Mediziner Oliver Pottkämper bemerkt aktuell überdurchschnittlich viele Fälle und das RKI meldet einen starken Anstieg an Erkrankungen. Die Rundschau hat sich in Kölner Hausarztpraxen umgehört.
„Ausgeprägte Krankheitswelle“Hausarztpraxen in Köln sind stark gefordert

Laut dem Robert Koch-Institut ist die Anzahl der Grippe-Infektionen in den vergangenen Wochen gestiegen.
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In vielen Wartezimmern von Kölner Praxen dürfte aktuell großer Betrieb herrschen. Die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen im ambulanten Bereich sei zwischen der ersten und zweiten Woche des Jahres bundesweit „stark gestiegen“, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Das zeigt sich auch bei Hausärztinnen und Hausärzten aus Köln, mit denen die Rundschau gesprochen hat.
„Die Praxis ist voll, aber für diese Jahreszeit ist das vollkommen normal. Es ist ein bisschen mehr als in den vergangenen Jahren“, erklärt Dr. Bettina Metz, die in Lindenthal arbeitet. Verstärkt sei aktuell das Grippevirus Influenza A für Erkrankungen ihrer Patientinnen und Patienten verantwortlich. Das spiegeln die Zahlen des RKI wider, laut denen die Influenza-Infektionen in den vergangenen Wochen gestiegen sind.
Auch in der Longericher Praxis von Dr. Miriam Antz sei viel los. „Das merken wir auch daran, dass vermehrt eigenes Personal erkrankt“, sagt sie. Die Krankheitswelle verlaufe aber „bisher so, wie wir das kennen und bewältigen können“. Eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Erkrankungen könne sich in den kommenden Wochen jedoch noch entwickeln. „Nach Karneval nehmen die Krankheitsfälle oft nochmal zu.“
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Im Vergleich zu Januar 2025 habe ich aktuell rund 20 Prozent mehr Patientinnen und Patienten in der Praxis.
Eine „ausgeprägte Krankheitswelle“ bemerkt Mediziner Oliver Pottkämper. In seiner Praxis am Königsforst liege die Zahl der Erkrankungen bereits jetzt über dem Durchschnitt. „Im Vergleich zu Januar 2025 habe ich aktuell rund 20 Prozent mehr Patientinnen und Patienten in der Praxis. Alle meine Sprechstunden – sei es in der Praxis oder per Videochat – sind voll.“
Pottkämper ist zudem ehrenamtlich als Vereinsarzt tätig, unter anderem auch für die Jugendmannschaft der Kölner Haie und Viktoria Köln. „Unter diesen Sportlern habe ich im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls einen deutlichen Anstieg an Erkrankungen bemerkt.“
Die Verläufe seiner Patientinnen und Patienten seien „länger und intensiver als in den Vorjahren. Früher war eine Woche normal, heute scheint diese Zeitspanne das Minimum zu sein. Normal sind aktuell zwei bis drei Wochen – und davon sind alle Altersgruppen betroffen.“
Die vorherrschenden Symptome ändern sich von Woche zu Woche, erklärt der Arzt. „In den vergangenen Wochen war es viel Magen-Darm, aktuell leiden die Betroffenen oft unter Kraftlosigkeit und Schlafstörungen.“
Welche Erreger für den Anstieg der Krankheitsfälle in seiner Praxis verantwortlich sind, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen. „Seit Corona können wir nicht mehr auf Kosten der Krankenkassen testen. Die Patientinnen und Patienten müssen das selbst tun, wenn sie Klarheit haben wollen.“ Unter den vorhandenen Ergebnissen sei neben Influenza, RSV und Covid aktuell das Rhinovirus stark vertreten.
Kölner Arzt spricht sich für telefonische Krankschreibung aus
Vor fünf Jahren begann Pottkämper in der Praxis am Königsforst zu arbeiten – also kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. „Ich finde, die Krankheitswellen sind seitdem jedes Jahr intensiver geworden.“ Woran das liege, könne er nicht wissenschaftlich gesichert sagen. Jedoch: „Ich vermute, dass wir immer noch die Nachwehen der Pandemie erleben. Genau genommen, der Schutzmaßnahmen, die getroffen werden mussten. Wenn der Körper jahrelang weniger mit Erregern in Kontakt kommt, bildet er auch weniger Antikörper.“
Der Mediziner hat Hoffnung: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in diesem Jahr einen Höhepunkt erleben, der ab 2027 wieder abflacht und die Krankheitswellen damit wieder weniger intensiv werden. Dann hatten unsere Körper hoffentlich genug Übung, um wieder mit Erregern klarzukommen. “
Auch Pottkämper erwartet, dass es noch einige Wochen dauern wird, bis das Praxisteam wieder ausatmen kann. „Die telefonische Krankschreibung ist in solchen Zeiten eine enorme Entlastung.“ Die Skepsis seitens der Politik könne er nicht verstehen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte den Krankenstand in Deutschland am Sonntag als zu hoch kritisiert und die telefonische Krankschreibung als einen Grund dafür angeführt. „Anlügen kann man Ärzte auch in der persönlichen Sprechstunde“, entgegnet Pottkämper.


