Die Immisitzung feiert Premiere im ausverkauften Bürgerhaus Stollwerck. Sie präsentieren realsatirische Sketche und blicken auf die Highlights vergangener Jahre zurück.
Zollstreit um Reibekuchen und BlutwurstSo lief die Premiere der Immisitzung

Mit Biss: Die Bundeswehr möchte die Boomer-Generation einziehen.
Copyright: Costa Belibasakis
Donald Trump (Victoria Riccio) hat den längsten Schlips von allen. Sein Mega-MAGA-Binder reicht vom Kehlkopf übers gesamte Rednerpult abwärts bis hin zum Boden. Ähnlich raumgreifend: die Pläne, die Donald, der Eroberer, im Gepäck hat, als er Köln besucht. Begleitet wird er von Vizepräsident JD Vance (Simeon Long). Donald will den „Cologne Don“ kaufen und zum Nobel-Hotel umfunktionieren. „Und was bekommen wir dafür?“, fragt der Journalist (Sunga Weineck) aus dem Off. „Kein Zoll auf Kölsch, Reibekuchen und Blutwurst!“ Ein guter Deal? Für Trump, der alles will, auch die „Fucking Mariechen“, allemal.
Mit realsatirischen Sketchen wie diesem präsentieren sich die Immis mit ihrer 14. Sitzung auf der Höhe der Zeit. Werfen aber gleichzeitig einen Blick zurück auf die Highlights der vergangenen Jahre. Auf der Premierensitzung am Donnerstag (22. Januar) im ausverkauften Bürgerhaus Stollwerck kommt das unheimlich gut an. Der Mix aus Kabarett und Karneval, Musik und Puppenspiel gerät straff und knackig, der Funke springt sofort über. Es gibt, tatsächlich, keine Längen.
Alternativer Fastelovend mit bekannten Figuren
Für die, die zum ersten Mal da sind, ist das alles neu. Und für die, die seit Jahren mit den „Jecken von woanders“ alternativen Fastelovend feiern, gibt es ein Wiedersehen und -hören mit bekannten Figuren. Dazu gehören Sergio, der „gut aussehende, homosexuelle Männermagnet“, sowie die schrille „Cherry Lady“ Blabla. Auch die „Lackfööß“-Girls sind wieder dabei: Ihr sozialpolitisches Lied über exzessive Preissteigerung auf dem Wohnungsmarkt bringt Billie Eilishs „Bad Guy“ als „Miethai“ lokal auf den (wunden) Punkt. Viele alte Nummern sind neu bearbeitet.
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Zwei Schutzengel wetteifern um einen Lebensmüden.
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Am 210-Minuten-Programm, das die Immis in 43 Probentagen auf die Beine gestellt haben, wirken auf der Bühne und in der Band 16 Menschen mit. Mit dem Rest des Teams sogar 40. Es gibt zahlreiche starke Nummern, die im Gedächtnis bleiben: Die Erkenntnis, dass Freundschaft Liebe ist. Rosi (Mymmi Chebabi) und Gisela (Victoria Wiese) stellen hackebreit auf Kreuzfahrt fest: ihre Zweisamkeit bringt viel mehr als sich „Karl-Heinz-Henrik-Moritz“ auf den verlängerten Rücken tätowieren zu lassen.
Indes die Immisitzungs-Puppen lebensgroß als „Herr Franzose“ (Robby Göllmann) und „Herr Dickerchen“ (Andreas List), zur Paartherapie in der Praxis von Psychoanalytiker Dr. van Dessel (Simeon Long) aufschlagen. Nach dem op kölsch als „Ihrefeld Draum“ gecoverten „Dirty Old Town“ von den Pogues liegen sich die versöhnten Puppen in den Armen. Nicht nur der tumbe Dr. van Dessel ist zu Tränen gerührt.
Tickets für die kommenden Sitzungen und das Programm sind bis Dienstag, 17. Februar, online zu finden. Für größere Gruppen: Am 4. und 5. Februar ist in der Stadthalle noch Platz.
Unbezähmbar: Evgenia Tarutin als Rockröhre voller „Energia“, Selda Selbach mit dem selbstgeschrieben Song „Kölsch Halay“ und Simeon Longs mit der geballten Power von Conchita.
Ungedient: …aber nicht mehr lange! Die Bundeswehr giert nach Boomern: „Du warst in Reserve? Bist nach Berlin gezogen? Du bist ausgemustert worden? Du hast Plattfüße? Du hattest einen Hodenhochstand? Du wartest auf ein Spenderherz? Hol' es dir!“
Unwiderstehlich: Myriam Chebabi alias „ImmiMymmi I, die brasilianische Jungfrau“ als Moderatorin und Sprachakrobatin: „Merz ist nicht das ganze Jahr!“ Und die rasante Immi-Band.
Unerreicht: hinter „Filos Fenster“, inmitten des wilden Kneipenkarnevalstrubels können Tigerfrau und Zebramann nicht zueinander kommen. Unerwartet: die Immis sind filmreif geworden. Der zum Kringeln komische Einspieler von Betty LaMinga zeigt sie bei der Kreativarbeit.
Unnachahmlich: wie Rosenverkäufer Ramu (Gracias Devaraj) braune Rosen der Liebe gegen die braune Hass-Soße ins Spiel bringt, ein Außerirdischer (Robby Göllmann) terrestrischen Lebensformen wie Foodblogger Söder die unendlichen Weiten des Alls gönnen will oder zwei militante Schutzengel (Evgenia Tarutin und Mymmi Chebabi) auf der Rodenkirchener Brücke darum wetteifern, einen Lebensmüden (Gracias Devaraj) zu retten.
Unvorstellbar: nie wieder eine Immisitzung. Durch den rückläufigen Ticketverkauf, gestiegene Kosten und Gagen für Mieten und externe Mitwirkende, den laufenden Betrieb, sind die Rücklagen aufgebraucht. Ein Crowdfunding, die Finanzierung durch Online-Beiträge (Ziel: 88.000 Euro), soll dazu beitragen, dass Vielfalt, Toleranz und kölsche Lebensfreude auch künftig eine Bühne haben.
