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Psychotherapeuten in AusbildungKölner Nachwuchs kritisiert unfaire Bezahlung

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Demonstration in Köln: Psychotherapeuten in Ausbildung fühlen sich ausgebeutet.

Köln – Die Zeiten, in denen Helen H. im Café gearbeitet hat, sind vorbei. Nach mehr als fünf Jahren Psychologie-Studium und 1.800 Stunden mit Patienten mit Depressionen, bipolaren, Borderline- und Angststörungen ist die Kölnerin bald fertige Psychotherapeutin. Doch noch ist sie „PiA“, Psychotherapeutin in Ausbildung. Und für viele der rund 15.000 Auszubildenden in Deutschland steht das „A“ für Ausbeutung.

„Gesetz hält sich nicht an Arbeitsrecht“

Im Durchschnitt verdienen PiA während der 1.800 Stunden Praxiszeit in Kliniken 639 Euro. Das bisherige Gesetz halte sich nicht ans Arbeitsrecht, so H. Das ermögliche die Bezahlung „weit unter Mindestlohn“. Die Kosten für die Ausbildung von bis zu 70.000 Euro müssen die PiA selbst tragen. H. macht eine Verhaltenstherapie-Ausbildung, mit „gut 21.000 Euro“ günstiger als etwa ein tiefenpsychologischer Fokus. Drei Tage arbeitete die heute 28-Jährige in einer Klinik, einen Tag im Café, hin und wieder kamen Ausbildungsseminare dazu.

Ihren vollen Namen möchte H. nicht in der Zeitung lesen. Selten finde sich jemand, der offen über die prekären Arbeitsbedingungen spricht, sagt sie. Gründe seien Angst vor der Klinikleitung und, dass Stunden nicht anerkannt werden könnten. Denn „offiziell schauen wir uns während der 1.800 Stunden nur Störungsbilder an“, also Fallbeispiele. Tatsächlich führten die Auszubildenden aber „Einzel- und Angehörigengespräche, leiten Gruppen und machen Diagnostik“. Das reiche bis hin zu Straftätern, die in der Forensik untergebracht sind. „Alle, die mal als Patienten in solchen Kliniken sind, profitieren davon, wenn das Personal dort gut behandelt wird.“

Ärztekammer lehnt Reform ab

Selbst die Abkürzung für das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz ist ein Wortungetüm: Das PsychThGAusbRefG schafft das bisherige Ausbildungsmodell ab und integriert es in ein fünfjähriges Studium aus Bachelor und Master. Ob der angepeilte Start 2020 eingehalten werden kann, ist fraglich. Absolventen des Studiengangs sind dann fertige Psychotherapeuten. Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde kritisieren das Vorhaben heftig. Der medizinische Anteil an der Psychotherapie werde vernachlässigt. Absolventen des Modellstudiengangs könnten Psychopharmaka verschreiben, „ohne die grundlegenden Kenntnisse des Arztes in Pharmakologie und Stoffwechselvorgängen“, so der Präsident der Bundesärztekammer.

In Köln gingen die PiA deswegen zuletzt wieder auf die Straße – „um nicht mehr für drei Euro in den Kölner Psychiatrien reguläre Psychologen-Arbeit zu machen“, wie H. sagt. Einen Gesetzentwurf für eine grundlegende Reform der Ausbildung hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zwar vorgelegt (siehe Infokasten). Eine faire Bezahlung für die jetzigen Auszubildenden fehlt darin jedoch. Für die kämpft das PiA-Bündnis Köln. Seit einem Jahr organisiert es Infoveranstaltungen und Protestaktionen, um fairere Arbeitsbedingungen für PiA zu erreichen.

Einer, der sie unterstützt, ist der SPD-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. Er wolle verhindern, dass wir „in der Übergangsphase eine Zweiklassenversorgung haben“, sagt Lauterbach auf Rundschau-Anfrage. „Diejenigen, die nach dem neuen Gesetz ausgebildet werden, werden schon bezahlt, die nach dem alten nicht.“

„Noch vor der Sommerpause ein gutes Gesetz“

Der Bundesrat hat Spahns vom Kabinett abgesegneten Vorschlag mit Änderungswünschen zurückgegeben. Die Forderung der PiA einer fairen Bezahlung für die Auszubildenden nach altem Modell in der Übergangszeit bis 2032 unterstützen die Ländervertreter. Lauterbach zeigt sich zuversichtlich, dass die Parlamentarier „noch vor der Sommerpause ein gutes Gesetz“ hinbekämen.

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Den Vorwurf, unter Mindestlohn zu zahlen, wies ein Sprecher der Uniklinik zurück. Es handele sich eben „nicht um Gehalts- oder Lohnarbeit, sondern um ein obligates Praktikum“.

Zu den derzeitigen Bedingungen sagte ein Sprecher des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) als Klinikträger, es bestehe „in diesem Abschnitt der Ausbildung kein Anspruch auf eine Vergütung nach Tarif“. Neben der Aufwandsentschädigung biete der LVR den PiA zudem einen befristeten Arbeitsvertrag an. Von Seiten der Uniklinik hieß es, grundsätzlich sei man dafür, dass die Auszubildenden mehr Geld bekommen. „Allerdings muss das irgendwo herkommen“. Den Vorwurf, unter Mindestlohn zu zahlen, wies ein Sprecher zurück. Es handele sich eben „nicht um Gehalts- oder Lohnarbeit, sondern um ein obligates Praktikum“. Diese Tätigkeit werde finanziell unterstützt.

Niederlassung in Köln kostet oft fünfstelligen Betrag

Helen H. beendet gerade den zweiten Teil ihrer Ausbildung, 600 Stunden in einer ambulanten Praxis in der Nähe vom Barbarossaplatz. Dort bekommt sie „immerhin 30, 40 Euro pro Stunde“. In Zukunft wäre sie „gerne irgendwo angestellt, um den Austausch im Team zu haben“. Sie könne sich auch vorstellen, eines Tages eine Niederlassung zu übernehmen. Doch die sind nicht nur rar, sondern auch teuer: Die Kosten für einen Sitz in der Stadt liegen laut H. im hohen fünfstelligen Bereich.