Das neue Kinderkrankenhaus, die Erwachsenen-Medizin und ein Notfallzentrum werden künftig in Merheim eng vernetzt – das Krisenzentrum ist bisher nicht finanziert.
Städtische KrankenhäuserKliniken Köln präsentieren Pläne für neuen Gesundheits-Campus

Die neue Kinderklinik (rot) und der Erweiterungsbau (hellgrau) entstehen an der Nordseite der Bestandsgebäude (hinten).
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In Köln-Merheim soll in den nächsten Jahren eine der modernsten Klinik-Landschaften Deutschlands entstehen – jetzt werden die Pläne konkreter. Am Freitag präsentierten die Klinik-Geschäftsführer Prof. Dr. Axel Goßmann und Daniel Dellmann Visualisierungen und Grundrisse für den geplanten Gesundheitscampus Merheim.
Demnach sollen der Neubau des Kinderkrankenhauses (rot) und der sich anschließende Erweiterungsbau für die Erwachsenenmedizin (hellgrau) mit insgesamt 95.000 Quadratmetern im Norden der bestehenden Klinikbauten entstehen (siehe Grafik). Darunter ist eine zweigeschossige Tiefgarage geplant, die in Notfällen zum Krisenzentrum umfunktioniert werden könnte. Wie berichtet, werden bei der Zusammenlegung die bisherigen Standorte in Riehl und Holweide aufgegeben und nach Merheim verlagert. Ein Überblick über die wichtigsten Baumaßnahmen:
Bestandsbauten
Der Westteil des zehngeschossigen Hauptgebäudes, der sogenannte A-Strang, wird zurzeit entkernt und von Grund auf saniert, dabei werden alle Leitungen erneuert. Obwohl die Arbeiten im laufenden Betrieb erfolgen, geht es laut Goßmann gut voran. „Die Baumaßnahmen laufen exzellent.“
Noch in diesem Jahr würden die ersten Stationen wieder in Betrieb gehen, die restlichen im Jahr 2027. Der B-Strang im Ostteil sei bereits kernsaniert, dort fänden lediglich Modernisierungsarbeiten statt.
Kinderklinik
Als Ersatz für das baulich veraltete Kinderkrankenhaus aus den 60er-Jahren an der Amsterdamer Straße entsteht an der Nordseite des Hauptgebäudes eine neue Kinderklinik. Darin werden ein integriertes Kindernotfallzentrum (KINZ), Spezialambulanzen, Kinderradiologie und ein Sozialpädagogisches Zentrum untergebracht. Ein besonderer Schwerpunkt ist laut Goßmann das neue Perinatal-Zentrum Level 1. Dort werden Geburtshilfe, Neonatologie und Kinderintensivmedizin räumlich vereint. „Dadurch entfallen risikoreiche Verlegungen von Früh- und Neugeborenen zwischen verschiedenen Standorten.“ Die Kinderchirurgie sei nur eine Etage vom Perinatalzentrum entfernt. „Das ermöglicht optimale Prozessabläufe.“ Auf dem Dach der Kinderklinik soll ein Sportplatz entstehen, möglicherweise auch ein Streichelzoo.

Der geplante Eingangsbereich an der neuen Kinderklinik.
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Ronald-McDonald-Haus
Auch an der neuen Kinderklinik wird es – wie in Riehl – wieder einen Ort geben, an dem Familien unterkommen können, während ihre schwerkranken Kinder in Behandlung sind. „Das ist ein unschätzbarer Vorteil für Eltern und Kinder“, so Goßmann. Finanziert wird der Bau durch Spenden und die McDonald's-Kinderhilfe.
Erweiterungsbau
Im Neubau für die Erwachsenenmedizin neben der neuen Kinderklinik wird ein Integriertes Notfallzentrum (INZ) eingerichtet, das künftig Anlaufstelle für alle Notfallpatienten sein wird. Außerdem werden dort zusätzliche OP-Kapazitäten, die Gynäkologie und die Geburtshilfe angesiedelt. „Die modulare Bauweise ermöglicht flexible Anpassungen an zukünftige Entwicklungen. Großzügige Innenhöfe sorgen für Tageslicht und Orientierung“, erläutern die Kliniken. Prof. Goßmann betont: „Wir schaffen jetzt mit dem Gesundheitscampus Merheim zukunftsweisende Voraussetzungen für eine moderne, vernetzte und hochprofessionelle Spezialmedizin, die ihresgleichen sucht. Gerade bei komplexen Krankheitsbildern profitieren Patientinnen und Patienten von kurzen Wegen, enger interdisziplinärer Zusammenarbeit und einer hochmodernen Infrastruktur.“

Visualisierung der geplanten Neubauten für den Gesundheitscampus der Kliniken Köln in Merheim.
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Krisenzentrum
Unter der Kinderklinik und dem Erweiterungsbau ensteht eine zweigeschossige Tiefgarage mit insgesamt 20.000 Quadratmetern Fläche. Das bietet die Gelegenheit, dort optionale Behandlungskapazitäten zu schaffen, um im Falle von Naturkatastrophen, Massenunfällen oder Terroranschlägen eine größere Anzahl von Patienten zu versorgen. „Wir haben die einmalige Chance, ein unterirdisches Krisenzentrum in den Neubau zu integrieren“, unterstreicht Goßmann. Die Klinik Merheim sei erfahren in der Behandlung Schwerstverbrannter, sie habe Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana und aus der Ukraine versorgt. In dem riesigen unterirdischen Bau könne man im Krisenfall zahlreiche Patienten behandeln. Dazu müssten im Vorfeld zum Beispiel spezielle Leitungen verlegt werden.
„Diese Planung hat in Deutschland Pilotcharakter und ist ein Meilenstein beim Ausbau der Resilienz der Kliniken Köln“, betont Goßmann. Für das Vorhaben, das rund 40 Millionen Euro kosten soll, gebe es bisher aber noch keine Finanzierung. Die Klinik-Chefs hoffen, dass Bund und Land dazu bald eine positive Entscheidung treffen. „In einem Jahr ist es zu spät.“
Weitere Elemente
Gebaut wird auch ein neues Logistikzentrum. Geplant, aber noch nicht beschlossen, ist der Bau eines neuen Ausbildungszentrums, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Zeitplan/Kosten
In Kürze soll der Bauantrag gestellt werden, der Abbruch von Altbauten soll im Sommer erfolgen, der erste Spatenstich für die Neubauten 2027. Die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Der Stadtrat hat für das Projekt 590 Millionen Euro bewilligt, das Land NRW steuert weitere 250 Millionen bei.
