Abo

OrdnungskonzeptSo verstärkt Köln die Sicherheit für den Straßenkarneval

5 min
Der Chlodwigplatz zog am 11.11.2025 viele Feiernde an — dieses Mal will die Stadt besser auf den Ansturm vorbereitet sein.

Der Chlodwigplatz zog am 11.11.2025 viele Feiernde an — dieses Mal will die Stadt besser auf den Ansturm vorbereitet sein.

Mit 1400 bis 1500 Polizeibeamten, verdoppelten Rettungskräften und neuen Schutzmaßnahmen rüstet sich die Stadt für die kommenden Karnevalstage.

Sicher und respektvoll Karneval feiern – das ist das übergeordnete Ziel von Ordnungs- und Sicherheitsbehörden. Bei einer Pressekonferenz gaben diese Einblicke in das Ordnungskonzept, das Feiernde, aber auch Anwohnende und die Natur schützen will. Ein Koordinierungsstab, der von Weiberfastnacht bis Rosenmontag im Stadthaus tätig ist, kümmert sich um seine Umsetzung. Das sind die wichtigsten Punkte:

Südstadt: Mehr Toiletten und Müllcontainer

Rund um den Chlodwigplatz wird nachgerüstet: Nachdem es am Elften Elften viele Feiernde in die Südstadt gezogen hatte, die Infrastruktur dort aber kaum vorhanden war, stockt die Stadt dort ab Weiberfastnacht die Zahl der Toiletten und Müllbehälter auf. Im vergangenen November hatten sich nach dem Sessionsauftakt vor allem Anwohnende über Wildpinkler und Vermüllung beschwert. „Auf die Dynamik haben wir jetzt reagiert. Es wird 15 Prozent mehr Toiletten im Bereich des Chlodwigplatzes und der Südstadt geben“, sagte Ordnungsamtschef Dirk Käsbach am Montag. Ein zusätzlicher Toilettenwagen soll an der Ecke Bonner Straße/Kurfürstenstraße aufgestellt werden.

Sperrungen Weiberfastnacht

Sperrungen Weiberfastnacht

Auch die Gleise der KVB sollen im Bereich des Kreisels am Chlodwigplatz besonders von Sicherheitskräften bewacht werden. Sperrungen wie im Zülpicher Viertel seien jedoch nicht geplant, auch ein Glasverbot ist dort im Gegensatz zum Kwartier Latäng, dem Inneren Grüngürtel und der Altstadt nur „freiwillig“: Es wird eine Pfandrückgabe geben, und an Feiernde werden Pappbecher ausgeteilt. „Wir schauen, wie sich das entwickelt und ob auch dort eine Glasverbotszone im kommenden Jahr in Frage kommt“, so Käsbach.

Zülpicher Viertel: Fläche der Uniwiese weiter verkleinert

Die Massen verschieben sich also anscheinend. Das Kwartier Latäng ist laut Polizei und Ordnungsamt nicht mehr ganz so hochfrequentiert wie noch vor einigen Jahren. An der Uniwiese soll daher in diesem Jahr nur noch weniger als ein Drittel der Fläche, die noch beim Straßenkarneval im vergangenen Jahr genutzt wurde, für Feiernde zugänglich gemacht werden. Mit Platten wird die Fläche auch in diesem Jahr ausgelegt. Damit sollen die Grünflächen geschützt werden. Die Wiese dient laut Ordnungsamtschef Käsbach jedoch nur noch als „Transitstrecke“: Der Verkauf von Getränken und Musik sind dort verboten.

Auch am Aachener Weiher und im Hiroshima-Nagasaki-Park (siehe Karte) sollen Schutzbereiche dafür sorgen, Vermüllung und Zerstörung zu vermeiden. Die Umweltorganisation BUND kritisierte jedoch ein weiteres Festhalten der Stadt an der „Ausweichfläche Uniwiese“.

Nach Brand in Crans-Montana: Wirte sensibilisiert

Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht, bei der 41 Menschen starben, legt die Stadt für die Karnevalstage einen besonderen Fokus auf die Sicherheit in Gaststätten. „Wir haben uns bereits mit Vertretern der Gastronomie ausgetauscht“, betont Dirk Käsbach. Wichtige Regeln wurden erneut an Gastronomen kommuniziert: keine Pyrotechnik, keine leicht brennbare Dekoration sowie freie Rettungswege. „Unsere Einsatzkräfte werden die Fluchtwege sowie die Ein- und Auslasssituation im Rahmen der Streifen auch im Straßenkarneval kontrollieren“, so Käsbach. Die IG Gastro habe selbst mehrere Workshops zu dem Thema angeboten, die gut angenommen worden seien. „Wir merken, die Betroffenheit ist auch bei Gastronomen bei dem Thema hoch.“

Polizei: Angriffe können nicht ausgeschlossen werden

Auch wenn es keine konkreten Warnungen für die Karnevalstage gibt — die Sicherheitslage sei „nach wie vor abstrakt hoch“, sagte Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr/Einsatz bei der Kölner Polizei: „Man muss mit allem rechnen, auch wenn es keinen konkreten Anlass gibt.“ Er appellierte an die Feiernden, keine Waffen und Messer mitzunehmen, auch keine Attrappen. Bürgerinnen und Bürger sollten sich bei verdächtigen Beobachtungen an die Einsatzkräfte wenden. Um Anschläge mit Autos zu verhindern, werden an neuralgischen Punkten zertifizierte Überfahrsperren eingesetzt, so Käsbach. Auch an der Synagoge an der Roonstraße wird es wieder besondere Schutzmaßnahmen geben. Der private Einsatz von Drohnen ist verboten.

Im Einsatz an den Karnevalstagen sind neben insgesamt 1400 bis 1500 Polizeibeamtinnen und -beamten bis zu 400 Mitarbeitende des Ordnungsamtes sowie rund 2600 Sicherheitskräfte von externen Dienstleistern. Diese werden im Vorfeld von Stadt und Polizei einzeln auf ihre Eignung hin überprüft. Die Security-Mitarbeiter tragen auch in diesem Jahr wieder Westen mit Nummern, um sie eindeutig zu identifizieren.

Streetworker sind für den Jugendschutz unterwegs

Geschützt werden sollen insbesondere Jugendliche: Mitarbeitende des Jugendamtes sind unterwegs, auch der Rettungsdienst arbeitet an den Notfallstellen mit den städtischen Mitarbeitern zusammen. Der Ordnungsdienst kümmert sich indes um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes: Immer wieder werden Kioske wegen Verstößen gegen den Jugendschutz geschlossen. Nun hat es einen Kiosk in bester Lage getroffen. Ein Laden am Buttermarkt in der Altstadt wurde geschlossen. Auch hier geht es um Verstöße gegen den Jugendschutz. Die Entwicklungen in diesem Bereich seien besorgniserregend, hieß es von der Stadt. 619 Kioske wurden seit 2024 überprüft, die Verstoßquote liege bei 70 Prozent. Es gebe auch derzeit weitere laufende Verfahren, und weitere Kioske seien vor der Schließung.

Polizei und Ordnungsamt gehen mit Blick auf den Jugendschutz seit Monaten gegen Kioskbetreiber vor. Es sind vor allem im Rechtsrheinischen Läden nach Verstößen geschlossen, Geldbußen verhängt und von der Polizei Anzeigen geschrieben worden.

Besonderen Schutz gegen jegliche Form von sexualisierter Gewalt gegen Frauen, Mädchen und queere Menschen soll das Projekt „Edelgard“ bieten (wir berichteten). An fast allen Tagen findet eine Beratung durch mobile Einsatzteams statt, es gibt mehrere Anlaufstellen sowie eine Telefonzentrale.

Rettungsdienst rechnet mit mehr Einsätzen

Bei der Feuerwehr stellt man sich während des Straßenkarnevals auf eine Vielzahl von Rettungseinsätzen ein, das hätten die Zahlen der vergangenen Jahren gezeigt, sagte Dr. Christian Miller, Leiter der Kölner Feuerwehr. 2025 musste der Rettungsdienst an Weiberfastnacht 944 Mal ausrücken, das sind doppelt so viele Einsätze wie an einem normalen Tag. An Rosenmontag waren es 727, so Miller. Die Zahl der Einsatzkräfte sei daher auch in diesem Jahr entsprechend hoch: 858 Einsatzkräfte sind an Weiberfastnacht im Dienst, 970 an Rosenmontag. Am Rautenstrauch-Joest-Museum wird eine temporäre Rettungswache eingerichtet, verschiedene Unfallhilfsstellen sollen die Notaufnahmen der umliegenden Krankenhäuser entlasten. Aufgrund von Beleidigungen und Angriffen auf Rettungskräfte richtete der Feuerwehrchef auch noch einen Appell an alle Feiernden: „Bitte lassen Sie die Rettungskräfte in Ruhe ihre Arbeit tun.“