Mitten in der Session ist Hochsaison in der Uniformschneiderei im „Wefers-Haus“
Uniformen nach MaßSchneiderei „Brauchtum nach Maß“ schneidert traditionelle Karnevalskostüme

In der Uniformenschneiderei von „Brauchtum nach Maß“ laufen die Nähmaschinen auf Hochtouren.
Copyright: Ingo Schmitz
Die Nadeln laufen heiß, aber mit heißer Nadel ist hier nichts „gestrickt“. Im vergangenen März haben die beiden Geschäftspartner Jens Jung und Tom Ortmanns die Räume von Paramente Wefers an der Ecke Zeughausstraße/Nord-Süd-Fahrt bezogen. Sie wollten und sie mussten expandieren mit ihrem Unternehmen „Brauchtum nach Maß“. Denn das Geschäft mit dem Schneidern von Karnevalsuniformen wuchs schneller, als es die ehemaligen Räumlichkeiten am Hansaring zuließen.
Da war es ein Glücksfall, dass für die Räume der Priestergewand-Schneiderei Wefers in der Kölner Innenstadt ein neuer Mieter gesucht wurde – sind die doch wie maßgeschneidert für die Bedürfnisse von „Brauchtum nach Maß“. Jung und Ortmanns zogen sogleich ein, mit ihren Team, den Gerätschaften und den Stoffen. Und seit dem ersten Tag rattern die Nähmaschinen auf Hochtouren.
„Kompaniechefin“ mit einem Herz für Treue Husaren
Die Stoffbahnen stapeln sich in eigens dafür geschaffenen Ständern, Garne und Fäden haben direkt in den alten Schränken Platz gefunden, Schulterklappen prangen in Glasvitrinen und auf der Empore nehmen Jacken unter Nähnadeln Form an. Zurzeit arbeiten acht Schneiderinnen und Schneider für „Brauchtum nach Maß“. Dazu kommen noch Schnitttechniker. Mitten drin in dem bunten Treiben steht Viktoria Wanner, die Atelierleiterin. Seit nunmehr 15 Jahren ist sie die Kompaniechefin der Uniformschneiderei. Von zahlreichen Garden und Gesellschaften hat sie „Mappen“.
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Viktoria Wanner ist seit 15 Jahren die Kompaniechefin der Uniformschneiderei.
Copyright: Ingo Schmitz
„Rund 90 Prozent der Kölner Vereine sind bei uns Kunden“, sagt Jung nicht ohne Stolz. In den Mappen ist festgehalten, welchen Schnitt die Uniformen haben müssen, was je nach Rang aufweisen müssen, welche Details nicht fehlen dürfen. Und weil der Karneval in Köln eine lange – eine sehr lange – Tradition hat, sind einige dieser Mappen noch in Handschrift geführt, ihr Papier wirkt brüchig. Die Mappe einer Bonner KG stammt gar aus dem 19. Jahrhundert. Doch eigentlich braucht Viktoria Wanner diese Vorlagen kaum noch. Nach anderthalb Jahrzehnten hat sie beispielsweise die Schnitte für die Uniform der Prinzengarde fest in ihrem Kopf abgespeichert.
Welche Uniformen finden sie am schönsten? Die Frage bringt Wanner ein wenig in Verlegenheit. Das kölsche Brauchtum ist eine ernste Sache. Da kann die Antwort auf eine solche Frage kompromittieren. Doch Wanner trägt ihr Herz auf der Zunge. Ginge auch gar nicht anders. Am Treppenaufgang steht der Beweis für ihre Vorliebe. Eine Uniform für eine Frau im Stile der Treuen Husaren. „Die habe ich für mich selbst angefertigt, denn die Uniformen der Treuen Husaren finde ich ganz toll.“ Mit ein Grund dafür: Die Uniformen dieser Gesellschaft sind mit die aufwendigsten. Ein Fest für eine Schneiderin. Ein mehrköpfiges Team arbeitet daran locker 60 Stunden. „Im Schnitt kostet eine Uniform 1000 Euro “, berichtet Wanner. Bei den Treuen Husaren stünden aber eher 2000 Euro unter dem Strich.
Königsdisziplin: Das Ornat des Kölner Dreigestirns
Doch die Königsdisziplin ist und bleibt das Ornat des Kölner Dreigestirns. In den vergangenen beiden Sessionen ging der Auftrag dafür an „Brauchtum nach Maß“. In diesem Jahr hat ein Mitbewerber den Zuschlag bekommen. Jung nimmt es sportlich und freundschaftlich. Man kennt sich in der Branche – und man hilft sich. „Beim Ornat des Bauern unterstützen wir“, berichtet Wanner.
Überhaupt, die Branche: „Immer mehr Traditionsschneidereien haben in den vergangenen Jahren geschlossen“, berichtet Jung. In Köln sei er mit seinem Unternehmen so ziemlich der letzte große Uniformenschneider. Das sorgt zwar für volle Auftragsbücher – in dieser Session haben Wanner und ihr Team über 600 Uniformen im Vollmaß angefertigt –, doch Jung hat das Problem, nicht mehr so viel Personal zu bekommen, wie er es bräuchte. „Im kommenden Jahr wollen wir aufstocken“, lautet dennoch sein Plan. Zudem ist gute Vorplanung gefragt. Viele Uniformteile produziert das Team zwischen den Sessionen bereits vor. Und Jung versucht, die Gardisten und Offiziere ein wenig zu erziehen, damit sie frühzeitig kommen und sich nicht erst auf den letzten Drücker Maß nehmen lassen.

Jens Jung, Geschäftsführer der Uniformenschneiderei „Brauchtum nach Maß“.
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Dabei sind es weniger die Aufträge für neue Uniformen, die den Druck erzeugen, sondern die Änderungswünsche. Manch ein Jecker würde vor der ersten Sitzung mal eben in die Uniform springen und dann erschrocken feststellen, dass die wohl eingelaufen sein muss, sagt Jung augenzwinkernd. „Bis zu zwei Kleidergrößen bekommen wir hin“, sagt Wanner. Darüber hinaus setze aber der Schnitt Grenzen. Dann führt kein Weg mehr an einer neuen Uniform vorbei. Jens Jung und Viktoria Wanner sehen sich auch für solche Notfälle gewappnet. Bei Stammkunden werde nicht auf die Uhr geschaut.
