An 25 Ständen konnten Besuchende mit Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Wohnprojekte ins Gespräch kommen.
WohnprojektetagAlternative Wohnprojekte sind in Köln gefragt wie noch nie – Angebot ist noch dünn

Wilhelm Schwedes stellt sein Projekt vor.
Copyright: Elena Kugelmeier
„Seit vier Jahren spiele ich Theater, das hätte ich nie gedacht“, sagt Willhelm Schwedes und lacht. Nächstes Jahr wird er 80 und wirkt mit seinem klaren Blick und seiner offenen Art, ganz und gar nicht wie jemand, der sich zurücklehnt und das Altern dem Schicksal überlässt. Ganz im Gegenteil, der 79-Jährige scheint sich ein Rezept für Jugendlichkeit zusammengeschrieben zuhaben. Eine Spezialzutat daraus scheint seine Wohnsituation zu sein, denn er lebt in ein einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt in Köln-Ostheim. Ein Gemeinschaftsraum, ein Garten mit Bienenprojekt, eine Theatergruppe mit jährlicher Aufführung und ein Bücherkreis, schweißt die Gruppe an Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammen. Nun steht Schwedes im Rahmen des 11. Wohnprojektetages im Kölner VHS-Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum.
Dort herrschte reges Treiben, rund 600 Interessierte sind laut Veranstalter „MitStadtZentrale“ gekommen, um sich über gemeinschaftliches Wohnen in Köln und Region zu informieren und auszutauschen. An 25 Ständen können Besuchende mit Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Wohnprojekte ins Gespräch kommen. Die Umweltbank und die GLS-Bank sind zudem vertreten, um Finanzierungsmöglichkeiten vorzustellen und Gruppen, die in Planung eines Wohnprojektes sind, zu beraten.
Etwas Entscheidendes gegen das Vereinsamen
Auch Schwedes Projekt „Lebensräume in Balance“ ist vertreten. Das Wohnprojekt in Ostheim hat er mit aus der Taufe gehoben. Nun wohnt Schwedes, nach zehn Jahren Planung, seit 2017 in einer der 34 Wohnungen des Hauses – und ist glücklich. Mit dem gemeinschaftlichen Wohnen, sagt Schwedes, tue man etwas Entscheidendes gegen Vereinsamung. Auch für seine drei in der gesamten Republik verteilten, erwachsenen Kinder, sei das sehr beruhigend. Sie haben die Gewissheit, wenn ihm etwas passiert, dann sind Menschen da, die sich kümmern und sie informieren können.
Almut Skriver von der „MitStadtZentrale“ hat den Wohnprojektetag organsiert und freut sich über das große Interesse und den Erfolg des Tages. „Der Bedarf ist in Köln groß, doch das Angebot noch zu klein, wir hoffen, dass sich das in Zukunft ändern wird“, sagt Skriver. Bezahlbarer Wohnraum, solidarisches und gemeinschaftliches Miteinander und das Teilen von Dingen und Lebensraum stehen an diesem Tag im Vordergrund. Eine utopische Zukunftsvision und Alternativmodell zur Großstadtanonymität? Was für viele Gäste an diesem Tag noch als Küchentischeuphorie an die Stände getragen wird, ist für die Gruppe „Poller Damm“ bereits in greifbarer Nähe. Sie haben sich auf eine städtische Ausschreibung für ein Grundstück in Poll beworben und wurden vom Komitee vorgeschlagen. Nun muss nur noch der Rat am 19.März darüber entscheiden, ob die Gruppe, bestehend aus 40 Leuten, ihren Traum verwirklichen darf.
Nachhaltiges Zusammenleben
Jonas Bücker freut sich bereits auf die Realisierung seines Projektes. In sechs Baukörpern in Holzbauweise soll ein diskriminierungssensibles, ökologisches und ökonomisch nachhaltiges Zusammenleben entstehen. Wenn alles gut läuft, darf die Gruppe Poller Damm in einem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen. In vier bis fünf Jahren können dann die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. Jonas Bücker betont, dass es ihnen sehr wichtig sei ihre Räume auch mit den Menschen zu teilen, die sonst vielleicht weniger Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben. Wie beispielsweise Menschen, die von Rassismus oder Armut betroffen sind. Auch alleinerziehende Elternteile und Menschen mit Behinderung möchte die Gruppe in ihr Wohnprojekt integrieren.
Interessierte können auf der Webseite der „MitStadtZentrale“ weitere in den nächsten Wochen stattfindende Workshop-Termine einsehen.
