Vater Stanislaw Borowski in Rheinbach, Sohn Wiktor in Königswinter und die Söhne Pawel und Stani Jan in Bunzlau in Polen.
Glasdynastie BorowskiVater und Söhne aktiv in Rheinbach, Königswinter und Bunzlau

In den Ausstellungsräumen in Bunzlau zeigt Pawel Borowski sein Lieblingsstück, das Chamäleon.
Copyright: Heidrun Wirth
Das 1990 gegründete Glasstudio Borowski hat in Fachkreisen einen besonderen Namen. Eine diffizile Technik, gediegene Handwerklichkeit und sicher auch manch ein Betriebsgeheimnis konnte der Vater Stanislaw Borowski an seine Söhne Pawel und Wiktor weitergeben. Dabei lag der Akzent immer auf freier Glaskunst und nicht auf Gebrauchsglas und dabei will das Familienunternehmen auch bleiben.
Seit 1982 lebt der Glasküstler in Rheinbach
Dem 1944 in Moutiers in Frankreich geborenen Vater Stanislaw Borowski, dem Gründer der Manufaktur, ist zurzeit die Ausstellung „Ein Leben für das Glas“ im Glasmuseum in Rheinbach gewidmet. Seine kunstvollen Kleinskulpturen zeigen Experimentierfreude und nicht auszuschöpfenden Ideenreichtum. Der vielfach ausgezeichnete Glaskünstler erlernte sein Handwerk in der Glashütte Krosno in Polen. Von 1982 an lebte er in Rheinbach, wo er mit dem Glaskünstler Udo Edelmann Heißglastechnik und Gravur weiter entwickeln konnte.
Die ehemalige Leiterin des Glasmuseums, Dr. Ruth Fabritius, die die Ausstellung kuratierte, meinte: „Wir haben es nicht nur mit einem brillanten Beherrscher aller Möglichkeiten, die der Werkstoff Glas bietet, zu tun, sondern auch – und vor allem – mit einem leidenschaftlichen Geschichtenerzähler, der seine Träume und Alpträume, seine Ängste, Hoffnungen und Visionen mit dem Gravurrädchen auf die Haut des Glases einritzt.“ Zum 1. Mai diesen Jahres hat derweil die Kunsthistorikerin Lina Dolfen die Leitung des Rheinbacher Glasmuseums übernommen.

In der Glashütte in Bunzlau ist der große Brennofen Tag und Nacht in Betrieb.
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Im hellen – oft mit Sandstrahlgebläse aufgerauten Glas – sind farbige Gesichter, Figuren in fantastisch-surrealistischen Szenen im Glas verschlossen. Die Übergänge fließen weich ineinander oder wirken fast holzschnittartig markant. Geschickt werden „warme“ Techniken, wie die Überfangtechnik und das geblasene Glas mit „kalten“ Techniken wie den verschiedenen Schleif-, Gravur- und Sandstrahltechniken verbunden.
Doch um die komplizierte Produktion zu verstehen, muss man eigentlich nach Bunzlau (Boleslawiec) in Polen fahren, wo sich die Produktionsstätte der Glashütte befindet und wo der große Brennofen, umgeben von verschiedenen Abkühlöfen Tag und Nacht bullert. Der mit Erdgas betriebene Schmelzofen wird auf bis zu 1200 Grad erhitzt und läuft im Schichtbetrieb. Er darf ein ganzes Jahr lang nicht abgeschaltet werden.
Unternehmen gefährdet durch Krieg und Zölle
In dieser Manufaktur werden die verschiedensten farbgebende Granulate eingebrannt und ohne Unterbrechung werden seit 1990 die inzwischen typischen Borowski- Tierfiguren in kleinen Serien produziert. Die Leitung liegt in den Händen der Brüder Pawel und Stani Jan Borowski. Doch es gibt auch Sorgen. Gute Abnehmer waren bisher immer der Iran und Amerika. Aber nun ist das Unternehmen durch den Krieg, die Zölle und die erhöhten Energiekosten gefährdet, auch wenn der Bunzlauer Betrieb das zugrundeliegende Glasgemenge aus dem europäischen Schweden bezieht.
Der 1969 in Krosno geborenen Pawel Borowski begrüßt die Besucher in Bunzlau in bestem Deutsch. 1983 war die Familie in die Bundesrepublik übergesiedelt und nach dem Abitur in Rheinbach ließ sich Pawel nach einem betriebswirtschaftlichen Studium zum selbstständigen Glasgestalter in Rheinbach ausbilden. Mit dieser Manufaktur haben die Brüder eine Marktnische gefunden. 15 Mitarbeitende sind beschäftigt und die Exponate werden inzwischen in 35 Länder in alle Welt exportiert, bis nach Amerika und nach Neuseeland. 250 verschiedene Objekte sind im Katalog zu finden.

Lina Dolfen hat die Leitung des Rheinbacher Glasmuseums übernommen.
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Die Tierfiguren stehen – oft von innen beleuchtet – in Gärten und Innenhöfen und verwandeln insbesondere in der Weihnachtszeit auch den Himmeroder Hof vor dem Rheinbacher Glasmuseum.
Auch auf der anderen Rheinseite in Königswinter gibt es einen traumhaften Ort mit Borowski-Figuren: den Wintermühlenhof. Hier arbeiten Magdalena und Wiktor Borowski, die den weltweiten Vertrieb organisieren. Ein Spaziergang durch den Park am Rande des Siebengebirges (samt Wasserfall) an einem Sonntagnachmittag gehört zu den schönsten Ausflügen rings um Bonn.
Besonders Kinder sind entzückt von großen Leuchtkäfern und Grillen, Bienen, Eulen, oder einer Fledermaus, die ihre Flügel ausbreitet. Aber warum lösen die oft beleuchteten Figuren mit den putzigen Mickymaus-Effekten so viel Freude aus? Der Bunzlauer Produktionschef Pawel meint: „Markant und vorsätzlich positiv soll die Wirkung sein. Weil die Figuren lebensbejahend sind, können sie das den Leuten weitergeben.“
Die Ausstellung in Rheinbach, Himmeroder Wall 6, „Stanislaw Borowski – Ein Leben für das Glas“, läuft bis zum 27. September und ist geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.
In Königswinter, Wintermühlenhof 11: Continuum Gallery, findet eine Gruppenausstellung „Realism Meets Abstraction“ in Galerie und Park am 31. Mai von 13 bis 17 Uhr statt.
