„Wärmerevolution“ als PionierprojektWie die Kölnmesse bis 2030 klimaneutral werden will

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Auf dem Dach des Confex sind die Photovoltaik-Elemente bereits verbaut.

Auf dem Dach des Confex sind die Photovoltaik-Elemente bereits verbaut.

Bundesweit einmalig sei das Projekt, mit dem die Messe in Zukunft ihren Wärmebedarf decken will, sagt Messe-Chef Gerald Böse.

Bis 2035 will die Stadt Köln klimaneutral sein. Teil des Aktionsplans Klimaschutz, der die Maßnahmen auf dem Weg dorthin festhält, ist auch die Kölnmesse. Auch die wollte laut ursprünglichem Plan bis 2035 klimaneutral sein. Am Montag stellte die Messe ihre Nachhaltigkeitsstrategie vor. Und schärft das ambitionierte Ziel noch einmal deutlich nach. Bereits fünf Jahre früher, 2030, soll die Messe klimaneutral sein. „Darauf sind wir, wie ich denke, zu Recht stolz“, sagt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der Ausdauer erfordert.“

Die „Wärmerevolution“ der Messe

Besonders stolz ist die Messe auf ihr Bestreben, gemeinsam mit Eon und der Rheinenergie große Teile des Wärmebedarfs in Zukunft mit Hilfe zweier Hochtemperatur-Wärmepumpen zu decken. „Bundesweit einmalig“ sei das Pionierprojekt, „eine Wärmerevolution im Messegeschäft“, betont Böse. Durch die Wärmepumpen werden Grundwasser, Luft und Abwärme zu den nachhaltigen Quellen für die Wärme- und Kälte-Versorgung. Die größere der beiden Wärmepumpen ist elf Meter lang und 52 Tonnen schwer. Ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag ist für das Projekt eingeplant. Baubeginn ist 2025, die erste Wärmepumpe soll 2027 auf dem Messegelände in Betrieb gehen, die zweite 2028.

„Win-Win-Situation“ für beide Partner 

Um die Energieversorgung zu jeder Zeit im Jahr sicherzustellen, öffnet die Rheinenergie in einem Pilotprojekt ihr Fernwärmenetz für die Messe. Im Sommer und in den Übergangszeiten, in denen die Messe selbst genügend Wärme produziert, wird Überschusswärme in das Fernwärmesystem eingespeist, im Winter bedarfsgerecht wieder entnommen. „Eine Win-Win-Situation für beide Partner“, findet Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie. Derzeit stillgelegte Sprinkler-Tanks werden zu Kältespeichern. Mit dem neuen Wärmekonzept will die Messe ab 2028 5800 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

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Mehr Sonnenenergie

Durch die beiden Wärmepumpen wird der Strombedarf in Zukunft steigen. Die Messe wird allerdings auch mehr Strom selbst erzeugen. Wie bereits im Dezember berichtet, baut die Kölnmesse die laut eigenen Angaben größte innerstädtische Photovoltaik-Anlage Kölns. 5300 Module auf den Dächern der Halle 11 und der Kongress- und Eventhalle Confex, die in diesem Jahr eröffnet wird, sollen in Zukunft zwei Millionen Kilowattstunden Sonnenenergie pro Jahr sammeln. Um den Energieverbrauch an anderer Stelle zu senken, stellt die Messe Schritt für Schritt auf LED-Beleuchtung um, Lüftungssysteme wichen energiesparenderen Modellen.

Nachhaltige Messen

Auch auf den Messen selbst bietet sich großes Nachhaltigkeits-Potenzial. „Wir bieten nachhaltige Systemstände an, die durch langjährige Wiederverwendung kaum Müll produzieren“, sagt Böse. „Bis 2030 stellen wir unser Portfolio für Systemstandbau und Standbegrenzungswände auf hundert Prozent CO₂-neutral um und erhöhen auch den Anteil der wiederverwertbaren Materialien auf 80 Prozent.“ Die Bodenbeläge sollen bis 2030 ausschließlich wiederverwertbar sein. „Dadurch reduzieren wir das durch die Koelnmesse beeinflussbare Abfallaufkommen bis 2030 um 50 Prozent“, erklärt der Messe-Chef.

Verkehr rund um die Messe

CO₂-Belastungen will die Messe auch durch ein optimiertes Verkehrsleitsystem und ein vollständig digitalisiertes Logistik- und Parkraummanagement reduzieren. Rund um die Messe sollen die Systeme Staus verhindern. Zu den bereits 80 E-Ladesäulen auf dem Messegelände kommen in diesem Jahr 70 weitere dazu.

Bildung für Mitarbeitende

Die Nachhaltigkeitsstrategie beschränkt sich nicht allein auf den Klima- und Umweltschutz. Auch die Gesundheit und die Ausbildung der Mitarbeitenden sind Teil der Zielsetzungen. So will die Messe die Anzahl der Ausbildungsplätze und der Weiterbildungstage unternehmensweit um 15 Prozent erhöhen.

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