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Drumcenter in KölnBeliebtes Schlagzeug-Geschäft schließt nach über vier Jahrzehnten

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Oliver Blahak begrüßte in den letzten Tagen des Jahres viele Kunden, die sich von ihm und dem Geschäft verabschiedeten.

Oliver Blahak begrüßte in den letzten Tagen des Jahres viele Kunden, die sich von ihm und dem Geschäft verabschiedeten.

Der Laden am Heumarkt war Anlaufstelle für Schlagzeug-Begeisterte, weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Nach 42 Jahren gibt Dieter Blahak nicht weniger als sein Lebenswerk auf. Sein Sohn Oliver weiß, wie schwer ihm das fällt: „Das ist sein Leben. Er hätte hier wahrscheinlich gestanden, bis er umfällt.“ Das Drumcenter auf der Markmannsgasse zwischen Heumarkt und Rhein war nach eigenen Angaben das älteste Schlagzeugfachgeschäft Deutschlands. Seite dem Jahreswechsel hat es nach über vier Jahrzehnten geschlossen. Für Dieter Blahak ist es eine rein wirtschaftliche Entscheidung. Denn während die Kosten immer weiter stiegen, sanken die Umsätze seit Jahren.

Oliver Blahak, der Sohn des Inhabers und Gründers Dieter Blahak, sieht nicht das konkurrierende Online-Geschäft als alleiniges Problem, sondern eher die Zentralisierung auf den Musikhandelsriesen Thomann. Auch die Interessengebiete innerhalb der Generationen scheinen sich verschoben zu haben: „Ich bin 1965 geboren und für mich war Musik als Teenager super wichtig.“ Viele Konzerte habe er besucht, wollte mit seinen Freunden eine Band gründen, auch im Umfeld gab es viele Bands. „Wenn die einen Auftritt hatten, dann sind wir da hin.“ All das spiele für junge Leute heute eine untergeordnete Rolle. 

Ich glaube im Nachhinein muss man sagen, dass wir uns viel zu viel Arbeit gemacht haben, aber das haben die Kunden honoriert, sind treu geblieben und haben uns weiterempfohlen.
Oliver Blahak

Doch nicht nur das mache den Generationsunterschied aus. Auch die Anzahl der potenziellen Kundinnen und Kunden habe sich verringert. Mit den sogenannten Babyboomern wuchs eine deutlich größere Generation heran als es die Gen Z oder Millenials sind. Anfang der 80er Jahre waren demnach mehr junge Menschen interessiert an Musikinstrumenten. Das war die Zeit, als Dieter Blahak das Drumcenter eröffnete. „Mein Vater war Profimusiker und hat aus dieser Profi-Laufbahn das Unterrichten angefangen“, sagt Oliver Blahak. Der Inhaber des Musikfachgeschäfts ‚Alfreds Musik‘ habe ihm angeboten, für ein paar Stunden Arbeit am Tag die Räumlichkeiten für seinen Unterricht nutzen zu dürfen

Aus „Alfreds Musik“ wurde das Drumcenter

„Alfreds Musik“ war als Musikfachgeschäft in der Innenstadt ansässig, mit eigener Schlagzeugabteilung, doch Blahak wollte etwas Eigenes erschaffen und sich mit dem Unterrichten und dem Verkauf von Schlagzeugen selbstständig machen: die Geburtsstunde des Drumcenters. Drei Jahre später, 1986, stieg sein Sohn Oliver in das Geschäft ein, obwohl sein Instrument der Wahl die Gitarre war. Mit 21 Jahren begann er, bei seinem Vater auszuhelfen: „Für mich war das nach der Schulzeit eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich habe auch damals viel Musik gemacht.“

An der Markmannsgasse zwischen Heumarkt und Rhein war das Drumcenter zu Hause.

An der Markmannsgasse zwischen Heumarkt und Rhein war das Drumcenter zu Hause.

Durch das Unterrichten wuchs auch der Kundenstamm des Drumcenters stetig an. „Köln war damals ein echtes Musik-Eldorado. Es gab viele Musikgeschäfte, aber keiner hat sich richtig um Schlagzeuge gekümmert“, erinnert sich Blahak. Das Drumcenter füllte diese Lücke mit großem Potenzial. „Der Kunde, der ein Klavier kauft, kommt nie wieder. Der Schlagzeuger haut die Stöcke kaputt, verschleißt die Felle. Er baut ständig aus und vielleicht, wenn man Glück hat, kauft er sogar noch mal eins.“

Auslieferung nach ganz Europa

Das Drumcenter ließ in den vielen Jahren nicht nur Kölner Schlagzeugherzen höher schlagen, auch aus der Region und den angrenzenden Ländern kamen die Musikbegeisterten nach Köln, um sich von dem kleinen Familienunternehmen beraten zu lassen. Über Kataloge und analoge Anzeigen, später dann auch den Online-Handel, bauten sich die Blahaks ein zweites Standbein im Versand auf: „Wir hatten relativ früh einen Online-Shop und haben nach ganz Europa verschickt.“ 

Den Laden jetzt aufzugeben, sei eine rein wirtschaftliche Entscheidung: „Wir haben zu dem Laden hier auch noch die Kellerfläche unten. Und um die Ecke hatten wir ein weiteres Geschäft mit 100 Quadratmetern, das haben wir schon abgegeben. Man hat hier mal eben so Mieten von 5000 Euro. Das können wir nicht erwirtschaften.“ 

Blahaks Sohn sieht die Entscheidung nüchterner als sein Vater: „Es ist besser zu schließen, bevor wir Geld zahlen müssen, das wir nicht haben. Und wir sind ja nicht insolvent.“ Täglich kamen in den letzten Tagen Kunden in den Laden, um die Blahaks zu verabschieden. Das seien die Momente, in denen Blahak merkt, dass man etwas aufgebaut und erreicht habe. Ein Kunde kam seit 40 Jahren ins Drumcenter. „Das ist ja schon krass“ sagt Blahak. „Auch für die Kunden ist es schwierig, dass wir jetzt nicht mehr da sind.“