Der Sozialdezernent der Stadt Köln, Harald Rau, hat die Pläne für das vom Stadtrat beschlossene neue Suchthilfezentrum verteidigt. Eine Anwohner-Initiative übt massive Kritik an dem Beschluss.
„Kein zweiter Neumarkt“Stadt Köln verteidigt Pläne für neues Suchthilfezentrum

Hell und freundlich: Ein Aufenthaltsbereich in einer Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenkranke in Zürich.
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Der Beschluss des Kölner Stadtrats für die Planung eines neuen Suchthilfezentrums zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße hat scharfe Kritik der Anwohnerinitiative IG Pantaleonsviertel ausgelöst. Sie spricht von einem „klaren Vertrauensbruch gegenüber der betroffenen Anwohnerschaft“. Bis heute sei „nicht offengelegt worden, nach welchen Kriterien aus ursprünglich 13 geprüften Standorten ausgerechnet der Perlengraben als angeblich alternativloser Standort ausgewählt wurde“. Die Alternativen und ihre Ausschlussgründe seien nicht transparent dargestellt worden. Auch fehlten klare Angaben darüber, „wer das Projekt in welchem Umfang finanziert“. Wie berichtet, hatten im Vorfeld mehrere private Geldgeber signalisiert, ein von der Stadt eingerichtetes Suchthilfezentrum zu unterstützen. Die Kritik der Anwohner an den Plänen war auch bei einer Informationsveranstaltung der Stadt deutlich geworden.
Nach einer betont sachlich geführten Debatte hatte der Rat am Donnerstagabend mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen der AfD den Beginn konkreter Planungen für das Suchthilfezentrum (SHZ) beschlossen. Drogenkranke sollen dort nicht nur unter hygienischen Bedingungen mitgebrachte Drogen konsumieren können, sondern auch Hilfsangebote erhalten, darunter Aufenthalts- und Ruheräume, Dusch- und Waschmöglichkeiten sowie Beratungsangebote. Vorbild sind die Kontakt- und Anlaufstellen für Drogenkranke, die es seit 1991 in Zürich gibt, das sogenannte Züricher Modell. Mit dem neuen Suchthilfezentrum will die Stadt Köln die ausufernde offene Drogenszene am Neumarkt eindämmen und in einen abgetrennten Bereich verlagern. Bis zum Baubeschluss soll die Stadt ein umfassendes Konzept für den Betrieb vorlegen. Die Eröffnung des SHZ ist in etwa einem Jahr geplant.
Auswahlverfahren für den Standort war laut Stadt Köln „hochgradig demokratisch“
Sozialdezernent Harald Rau sagte vor der Abstimmung im Stadtrat, eine ähnliche Drogenszene wie in Köln gebe es auch in Berlin, Hamburg und Frankfurt sowie in der Nachbarstadt Düsseldorf, die eine vergleichbare Einrichtung in der Eisenstraße plant. Dort gebe es die identischen Sorgen betroffener Nachbarn und Schulen.
Zur Standortwahl betonte Rau, die gesamte Fachwelt sage unisono: „Ein solches Suchthilfezentrum wird nur dann wirksam sein können, wenn es szenenah ist, weil die Leute ja freiwillig dorthin sollen.“ Deshalb habe man den Standort in einem Kilometer Umkreis um den Neumarkt herum finden müssen.
Das SHZ müsse zudem schnell in Betrieb gehen und für mehrere Jahre dort funktionieren können. „Das hat einige Lösungen ausscheiden lassen, die eben nicht schnell herstellbar oder nur für kurze Zeit herstellbar waren.“ Klar sei: Wenn man „im Mittelpunkt einer Millionenstadt“ suche, werde man „keinen Ort finden, wo nicht irgendwo eine Schule, Wohnbebauung oder Gewerbe in Nachbarschaft ist“. Der Vorwurf, die Stadt handele undemokratisch, treffe nicht zu, das Verfahren sei „hochgradig demokratisch“ gewesen, so Rau, der für „den Rückhalt großer Teile der Politik“ dankte. Der Beigeordnete versprach, der neue Drogenkonsumraum in Kalk werde jetzt „sehr, sehr zeitnah in Betrieb gehen“ und seine Öffnungszeiten schnell ausweiten. Die Stadt denke weit über den Perlengraben hinaus. „Wir wollen mindestens drei Suchthilfezentren.“
„Das Suchthilfezentrum am Perlengraben wird kein Neumarkt zwei“
Er habe großes Verständnis für die vielen Fragen der Anwohner, sagte der Sozialdezernent. Bis zur Eröffnung werde man in vielfältiger Art den Informationsaustausch mit den Bürgern suchen. „Ganz wichtig: Das SHZ am Perlengraben wird kein Neumarkt zwei“, unterstrich Rau. „Der Neumarkt hat kein Suchthilfezentrum, sondern er krankt daran, dass dort nur konsumiert werden kann, aber kein Aufenthalt möglich ist.“ Manche hätten jetzt die Sorge, „dass die Szene des Neumarkts quasi an den Perlengraben wandert. Das ist definitiv unbegründet. Dort wird es wegen der Aufenthaltsmöglichkeiten eine andere Situation sein.“
Wichtig sei auch die Zusage des Polizeipräsidenten, dass die Polizei die Repression gegen den Drogenhandel im öffentlichen Raum verstärken werde. „Es wird eine größere Sicherheit geben. Und wahrscheinlich auch vor Ort am Perlengraben und im Pantaleonsviertel wird es eine größere Sicherheit geben, weil eine größere Aufmerksamkeit, größere Präsenz etc. da ist“, so Rau.

