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Kölner Drogenszene
Höchststand bei Drogentoten

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Utensilien, die zum Heroinkonsum genutzt werden (Symbolbild).

Köln – Die Zahl der Drogentoten in Köln ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik starben 74 Menschen an den Folgen des Konsums illegaler Drogen. Das waren 24 mehr als im Jahr 2020 und einer mehr als der bisherige Höchststand des Jahres 2018 mit 73 Drogentoten.

Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage der FDP-Fraktion im Gesundheitsausschuss mitteilte, unterliegt die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Köln starken Schwankungen. Nach einem Höchststand im Jahr 2006 war sie lange Zeit rückläufig, ehe sie ab dem Jahr 2013 wieder anstieg (siehe Grafik).

Unter den 74 Drogentoten des Jahres 2021 in Köln waren 15 Frauen und 59 Männer. Die meisten von ihnen gehörten zu der Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen. Das Durchschnittsalter wurde mit 45 Jahren angegeben, NRW-weit betrug es 44 Jahre.

Vor allem Langzeitkonsumierende betroffen

Die NRW-Landesregierung hatte sich nach einer Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag zu den Gründen des sprunghaften Anstiegs der Zahl der Drogentoten in NRW dahingehend geäußert, dass vor allem Langzeitkonsumierende betroffen seien. Es gebe eine „deutliche Steigerung der Todesfälle infolge konsumbedingter Gesundheitsschädigungen bei Langzeitkonsumierenden“. Diese würden mehr als zwei Drittel (70,6 Prozent) der Rauschgifttoten des Jahres 2021 ausmachen. NRW-weit gab es voriges Jahr 693 Drogentote, davon waren 489 Langzeitkonsumierende.

Inwieweit die Dauer des Konsums auch in Köln eine Rolle spielt, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. Sie teilte mit: „Über die Dauer des Konsums illegaler Drogen vor dem Versterben im Stadtgebiet Köln liegen der Stadt Köln keine Daten vor.“

Drogenhilfsangebote sollen verbessert werden

Die sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Katja Hoyer, zeigte sich schockiert, „dass trotz vieler Hilfsangebote die Zahl der Drogentoten in Köln im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht hat“. Dieser „traurige Rekord“ sei ein Alarmzeichen und zeige, dass es noch viel zu tun gebe, „um den schlimmen Folgen des Drogenkonsums in unserer Stadt besser entgegenzuwirken“. Ihre Fraktion bedauere sehr, „dass die Stadt über die Dauer des Drogenkonsums bei den Verstorbenen keine Angaben machen kann“.

Zudem sei die Frage offen geblieben, so Hoyer, „an welchen Drogen die meisten Menschen in Köln sterben“. Hier verlange man von Gesundheitsdezernent Harald Rau differenziertere Antworten, die Verwaltung müsse nacharbeiten. „Wir brauchen eine bessere Analyse, um zielgerichtet helfen zu können.“

Heroin und Amphetamine auf dem Vormarsch

Laut polizeilicher Kriminalstatistik hat die Zahl der Rauschgiftdelikte in Köln voriges Jahr um 6,15 Prozent auf 6765 Fälle zugenommen. Beim Besitz von Heroin stieg die Zahl der festgestellten Verstöße um 26,6 Prozent auf 647 Fälle, bei Amphetaminen um 40 Prozent auf 959 Fälle. Der illegale Handel und Schmuggel mit Heroin nahm um 13,7 Prozent auf 158 Fälle zu, bei Amphetaminen um 11,3 Prozent auf 59 Fälle. Rückläufig waren dagegen der Besitz von Kokain (minus 8,4 Prozent) und Ecstasy (minus 20 Prozent).

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Eine Prognose, wie sich die Zahl der Drogentoten in Zukunft entwickeln werde, könne man nicht abgeben, erklärte die Stadt. Sie verweist auf ihre verschiedenen Hilfs- und Beratungsangebote, darunter den neu eingerichteten Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt am Neumarkt. Todesfällen durch langfristigen Drogenkonsum wirke man "durch niedrigschwellige medizinische Angebote" entgegen, so die Verwaltung. Die Behandlung von Menschen mit Opiatabhängigkeit werde "unter anderem in der Methadonambulanz" sichergestellt. Im Drogenkonsumraum biete man "Spritzentausch, medizinische Beratung und Behandlung" an, diese Angebote würden "sehr rege genutzt".

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