, schneidet seit Jahren von jeder Girlande ein Stückchen ab — und hält ein Feuerzeug daran. Es ist ein Test: Die Dekoration muss mindestens die Brandschutzklasse B1 haben, also „schwer entflammbar“ sein.  

Das ist natürlich keine neue Vorschrift, aber nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei der in der Silvesternacht 41 Menschen in einer Kneipe starben, legt die Stadt den Fokus in diesem Jahr noch intensiver auf die Sicherheit in Kneipen. Sie kündigte auch an, dass Mitarbeitende des Ordnungsdienstes im Rahmen ihrer Streifen präventive Ansprachen und Kontrollen an den Karnevalstagen durchführen werden.

Das ist der schlimmste Horror. Es zeigt vor allem, wie schnell eine Situation entgleiten kann.
Maike Block, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied der IG Gastro

Mehr als 100 Kölner Betriebe nehmen deswegen in dieser Woche an zwei Brandschutzseminaren in der Feuerwache in Marienburg teil. Organisiert wurden diese von der IG Kölner Gastro. „Die Termine waren innerhalb von Minuten ausgebucht“, sagt Maike Block, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied der IG. Karneval werde natürlich seit Jahren gefeiert, doch aus der Katastrophe in der Schweiz müsse man auch in Köln seine Lehren ziehen. „Das ist der schlimmste Horror. Es zeigt vor allem, wie schnell eine Situation entgleiten kann“, so Block. Schnell sei klar gewesen, dass man aus der eigenen Betroffenheit auch in die Aktion gehen will: Das Wissen über den Brandschutz soll bei den Mitgliedern der IG aufgefrischt werden, mit Fokus auf dem Karneval.

Was natürlich auch im Normalbetrieb gilt, ist an Karneval noch wichtiger: die Kneipen sind voll, die Gäste alkoholisiert und das Personal ist oft mit Kräften von außerhalb verstärkt, kennt sich unter Umständen also noch nicht besonders gut aus. Besonders wichtig sind die Notausgänge, die auch von der Stadt kontrolliert werden sollen. Rettungswege müssen ausreichend vorhanden sein und die vorgeschriebene Breite von 1,20 Meter haben, wenn sich mehr als 200 Menschen in einer Kneipe aufhalten. „Und natürlich dürfen diese nicht vollgestellt sein mit ausgeräumtem Mobiliar oder angelieferten Waren“, sagt Maike Block. Pyrotechnik wurde nach dem Brand in der Silvesternacht von einigen Wirten bereits von der Karte verbannt, so Block. Denn dass eine teure Wodka- oder Champagnerflasche zusammen mit einer Tischfontäne serviert wird, kommt auch in Kölner Clubs vor.

Nicht zu viele Jecke in die Kneipe

In der Gaststätte „Oma Kleinmann“ auf der Zülpicher Straße gehört ein Briefing der Mitarbeitenden in jedem Jahr vor den Karnevalstagen dazu. „Jede und jeder muss wissen, wo die beiden Notausgänge, wo Feuerlöscher und Erst-Hilfe-Kasten sind. Wie man in aggressivem Verhalten agiert. Und was zu tun ist, wenn wir als Schutzort im Rahmen des Projektes ,Edelgard' aufgesucht werden“, zählt Wirtin Maureen Wolf auf. „Wir sind, was die Sicherheit betrifft, gut aufgestellt, was mir mehr Sorgen macht, ist die Sicherheit vor der Tür. Wir hatten schon oft Angst, dass dort eine Panik ausbricht.“ Die Betreiber der Kneipe, die direkt im abgesperrten Kwartier Latäng liegt, hatten mehrfach die Stadt um weitere Konzepte zur Entastung des Veedels gebeten — auch, damit ihre Gäste im Straßenkarneval überhaupt sicher zu ihnen gelangen können.

Sicher aufgestellt sieht sich auch die Ubierschänke in der Südstadt. Die Kneipe und damit auch der Brandschutz sind vor zwei Jahren neu konzessioniert worden, sagt Betreiber Detlef Weisweiler. Dass die Kneipe schön und aufwendig dekoriert wird, hat Tradition. „Es kommt eine Bühnenbildnerin, die das sehr aufwendig macht“, sagt der Hausherr. Alle Materialien seien feuerfest und in dieser Hinsicht zertifiziert. Es gebe ein großes Team, das auf die Sicherheit achte, mit zwei Türstehern an der Haupttür. „Wir haben immer schon sehr gut aufgepasst.“ Zudem achte er darauf, dass nicht zu viele Jecke in die Kneipe strömen. „Mehr als 200 Gäste lassen wir nicht rein. Wenn es zu voll wird, macht es auch keinen Spaß mehr.“ Dem Bierabsatz sei das auch nicht zuträglich.

Wir wollen den Karneval so leben, wie er ist, und beschäftigen uns nicht zu sehr mit den Vorkommnissen in der Schweiz.
Alexander Manek, Haus Unkelbach

Auch im „Haus Unkelbach“ in Sülz gab es in den vergangenen Tagen eine interne Sicherheitsbegehung, die leicht entflammbaren Luftschlangen müssen für die Party an Weiberfastnacht noch wieder abgenommen werden. Man wolle sich aber nicht verängstigen oder einschüchtern lassen durch die Katastrophe von Crans-Montana, so Wirt Alexander Manek. „Wir wollen den Karneval so leben, wie er ist, und beschäftigen uns nicht zu sehr mit den Vorkommnissen in der Schweiz.“ Auch im „Hemmer“ in Ehrenfeld gibt es keine Bedenken wegen der Vorfälle in der Schweiz: Alles werde gehandhabt wie in den Jahren zuvor, hieß es auf Nachfrage.