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Statistik am Neumarkt vorgestelltSo viele Einsätze verzeichnet die Kölner Polizei im Jahr

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Ein Einsatzschwerpunkt der Kölner Polizei ist der Neumarkt.

Ein Einsatzschwerpunkt der Kölner Polizei befindet sich rund um den Neumarkt.

Im vergangenen Jahr gab es mehr als 2000 Versammlungen und Demonstrationen - und die Tendenz ist steigend. 

Wer kann, der vermeidet es, sich länger als nötig am Neumarkt aufzuhalten. Die dort etablierte Drogenszene dominiert längst den zentralen Platz und seine Seitenstraßen, Bürgerinnen und Bürger sind abgeschreckt. „Diese Zustände machen konsequentes Handeln erforderlich, damit wir nicht in eine größere Katastrophe geraten“, sagte Polizeipräsident Johannes Hermanns am Mittwochvormittag auf dem Neumarkt. „Deshalb arbeiten unsere Kolleginnen und Kollegen täglich dafür, dass die Bevölkerung die Plätze in Köln so nutzen kann, wofür sie auch geschaffen worden sind: Als Orte, an denen man gerne verweilt und an denen man sich auch aufhalten möchte.“

Die Behörde hat sich bewusst den Neumarkt für die Vorstellung ihrer Einsatzstatistik ausgesucht: An diesem Brennpunkt hat die Polizei ihre Präsenz im vergangenen Jahr verdreifacht. Eine Einsatztruppe sowie verdeckte Kräfte konzentrieren sich speziell auf die Probleme am Neumarkt. Die Maßnahmen der Polizei, etwa Aufenthalts- oder Betretungsverbote sowie Festnahmen, sollen das in Zahlen zeigen: 2025 waren es rund 13.100 Maßnahmen, 2024 noch rund 3600. Messbar seien die Straftaten, die nicht mit Drogen zu tun haben, am Neumarkt um rund 11,4 Prozent rückläufig.

Polizeipräsident Johannes Hermanns (l.) und der Leitende Polizeidirektor Martin Lotz stellen die Einsatzzahlen des Jahres 2025 vor.

Polizeipräsident Johannes Hermanns (l.) und der Leitende Polizeidirektor Martin Lotz stellen die Einsatzzahlen des Jahres 2025 vor.

Dennoch fehlen die dort großzügig eingesetzten Beamten anderswo. Unterstützt wird die Polizei am Neumarkt zusätzlich von externen Kräften der Bereitschaftspolizei. Eine eigens gegründete Ermittlungsgruppe „City“ soll für die Bündelung einzelner Straftaten und damit zur Verurteilung von Täterinnen und Täter sorgen. „Egal wo, unser Ziel bleibt immer dasselbe: die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Menschen weiter zu stärken“, so Hermanns. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bürgerinnen und Bürger Angst haben an Haltestellen in die Bahn zu steigen oder über Plätze oder durch Straßen zu gehen.“ Es brauche für die abhängigen und kranken Menschen aber auch Hilfsangebote.  Das geplante Suchthilfezentrum sei ein erster Schritt in diese Richtung. 

Die Kölner Polizei verzeichnete 2025 insgesamt rund 5000 mehr Einsätze als im Vorjahr. „Die Zahl der Einsätze ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich angestiegen“, so Hermanns. Die höchsten Zahlen, jeweils rund 61.000 Einsätze, verzeichnen Kalk und Porz sowie der Bereich Innenstadt. Rund 15 Prozent entfallen auf Einsätze im Verkehr, etwa bei Unfällen, weitere 15 Prozent auf den Einsatz im Bereich Kriminalität (siehe Infografik). Der Großteil der Einsätze fällt unter das Stichwort Gefahrenabwehr: unter anderem Objektschutz, das Schlichten von Streitigkeiten, sonstige Ermittlungen oder die Absicherung von Großveranstaltungen.

Zahl der Versammlungen und Demonstrationen hat sich verdreifacht

Letzteres bindet viel Personal. Die Zahl der Versammlungen und Demonstrationen habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht, so der Polizeipräsident. Ein Grund dafür seien die zunehmenden Kriegsereignisse in der Welt: Mehr als 2000 Versammlungen gebe es in Köln im Jahr, die Tendenz ist steigend. „Das ist für uns eine personelle Belastung“, so Hermanns. „Aber auch für die Bürger, weil teilweise ganze Stadtbereiche an einzelnen Tagen lahmgelegt werden.“

Auch Sportveranstaltungen, hauptsächlich Fußballspiele, werden von der Polizei gesichert, mehr als 15.000 Einsatzkräfte waren 2025 nur dafür im Einsatz. „Polizeilich ein Kraftakt“, so Lotz. Zu den besonderen Einsatzlagen gehört auch der Karneval, mit rund 6000 Einsatzkräften an den Tollen Tagen. 

Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bürgerinnen und Bürger Angst haben an Haltestellen in die Bahn zu steigen oder über Plätze oder durch Straßen zu gehen.
Johannes Hermanns, Polizeipräsident

Weniger als alle zwei Minuten rückt die Kölner Polizei zu einem Einsatz aus. Neben dem großen Arbeitspensum sind aber auch die Einsätze selbst gefährlicher für die Beamten geworden. „1995 Polizeibeamte wurden im vergangenen Jahr Opfer einer Widerstandshandlung“, sagt Martin Lotz, Leitender Polizeidirektor. „Die Aggressivität auf der Straße gegen Einsatzkräfte steigt.“ Mit Professionalität, Ausstattung und entsprechender Ausbildung reagiere man darauf.

In Sachen Schnelligkeit, zumindest wenn es drauf ankommt, gehört die Kölner Polizei zu den Top Five auf Landesebene: Bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten sind Beamte im Schnitt innerhalb von 6 Minuten und 40 Sekunden am Unfallort, bei einem Einsatz, bei dem der Täter noch am Tatort ist, sind es im Schnitt 4 Minuten und 7 Sekunden. Bei allen anderen Einsätzen liegt der Durchschnitt bei 17 Minuten und 19 Sekunden. Knapp eine Minute über dem Richtwert von 16 Minuten.