Die Uniklinik stellt Berufsschülern regelmäßig Karrieremöglichkeiten vor. Diese scheinen immer beliebter zu werden.
Boom der Gesundheitsberufe?Junge Kölnerin begeistert an Berufskolleg für die Pflege-Ausbildung

Franca Tuchscherer (20) ist angehende Pflegefachfrau in der Uniklinik Köln
Copyright: Nabil Hanano
Für Franca Tuchscherer schließt sich heute ein Kreis. Dutzende Schülerinnen und Schüler beobachten sie in der Turnhalle ihres alten Berufskollegs. Die angehende Pflegefachfrau gibt heute einen Workshop zur Reanimation anlässlich eines Orientierungstages in Kooperation mit der Uniklinik Köln. Eine Veranstaltung, die der Grund dafür war, dass die 20-Jährige ihre Ausbildung aufnahm. Nun ist die ehemalige Schülerin zurück, um ihre Begeisterung weiterzugeben.
Rund 15 Ausbildungen im Bereich Pflege, Therapie und Medizintechnik bietet die Uniklinik an, darunter auch zwei duale Studiengänge wie die Hebammenwissenschaft. Einige stellen sich während des Zukunftstags des Berufskollegs Humboldstraße vor und bieten in Workshops praktische Einblicke an. Während hinter der einen Tür Nähte an einer Gummihaut gesetzt werden, nehmen die Teilnehmenden im Nebenraum Blut aus einem Puppenarm ab und wieder andere untersuchen Proben an einem Mikroskop.

Die angehende Pflegefachfrau Franca Tuchscherer erklärt Schüler Nima Hückelheim im Rahmen eines Workshops, wie eine Reanimation funktioniert.
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Von den rund 800 Auszubildenden, die aktuell in der Uniklinik im Einsatz seien, sind rund die Hälfte angehende Pflegekräfte, wie Lisa Barth aus dem Personalmarketing erklärt. „In den vergangenen Jahren haben wir die Plätze für die Ausbildung zum Pflegefachmann und zur Pflegefachfrau stark aufgestockt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Und grundsätzlich können wir diese Plätze auch besetzen“, sagt sie. Die Abbruchquote liege bei rund 15 Prozent.
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Ist die Pflege also dabei, einen Imagewechsel zu vollziehen? Weg von Ausbeutung, hin zu Abwechslung und Aufstieg? Im Fall von Franca Tuchscherer trifft das zu. „Man hat in der Pflege so viele Möglichkeiten. Ich schätze die interprofessionelle Zusammenarbeit und dass mir so viel erklärt und beigebracht wird“, schwärmt sie. Ist die generalisierte Ausbildung abgeschlossen, können Fachweiterbildungen in Fachbereichen wie der Intensivpflege gemacht oder ein Studium in verkürzter Zeit angehangen werden.
„In den sozialen Bereich wollte ich schon immer“, sagt Tuchscherer. Das liegt gewissermaßen in der Familie: „Mein Vater ist Arzt und meine Mutter Motopädin und Erzieherin.“ Obwohl ihre Eltern die Entscheidung der 20-Jährigen guthießen, bekam sie von anderen Leuten auch Warnungen zu hören, die Rückenschmerzen prophezeiten. „Das habe ich ignoriert und mir die Ausbildung nicht schlechtreden lassen.“

Auch an Ständen konnten sich die Schülerinnen und Schüler über Ausbildungsangebote an der Uniklinik informieren.
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Trotzdem gibt es nach ihren bisherigen Praxisblöcken im Krankenhaus einen Bereich in der Pflege, den sie jetzt schon für sich ausschließt: die stationäre Langzeitpflege in der Geriatrie (Altersmedizin). „Das war hart, weil die Abläufe jeden Tag gleich sind. Ich brauche einen Bereich, in dem viel los ist und ein gewisses Stresslevel herrscht.“ Deshalb freue sie sich auf ihren Einsatz in der Unfallchirurgie.
„Berufe im Gesundheitsbereich erleben glücklicherweise einen Aufschwung“, sagt Lisa Barth. Das liege an mehreren Faktoren. Einerseits würden Ausbildungsberufe und Berufswege, die nicht vom Gymnasium an die Universität führen, immer beliebter. So auch bei Tuchscherer, die nach ihrem Realschulabschluss schnell in den Beruf wollte und ein Fachabi mit dem Schwerpunkt Gesundheit am Berufskolleg Humboldtstraße anhängte. Doch die größte Rolle spiele die aktuelle Gefühlslage der jüngeren Generationen. „Viele Schülerinnen und Schüler sind sehr verunsichert.“
Steigende Preise, ein umkämpfter Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) wecken laut Barth das Bedürfnis nach Sicherheit – und die könne der Gesundheitsbereich bieten. „Diese Berufe werden immer gebraucht und können nicht so leicht durch Technik ersetzt werden. Zudem bieten wir in der Uniklinik ein attraktives Gehalt nach Tarif“, sagt Barth. Im dritten Ausbildungsjahr zur Pflegefachperson gibt es rund 1.500 Euro, Einstiegsgehälter liegen bei 3.300 Euro brutto.

Schülerin Amina Gassa (l.) probiert in einem Workshop aus, wie Nähte gemacht werden. Geleitet wird er von Operationstechnischen Assistentinnen.
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Barths Einschätzung bestätigt auch der 19-jährige Schüler Nima Hückelheim. Er interessiert sich eigentlich für Wirtschaftsinformatik, findet nach seinem Workshop aber auch die Physiotherapie spannend. „Es ist cool, tatsächlich Leuten zu helfen. Und es ist mir sehr wichtig, dass ich ein gesichertes Einkommen habe.“ Auch er befürchte, dass die KI bald ganze Jobs ersetzen könnte.
Neben der Physiotherapie gehört auch die Operationstechnische Assistenz (OTA) laut Barth zu den beliebtesten Ausbildungsberufen an der Uniklinik. Schülerin Amina Gassa (19) nimmt heute am passenden Workshop teil – obwohl sie bereits überzeugt ist. „Gestern hatte ich mein Bewerbungsgespräch in der Uniklinik“, sagt sie fröhlich.
Sie sei dankbar dafür, dass dort auch zahlreiche Praktika angeboten werden. „Ich durfte über acht Stunden lang bei einer Operation an der Wirbelsäule dabeisein. Das war sehr anstrengend, aber auch sehr spannend“, erinnert sie sich. Von ihrem künftigen Beruf ist sie nach dieser Erfahrung begeistert: „OTA zu sein bedeutet mehr, als Instrumente anzureichen. Das sind die Superhelden, die zwar im Hintergrund stehen, aber einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass alles funktioniert.“
