Konrad Adenauer (44) ist Vorsitzender des Vereins „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“. Im Rundschau-Interview spricht er sich für eine Rückkehr des Museums ins historische Zeughaus aus.
Förderverein stößt Debatte anKölner Stadtmuseum soll zurück ins Zeughaus ziehen

Konrad Adenauer, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“, vor dem Zeughaus, der früheren Heimat des Museums.
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Früher lud der Förderverein des Stadtmuseums einmal im Jahr Mitglieder und Spender zu seinem „Herrenessen“ ein. Nun findet am Freitag des erste „Zeughaus-Dinner“ statt. Wie sind Sie auf den Namen gekommen?
Der Begriff „Herrenessen“ war ja doch recht antiquiert, zumal schon seit langem auch Damen daran teilnehmen. Es war klar, dass wir den Namen ändern werden. Im Vorstand haben wir uns überlegt, dass sich der Name der Veranstaltung auf das Zeughaus beziehen sollte, wo sie auch stattfinden wird.
Was bezwecken Sie damit?
Das ist eine Rückkehr zu den Wurzeln. Das Herrenessen hat eine lange Tradition, es diente immer auch dazu, kulturpolitische Diskussionen anzustoßen. Es war auch ein Rahmen, um dem Museum neue Objekte zu stiften. Das ist in der Corona-Zeit etwas eingeschlafen. Früher fand das Herrenessen immer im Zeughaus statt, dem Stammsitz des Kölnischen Stadtmuseums. Dann gab es 2017 den Wasserschaden, und das Museum musste ausziehen. In der Folge wurde das Dinner einige Male im Rathaus veranstaltet oder fiel aus. Und jetzt kehren wir zurück zum Ursprung.
Warum tun Sie das?
Wir wollen das Zeughaus wiederbeleben und es den Menschen wieder stärker ins Bewusstsein rufen. Es ist leider etwas aus dem Blick geraten, um nicht zu sagen: in Vergessenheit. Das wollen wir ändern. Wir wollen der Stadtgesellschaft wieder vor Augen führen, welchen historischen Schatz die Stadt Köln hier besitzt, und eine Zukunftsperspektive für das Stadtmuseum entwickeln.
Vor zwei Jahren, als die Interimsausstellung im Modehaus Sauer eröffnet wurde, hat die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker gesagt: „Es ist kein Dauerdomizil. Unser Ziel ist es, für das Kölnische Stadtmuseum einen neuen langfristigen Wirkungsort zu finden und zu gestalten, der weit über dieses Schaufenster hinausgeht.“ Wo liegt dieser Ort für Sie?
Eindeutig im Zeughaus. Es ist die natürliche Heimat des Stadtmuseums. Bekanntermaßen hat sich der Plan, das Museum in der Domumgebung unterzubringen, erledigt. Wenn man europaweit in andere Städte schaut, dienen viele Zeughäuser dazu, die Stadtgeschichte zu präsentieren. Das Stadtmuseum war seit Ende der 50er-Jahre im Zeughaus. Meines Erachtens gehört es auch wieder dahin. Wo, wenn nicht an diesem Ort, kann man die Stadtgeschichte erzählen und einem breiten Publikum zur Verfügung stellen?
Zurzeit wird die Stadtgeschichte an der Minoritenstraße im ehemaligen Modehaus Sauer erzählt.
Das Modehaus Sauer ist ganz wunderbar und liegt zentral, aber es hat leider nur eine kleine Ausstellungsfläche und keinen Platz für Sonderausstellungen. Dort kann man nur einen winzigen Ausschnitt aus den reichen Beständen des Museums zeigen. Das darf so nicht bleiben. Das Stadtmuseum braucht auf jeden Fall ein Gebäude mit viel Platz für Ausstellungen. Den gibt es im Zeughaus und in der Alten Wache. Und die Stadt Köln hat diese einzigartigen historischen Gebäude bisher auch keiner anderen Verwendung zugeführt. Von daher sieht der Verein die Zukunft des Museums eindeutig dort.
Das Modehaus Sauer ist ja auch aus konservatorischen Gründen nicht optimal für das Stadtmuseum geeignet.
Es ist ein Kaufhaus, kein Museumsbau. Man betritt das Gebäude durch eine Art Schaufenster und steht dann am Empfangstresen, aber gleichzeitig auch schon in der Ausstellung. Das ist vom Raumklima her schwierig. Empfindliche Objekte können Sie dort nur in klimatisierten Vitrinen ausstellen.
Aber das Zeughaus ist in einem schlechten Zustand. Die Sanierungskosten wurden vor Jahren auf rund 90 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt steht kurz vor der Haushaltssicherung und muss noch mehrere andere Kulturbauten sanieren, darunter Museum Ludwig und Philharmonie. Woher nehmen Sie die Hoffnung, dass das Zeughaus in absehbarer Zeit saniert werden kann?
Der Förderverein, beziehungsweise das Museum, rechnet gerade ein wenig und überlegt, was eine Sanierung des Gebäudes kosten würde. Vielleicht geht es auch etwas günstiger. Wir wollen mit einem alternativen Finanzierungskonzept auf den Oberbürgermeister zugehen, so dass die Stadt an der Stelle vielleicht entlastet wird.
Andersherum muss man sich auch fragen: Kann es denn sein, dass die Stadt Köln diese denkmalgeschützten Gebäude, die von herausragender Bedeutung für unsere Stadtgeschichte sind, auf Dauer verfallen lässt? Die Sanierungskosten werden ja dann von Jahr zu Jahr nur noch mehr steigen.
Wie könnte das Zeughaus-Areal denn gestaltet werden?
Dazu haben sich Studierende des Fachbereichs Architektur der TH Köln im Sommersemester 2025 Gedanken gemacht. In ihren Abschlussarbeiten haben sie sich mit der Sanierung von Zeughaus und Alter Wache beschäftigt, aber auch mit der Frage, wie die angrenzende Freifläche an der Römermauer genutzt werden kann, die nur als Parkplatz dient. Das ist so ein typisches Relikt in Köln: Wir haben eine freie Fläche, die wird vorübergehend als Parkplatz genutzt, und dann wird dieser Zustand über Jahrzehnte konserviert.
Außerdem geht es darum, wie das Areal städtebaulich angebunden werden kann, zum Beispiel an das benachbarte NS-Dokumentationszentrum am Appellhofplatz. Beim Zeughaus-Dinner werden wir einige der Modelle der Studierenden zeigen. Die Öffentlichkeit wird sie danach im Rahmen einer Ausstellung im Zeughaus sehen können. Da sind sehr gute Denkanstöße dabei.
Vor zwei Jahren haben fünf Kölner Geschichtsvereine von Stadt und Politik Klarheit über die Zukunft des Stadtmuseums gefordert. Passiert ist seitdem nichts. Zeughaus und Alte Wache verfallen weiter. Ärgert Sie das?
Es macht mir große Sorge, wie hier mit dem historischen Erbe der Stadt umgegangen wird. Das darf so nicht weitergehen.
Kürzlich haben sich rund 50 historische Vereine und Initiativen per Brief an den OB gewandt. Sie beklagen eine Verzwergung des historischen Erbes und fordern, noch 2026 solle der Startschuss fallen, um die Kölner Geschichte im Zeughaus erlebbar zu machen. Teilen Sie diese Forderung?
Ja, unser Verein hat das Schreiben an den OB auch unterzeichnet. Wir freuen uns sehr über die breite Unterstützung aus der Stadt für eine Wiederbelebung des Zeughauses. Je früher damit begonnen wird, desto besser.
Welches Ziel haben Sie vor Augen?
In zwei Jahren jährt sich die internationale „Pressa“-Ausstellung von 1928 in der Kölner Messe zum einhundertsten Mal. Zu diesem Jubiläum plant das Stadtmuseum eine große Sonderausstellung. Das Zeughaus wäre der ideale Ort dafür. Bis 2028 sollte der Ausstellungsraum in einem Zustand sein, der eine solche Ausstellung dort möglich macht.
Appell an den OB
Rund 50 historische Vereine und Initiativen haben an Oberbürgermeister Torsten Burmester appelliert, die Sanierung des Zeughauses bald in Angriff zu nehmen, um dem Stadtmuseum dort eine dauerhafte Heimat zu geben. In einem Brief an den OB schreiben sie: „Bitte bündeln Sie die Kräfte in Verwaltung und Stadtgesellschaft, damit noch in diesem Jahr der Startschuss fällt, um unsere Geschichte im Zeughaus erlebbar zu machen.“
In dem Brief wird an die bevorstehende 2000-Jahr-Feier Kölns im Jahr 2050 erinnert und die „zunehmende Verwahrlosung des Zeughaus-Areals beklagt. Dieses sei „kein Ort für ein Hotel, für städtische Verwaltung oder für eine Eventlocation“, sondern „der geborene Platz für unser Stadtmuseum“, so die Unterzeichner. (fu)

